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Bürgergespräch am Tofugrill

Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, besuchte gestern den Kohlmarkt.

Von Christoph Matthies, 21.08.2013

Braunschweig. „Jürgen auf Tour“ steht auf dem grünen Multivan, mit dem Jürgen Trittin derzeit durch die Republik reist. Gestern machte der Chef der Bundestagsfraktion der Grünen auf dem Kohlmarkt halt – und lud die Wähler zu einem Imbiss vom Grill ein.

Die Grünen und Grillen, war da nicht was? Kurz nachgefragt bei einem Mann mittleren Alters, der einen Happen ergattert hat, der nach Hähnchen aussieht. Ist das denn vegetarisch? „Weiß ich nicht, ist mir aber auch egal“, erwidert der Hungrige genervt.
Jürgen Trittin hat inzwischen die Grillschürze abgelegt. Nach beiläufigen privaten Bekenntnissen – „Meine Frau sagt, ich sei ein Küchendiktator“ – wird er politisch. Die Bürger dürfen Fragen stellen, der Politiker, ganz volksnah ohne Bühne, Podest oder Mikrofon, steht in der Menge und argumentiert: Marktplatzdemokratie zum Anfassen sozusagen.
Der ehemalige Bundesumweltminister steigt mit dem grünen Kernthema Massentierhaltung ein: „Es ist Irrsinn, dass in Südamerika auf einer Fläche der BRD Regenwald abgeholzt und Soja angebaut wird, das zu uns importiert wird.“
Unter Zusatz von Antibiotika werde daraus Tierfutter in unseren Fleischfabriken. Folgen dieser Landwirtschaft: Tierquälerei, die Erzeugung resistenter Keime und eine massive Klimaschädigung. „Wir streiten aber nicht nur für eine klimafreundliche Landwirtschaft, sondern auch für vernünftige Löhne“, leitet Trittin zum nächsten Leib- und Magenthema der Grünen über.
Auch an Fragen aus dem Publikum mangelt es nicht: Warum werden so viele Steuergelder sinnlos verschwendet? Eine gute Vorlage für Trittin, den Mythos von Angela Merkel als „sparsamer Hausfrau“ zu korrigieren: „Frau Merkel ist in ihrer Amtszeit für mehr als ein Fünftel der deutschen Schulden verantwortlich.“
Dann geißelt er schwarz-gelbe Steuergeschenke, Aufstockerlöhne, billige CO²-Zertifikate, Subventionen an die Energiewirtschaft und das Betreuungsgeld.
Die Rezepte der Grünen neben Mindestlohn und Bürgerversicherung: Steuersenkung für 90 Prozent der Bürger, dafür eine Vermögenssteuer für Reiche. Schuldenabbau und mehr Kontrolle über Rüstungsexporte.
Und der so heiß diskutierte „Veggie Day“? „Einen vegetarischen Tag kann man in Kantinen prima hinkriegen“, wirbt Trittin für weniger Fleischkonsum, was auch dem Klimaschutz diene. Das Stück „Hähnchen“ vom Grill war übrigens aus Tofu.
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