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„Da kann ja jeder kommen“

Monteure wechseln Zähler aus – Kunde war nicht informiert und wunderte sich

Von Martina Jurk

Braunschweig. „Da habe ich ja Glück, dass jemand zu Hause ist. Ich möchte ihre Wasseruhr austauschen.“ Familie Kleist (Name von der Redaktion geändert) aus dem Heidberg erhielt weder eine vorherige Benachrichtigung, noch wies sich der Mitarbeiter von BS-Energy als solcher aus. „Da kann ja jeder kommen“, wurde Lutz Kleist im Nachhinein misstrauisch.

„Zirka 10 000 Zähler für Fernwärme, Gas, Wasser und Strom werden jedes Jahr ausgewechselt. Die Kunden werden vorher angeschrieben und darüber informiert, wann der Austausch vorgenommen werden soll“, sagt BS-Energy-Sprecher Rüdiger Müller. Die Kunden hätten die Möglichkeit, den Termin zu bestätigen. Da einige das nicht tun, würden die Monteure immer eine Anzahl freier Aufträge mitnehmen und die Zeit nutzen, auf gut Glück Zähler auszuwechseln. „Sie fragen natürlich die Kunden, ob es ihnen gerade passt oder ob sie einen anderen Termin vereinbaren möchten“, erklärt Müller.
Auch Lutz Kleist ist gefragt worden, ob es ihm jetzt gerade Recht sei. „Ich stand ein wenig neben der Spur, weil ich Nachtschicht hatte und noch verschlafen war. Auf die Idee, nach einem Ausweis zu fragen, bin ich in dem Moment gar nicht gekommen.“ Die Mitarbeiter von BS-Energy seien laut Rüdiger Müller angewiesen, ihre Dienstausweise unaufgefordert vorzuzeigen.
„Und der Zählerstand? Wer weiß, welche utopischen Zahlen später auf unserer Abrechnung stehen“, gab Ehefrau Annette zu bedenken. Die Monteure würden einen mobilen Computer bei sich haben, auf dem der Kunde den abgelesenen Zählerstand bestätigen könne. Nach ein paar Tagen würde er eine Mitteilung erhalten, so der BS-Energy-Sprecher. Und die ausgewechselten Zähler würden sogar später noch fotografiert werden, um den Verbrauchsstand zu dokumentieren. All das kann Lutz Kleist nicht bestätigen. Er habe nichts unterschrieben und auch noch keine Mitteilung erhalten.
Warum Zähler überhaupt ausgetauscht werden müssen, auch wenn äußerlich nichts zu beanstanden ist, erklärt Rüdiger Müller: „Es gibt eichrechtliche Vorgaben, wie lange ein Zähler in Betrieb sein darf. Bei Strom sind es 16 Jahre, bei Gas acht, bei Wasser sechs und bei Wärme fünf Jahre. Sie dürfen noch ein paar Jahre länger in Betrieb sein, wenn es bei einem Stichprobenverfahren keine Abweichungen gegeben hat.“ Was der Austausch kostet, konnte Müller nicht sagen, nur soviel, dass sich ein Teil der Kosten in den Abrechnungen der Kunden wiederfinden werde.
BS-Energy habe 2007 ein Qualitätsversprechen abgegeben. Der Kunde erhält eine Vergütung von 15 Euro, wenn der Monteur verspätet zum vereinbarten Termin kommt. „Und was bekommt man, wenn man von einem Termin gar nichts weiß?“, fragt Lutz Kleist, immer noch verdutzt.
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