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Das Falsche landet im Müll

Wertstofferfassung: Braunschweig Schlusslicht.

Von Marion Korth, 30.06.10

Braunschweig. Zu Biotonne, Papiertonne, Restmülltonne kommt bald Tonne Nummer vier, die gelbe für Leichtverpackungen. Vielleicht wird es statt der Tonne auch ein gelber Sack oder eine ganz andere Lösung. Klar ist, es wird sich etwas ändern.

„Wir haben dringenden Handlungsbedarf. So wie es jetzt ist, sollte es nicht bleiben“, sagt Manfred Pesditschek, Fraktionsvorsitzender der SPD. Viel zu viele Wertstoffe landen in Braunschweig wortwörtlich in der Tonne und mit dem übrigen Restmüll in der Verbrennung. Die Wiederverwertungsquote liegt derzeit nur bei 37 Prozent, in anderen Städten liegt die Quote doppelt so hoch.
In der Ratssitzung hatte die SPD beantragt, dass die Verwaltung spätestens bis Dezember einen Vorschlag unterbreitet, wie die Erfassungsquote für Leichtverpackungen deutlich gesteigert werden kann. Eine Forderung, die überraschend auch Zustimmung in der FDP gefunden hatte. Jetzt ist die Verwaltung in Zugzwang.
Das von der Stadt vorgelegte Abfallwirtschaftskonzept, mit dessen Hilfe Schwachstellen behoben werden sollen, taugt nach Ansicht der Grünen nur, um es zum Altpapier zu tun. Die SPD hat dem Konzept zugestimmt, aber spart ebenfalls nicht mit Kritik. „Das ist kein Konzept, sondern eine Untersuchung, aus der wir jetzt Schlüsse ziehen müssen“, betont Fraktionsvorsitzender Manfred Pesditschek. Die Ratsmehrheit drückt aufs Tempo. Erfahrungsberichte aus anderen Kommunen, die bereits eine gelbe Tonne oder ein anderes „innovatives Holsystem“ eingeführt haben, sollen ebenso wie die eigenen mit dem Einkammersystem „zeitnah“ vorgelegt werden. Bis spätestens Dezember diesen Jahres wird von der Verwaltung ein konkreter Vorschlag gefordert, wie die Erfassungs- und damit Wiederverwertungsquoten verbessert werden können.
An den Wertstoffcontainern werden seit Mitte vergangenen Jahres Kunststoffe, Metalle und Getränkekartons in einem Behälter gesammelt, um es den Bürgern einfacher zu machen. Noch einfacher wäre die Sammeltonne direkt vor der Haustür. „Wo das Holsystem ist, ist die Quote besser und die Zufriedenheit höher“, sagt Holger Herlitschke, Fraktionsvorsitzender der Grünen.
„Ob es dann in Zukunft wirklich eine gelbe Tonne sein wird, wird sich erst noch zeigen, aber es wird in diese Richtung gehen“, ist Pesditschek sicher. Denkbar sind aber ebensogut kombinierte Lösungen aus Container und Tonne, weil in vielen Stadtbereichen schlicht der Platz fehlt, um noch mehr Tonnen direkt am Haus aufzustellen.
Herlitschke glaubt, das ein neues System wahrscheinlich etwas teurer wird. Allerdings: Wo mehr Wertstoffe gesammelt werden, reduziert sich der Restmüll. Das Hausmüllaufkommen in Braunschweig liegt mit fast 240 Kilo je Jahr und Einwohner deutlich über dem Landesdurchschnitt von rund 160 Kilo. Und Pesditschek führt den volkswirtschaftlichen Gewinn an, wenn begehrte Rohstoffe wiederverwendet werden. „Aber ich glaube nicht einmal, dass eine Gebührenerhöhung notwendig ist“, sagt er.
Wissenschaftler des Leichtweiß-Instituts der TU haben die Fakten zusammengetragen und für das Abfallkonzept der Stadt ausgewertet. Sie sind sich sicher, dass sich durch die Einführung einer gelben Tonne für Leichtverpackungen und kleinteiligen Elektroschrott die Erfassungsquote von derzeit 37 auf 65 Prozent steigern ließe. Dann wäre Braunschweig im Städtevergleich nicht mehr länger Schlusslicht.
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