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Der Brandschutz geht vor: Fuchs und Hase ziehen um

Naturhistorisches Museum: Vier von 29 Dioramen stehen den Umbauplänen im Weg.

Von Marion Korth, 01.01.2012.

Braunschweig. Der Aufschrei der Empörung müsste Museumsleiter Dr. Ulrich Joger noch in den Ohren klingen. 4 der insgesamt 29 Dioramen im Naturhistorischen Museum sollen der Neugestaltung des Eingangsbereichs weichen. Damit wird offenbar ein Tabuthema angefasst.

„Es ist schwierig, etwas vorzustellen, das es noch nicht gibt. Wir brauchen jetzt Bilder, so steht nur der schmerzliche Verlust“, sagt Joger. Die Pläne für einen Vorbau verschwanden nach heftigen Protesten wegen der Kosten wieder in der Schublade, obwohl der symbolische Spatenstich bereits erfolgt war. Vier Gestaltungsbüros sind derzeit dabei, ein Konzept zu entwickeln, wie auf dem vorhandenen, ohnehin eng begrenzten Raum zusätzliche Brandschutzmauern, ein Windfang und ein ansprechender Empfangs- und Kassenbereich geschaffen werden können. Joger hofft, schon im Januar mit ersten Entwürfen aufwarten zu können. Dann endlich könne er zeigen, dass nichts zerstört, aber neues aufgebaut werden soll. Bis dahin sollen Informationsblätter, die an die Museumsbesucher ausgegeben werden, die Dioramen-Diskussion wieder auf eine sachliche Ebene führen.
Die vier Schaubilder mit ihren tierischen Bewohnern sind nur ein Teil der umfassenden Neuordnung und -gestaltung des Eingangsgeschosses. Eine Kommission aus Ministeriumsvertretern, Baufachleuten und zusätzlichen Museumsexperten hat das Für und Wider abgewogen. Am Ende stand der einhellige Beschluss, Kaninchen, Hasen, Weiß- und Schwarzstörche aus den vier Dioramen hinter dem Kassenhäuschen umzusiedeln. Die Tiere sollen in den neuen „Entdeckersaal“ umziehen, wo besonders Kindern viel zum Anfassen, Ausprobieren und eben „Entdecken“ geboten werden soll. „Wir wollen die Leute packen“, sagt Joger.
Er spricht vom „Museum der Aufklärung“. Ein Motto, das seit der Museumsgründung nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat und nun zeitgemäß neue Dynamik erhält. In den Mittelpunkt des Interesses wird gerückt, was das Braunschweiger Museum so besonders macht: Im „Schaumagazin“ wird künftig sein größter Reichtum, ein Ausschnitt der Sammlung präparierter Tiere, gezeigt. Allein 45 000 Vögel aus dem 19. Jahrhundert hat das Museum in seinen Magazinen.
Wo die Vitrinen hinkommen sollen, stehen derzeit noch lauter Bücher. Es laufen Gespräche mit der TU, um die Museumsbibliothek anderswo unterzubringen. Die 25 entlang der Mittelachse angeordneten Dioramen bleiben das Herzstück der Anlage, um sie herum aber wird (fast) alles verändert. Im Dämmerdunkel der „Schatzkammer“ werden, vor allzu viel Licht geschützt, die wertvollsten und ältesten Exponate zu bestaunen sein, wie der Elefantenembryo in seinem Formaldehydbad oder der Färöer-Kolkrabe von 1754.
Im Eingangsbereich werden zusätzliche Brandschutzmauern die Treppenhäuser sichern, ein Windfang die Mitarbeiter aus der Zugluft holen und ein Empfangstresen den „Bahnhofsschalter“ ersetzen. Wenn die erhoffte finanzielle Unterstützung kommt, kann mit dem Umbau in der Mitte nächsten Jahres begonnen werden.
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