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„Der Ein-Euro-Job ist der Anfang eines langen Weges“

Mittel für Integration in den Arbeitsmarkt gekürzt, am stärksten bei Arbeitsgelegenheiten

. Von Martina Jurk, 23.03.2011

Braunschweig. Das Geld, das die Jobcenter für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen erhalten, ist von der Bundesregierung gekürzt worden (wir berichteten). Demgegenüber steht aber die Forderung, mehr Arbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren – wohlgemerkt mit weniger Geld.

Die Folge: drastische Einschnitte auch bei den Arbeitsgelegenheiten, den sogenannten Ein-Euro-Jobs. Die wurden in Braunschweig um die Hälfte reduziert, von zirka 1000 auf zirka 500 Plätze. Als Bundesmittel für arbeitsmarktpolitische Leistungen erhält das Jobcenter statt 20 Millionen Euro im Jahr 2010 nur noch 13,5 Millionen Euro.
Diese Zahlen, die die nB in ihrer Ausgabe vom 16. Februar veröffentlicht hatte, sorgten bei Lesern für Verwirrung. Deshalb fragte die nB bei Jörg Hornburg, Geschäftsführer des Braunschweiger Jobcenters, nach.
23 500 Braunschweiger erhalten Leistungen vom Jobcenter (früher Arge), davon sind 17 000 erwerbsfähig. Um diese aktiv in den Arbeitsmarkt integrieren zu können (Eingliederungstitel), stehen dem Jobcenter knapp 13,5 Millionen Euro zur Verfügung. Diese werden natürlich nicht nur für die Arbeitsgelegenheiten ausgegeben, die betragen lediglich einen Anteil von zwei Millionen Euro (15 Prozent) am Gesamtkuchen aller Eingliederungstitel. Der Rest wird für 2011 wie folgt geplant: Vermittlung, Aktivierung, berufliche Eingliederung – knapp 3,6 Millionen Euro (26 Prozent); Qualifizierung – 3,7 Millionen Euro (28 Prozent); Beschäftigung begleitende Leistungen (Eingliederungs- und Beschäftigungszuschüsse, Einstiegsgeld, Hilfen für Selbstständigkeit) – knapp 2,2 Millionen Euro (16 Prozent); Spezielle Maßnahmen für jüngere Arbeitslose – knapp 1,5 Millionen Euro (11 Prozent); Leistungen für Menschen mit Behinderung – 387 000 Euro (3 Prozent); Freie Förderung – 135 000 Euro (1 Prozent).
Am meisten gekürzt – fünf Millionen Euro – wurde bei den Arbeitsgelegenheiten, „und das ist mit Abstand die größte Kürzung“, betont Jörg Hornburg.
So seien die kostenintensivsten Maßnahmen gekürzt worden, wie zum Beispiel die Gärtnerei in Riddagshausen, und damit auch die Pauschale der Träger von Arbeitsgelegenheiten. Die würde jetzt durchschnittlich 250 Euro im Monat für eine Ein-Euro-Stelle betragen, vorher waren es 500 Euro. Zur Erklärung: Das Geld wird für den Platz ausgegeben und nicht ausschließlich dafür, um den Ein-Euro-Jobber zu bezahlen. Zum Arbeitsplatz gehören Arbeitsmittel, Betreuer und/oder Sozialpädagogen.
Die Ein-Euro-Jobber bekommen Arbeitslosengeld II (Hartz IV) plus einen Euro pro Stunde obendrauf als Aufwandsentschädigung (vor der Kürzung waren es 1,40 Euro). Die Zuweisung erfolgt grundsätzlich für sechs Monate.
„Die Arbeitsgelegenheit ist der Anfang eines langen Weges, um Arbeitslose fit für einen Job zu machen. Dabei geht es nicht um den einen Euro, sondern um das Gefühl, gebraucht zu werden, und um wieder eine Struktur in ihren Alltag zu bringen“, erklärt Hermann Gwiasda, Bereichsleiter Markt und Integration im Jobcenter. Nach den sechs Monaten werde überlegt, ob eine weitere, andere Maßnahme sinnvoll ist, beispielsweise eine Qualifizierung oder die Aufnahme in das Programm Top-50 für ältere Arbeitslose. „Wir versuchen, für jeden Menschen den passenden Weg zu finden“, meint Hermann Gwiasda.
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