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Demonstranten wurden gehört

Schüler, Lehrer und Eltern gestern vor dem Rathaus. (Foto: Thomas Ammerpohl)

Der Rat beschloss gestern, die Gymnasien zu erhalten – Weitere IGS soll in die Schulplanung

, Von Ingeborg Obi-Preuß, 30. September 2014.

Braunschweig. Eine sechste IGS kommt – vielleicht, alle neun Gymnasien bleiben erhalten – wahrscheinlich. Darauf haben sich nach langer Debatte gestern die Ratsparteien geeinigt.

Die Fraktion „Die Linke“ hatte mit ihrem Antrag im Schulausschuss den Stein ins Rollen gebracht, sie hatte eine weitere Integrierte Gesamtschule gefordert – spätestens zum Schuljahresbeginn 2016/2017. Oberbürgermeister Ulrich Markurth sagte dazu in einem Interview in der BZ, dass ein Neubau derzeit nicht finanzierbar sei, im Zweifel also ein Gymnasium zur IGS umgewandelt werden müsste.
Das hat die Eltern, die Lehrer, die Schüler und viele andere auf den Plan gerufen, gestern vor der Ratssitzung demonstrierten rund 200 von ihnen vor dem Rathaus. „Wir sind für eine sechste IGS, aber nicht auf Kosten eines Gymnasiums“, sagte Stadtschülersprecher Lennart Wawro. Die Politik ist ihm gefolgt.
Dem Vernehmen nach kam der Vorschlag vom OB: „Könnt ihr euch nicht einigen?“– so oder ähnlich hieß die Bitte. Es hat offensichtlich geklappt.
Bevor über vier verschiedene Anträge zum Thema „6. IGS“ abgestimmt werden sollte, kam es nach kurzer Beratungspause zu einem gemeinsamen Antrag, dem die Mehrheit des Rates zustimmte: Danach soll die Verwaltung weiter die Arbeit am Schulentwicklungsplan fortsetzen und dabei die Erhaltung aller neun Gymnasien, als auch die Einrichtung einer sechsten Integrierten Gesamtschule „besonders berücksichtigen.“ Am Ende dieser Planungen, die noch längere Zeit dauern kann, würde dann neue diskutiert werden.
Damit ist die sprichwörtliche Kuh erst mal vom Eis, die Entscheidung aber vermutlich nur verschoben. Denn die Anmeldezahlen belegen, dass jährlich für rund 250 Kinder ein Platz an einer IGS fehlt.
„Wir sind nicht weiter als vor drei Jahren, als wir den Schulentwicklungsplan beschlossen haben“, sagte am Rande der Sitzung die CDU-Frau Anke Kaphammel. Sie befürchtet den Einfluss der Landespolitik, durch den Gymnasien zugunsten von Gesamtschulkonzepten geschwächt würden.
Christoph Bratmann (SPD) sah als Vorsitzender des Schulausschusses in dem Kompromiss zumindest den Schulfrieden gewahrt, Reinhard Manlik (CDU), betonte, dass es die „eierlegende Wollmilchsau“ nicht geben würde, er lobte den demokratischen Weg, den der Rat vorbildlich gegangen sei. „Das ist Demokratie“, betonte er. Holger Herlitschke (Die Grünen) war enttäuscht. „Nach langer, quälender Diskussion war mein Eindruck, dass unser Antrag – mit kleinen Änderungen – mehrheitsfähig gewesen wäre, in den paar Zeilen, die jetzt zur Abstimmung stehen, finden wir die Debatte nicht wieder. Wir enthalten uns.“
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