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Dankbarkeit sieht anders aus

Kies, keine Blumen: Bewohnerin kritisiert lieblose Gestaltung des Abraham-Lincoln-Denkmals

Von Marion Korth

Braunschweig. Mit viel Sympathie wird derzeit auf Amerikas neuen Präsident Barack Obama geblickt. Aber man muss gar nicht so weit schauen. Margot Schulz haben Bilder und Berichte auf ein ganz naheliegendes Thema gebracht, auf das Lincoln-Denkmal in der Lincoln-Siedlung und dazu fällt ihr nicht viel ein außer: „Da müsste man ein Bettlaken drüberhängen.“

Manchmal würden die älteren Bewohner in der Siedlung an der Gedenktafel ein paar Rosen ablegen, doch ansonsten bietet sich ein Bild der Trostlosigkeit. „Das ist kalt und lieblos, kein Baum, kein Strauch“, sagt Margot Schulz. Aus der Geschichte heraus hätte das Denkmal eine ansprechende Gestaltung des Umfeldes oder wenigstens einen Blumenkübel auf der Backsteinplatte verdient.
Ohne die Amerikaner hätte es die Lincoln-Siedlung nie gegeben. Sie waren es, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges halfen, in den am meisten zerstörten Städten im Westen Deutschlands die große Wohnungsnot zu beheben. Die Innenstadt Braunschweigs war fast gänzlich zerstört, aber auch in den Außenbezirken lag vieles in Trümmern.
Über den Marshallplan stellten die USA Mittel für den sozialen Wohnungsbau bereit. Die eigens eingerichtete Economic Cooperation Administration (ECA) regelte die Finanzierung. Die drei Buchstaben ECA gaben der Siedlung zunächst ihren Namen, bevor am 26. Juni 1953 am Eingang des ersten Wohnblocks die Abraham-Lincoln-Plakette angebracht und eingeweiht wurde. In der Rühmer Ortschronik wird der amerikanische Generalkonsul in Hamburg, Clare H. Timberlake, mit den Worten zitiert: „Es ist mir ein großes Vergnügen, an dieser Einweihung teilzunehmen, denn amerikanische Gelder, deutscher Fleiß und deutsches Material haben diese neue Siedlung geschaffen. Sie ist ein Symbol für das harmonische Verstehen zwischen unseren beiden Völkern. Dieses Zusammenarbeiten und Verstehen soll auch für die Zukunft beibehalten werden. Es hat uns besondere Freude bereitet, dass die Stadt Braunschweig dieser Siedlung den Namen unseres großen Präsidenten Abraham Lincoln gegeben hat.“
Die Architekten hatten die Aufgabe, möglichst günstige Kleinwohnungen zu bauen. 2,88 Millionen Mark standen dafür zur Verfügung. Eine Neuerung waren die Zweigeschosswohnungen, bei denen innerhalb jeder Wohnung Schlaf- und Wohnzimmer auf zwei Stockwerke verteilt sind. Dies ermöglichte vor allem Einsparungen an der kostspieligen Abfall-Entwässerung, da durch das Übereinanderlegen von Küche und Bad jeweils jedes Rohr die doppelte Anzahl von Küchen- und Badezimmeranschlüssen aufnehmen konnte.
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