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Bürger befragt und gezählt

Zensus 2011: Mehr als eine Volkszählung.

Von Martina Jurk, 17.04.11

Braunschweig. Rund 8000 Bürger bekommen nach Ostern Post vom Landesbetrieb für Statistik. Sie sind „auserwählt“, verlässliche Zahlen für den Zensus 2011 zu liefern. Ab 9. Mai wird gefragt und gezählt.

Hat Deutschland wirklich 81,8 Millionen Einwohner? Leben wirklich 248 698 Menschen in Braunschweig? „Wir bezweifeln, dass diese Zahlen stimmen“, erklärt Eckart Methner, Vorstand des Landesbetriebes für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN). Der Zensus soll sowohl genaue Einwohnerzahlen ermitteln als auch das Wissen über demografische Entwicklungen, Bildungs- und Erwerbstätigkeiten, Wohnungsbestand. Und damit werden auch sehr persönliche Informationen gesammelt. Nur eine Antwort auf die 46 Fragen des Erhebungsbogens ist freiwillig – die zum Glaubensbekenntnis. Dennoch stoße der von der EU verordnete Zensus laut Umfragen auf wenig Bedenken in der Bevölkerung, so die Statistiker. Die letzte Volkszählung liegt 24 Jahre zurück.
Wie viele Krankenhäuser, Schulen, Kitas, Altenheime werden gebraucht, und wo baut man sie hin? „Die Antworten können Einfluss auf unsere zukünftige Infrastruktur haben“, meint Eckart Methner. Warum korrekte amtliche Einwohnerzahlen so wichtig sind, erklärt der Statistiker: „Kommunaler Finanzausgleich, EU-Förderung, die Einteilung der Wahlkreise, das alles richtet sich nach den Einwohnerzahlen. Es geht dabei auch um Geld. Korrekte Einwohnerzahlen haben etwas mit Verteilungsgerechtigkeit zu tun“, so Methner. Sie bildeten die Grundlage für eine Vielzahl von Gesetzen.
Bisher wurden die Ergebnisse der Volkszählung von 1987 lediglich fortgeschrieben. Der Zensus wird auf der Grundlage einer EU-Verordnung von 2008 und des Zensus-Gesetzes 2011 durchgeführt. Alle Mitgliedsstaaten sind dazu verpflichtet. Alle zehn Jahre soll gezählt werden. In Deutschland erfolgt die Datenerhebung nach einem neuen Verfahren – es handelt sich um einen registergestützten Zensus. Das heißt, die Daten aus Registern der Verwaltung, wie Meldebehörden und Agentur für Arbeit, werden genutzt und mit einer Haushaltebefragung auf Stichprobenbasis ergänzt. In Niedersachsen werden zehn Prozent der Bevölkerung und damit 813 000 Personen befragt. In Braunschweig sind es 8000 Bürger (3,1 Prozent). Weiterhin werden alle Bewohner von Wohnheimen und Gemeinschaftsunterkünften erhoben – in Braunschweig handelt es sich um 7300 Personen. Schließlich kommt eine Gebäude- und Wohnungszählung hinzu. Dazu wird 40 000 Eigentümern in Braunschweig ab 2. Mai der Fragebogen zugesendet. Erste Ergebnisse zu Einwohnerzahlen erwarten die Statistiker nach 18 Monaten.
Etwa 200 geschulte Erhebungsbeauftragte (Interviewer) sind ab 9. Mai in Braunschweig unterwegs. Der Fragebogen umfasst 46 Fragen aus dem EU-Pflichtprogramm, bei deren Beantwortung die Interviewer helfen. In Deutschland kommen weitere Fragen zum erweiterten Migrationshintergrund, zur rechtlichen Zugehörigkeit zu einer Religionsgesellschaft und freiwillig zum Glaubensbekenntnis hinzu. Der Fragebogen kann auch selbst ausgefüllt und an die Erhebungsstelle geschickt oder online ausgefüllt (www.zensus2011.de) werden. „Für die per Zufall ausgewählten Personen ist die Beantwortung verpflichtend. Bei einer Verweigerung wird ein Zwangsgeld angedroht“, informiert Eckart Methner.
Kritik zum Zensus, vor allem zu persönlichen Angaben, gibt es von Datenschützern. Eckart Methner beruhigt: „Datenschutz und Statistikgeheimnis stehen an oberster Stelle. Die Daten wandern nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts nicht in Melderegister oder andere Institutionen zurück.“ Ausgewertet würden nur Strukturdaten, die keine Rückschlüsse auf einzelne Personen zuließen. „Die Haushalts-Stichprobe wird zu einem späteren Zeitpunkt bei einem Teil der Befragten wiederholt, um das neue Verfahren abermals testen“, sagt der LSKN-Vorstand.
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