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Bühnentechniker im Streik: Spielverderber wider Willen

Sechs Verhandlungsrunden, aber kein Tarifabschluss – Kampf um Erhalt von Zusatzurlaub

Von Marion Korth

Braunschweig. Der Streik der Bühnentechniker geht weiter, und er zeigt Wirkung. Aus der Freiluftaufführung des „Elias“-Oratoriums am heutigen Sonntag auf dem Burgplatz wird nichts. Ohne Arbeiter kann das Orchesterpodium auf dem Platz nicht aufgebaut werden.

Was bleibt, ist der Umzug in die St.-Andreas-Kirche. Karten behalten ihre Gültigkeit, können aber auch zurückgegeben werden.
„Kollegen sind verbittert“
Die Bühnentechniker selbst fühlen sich nicht glücklich in ihrer Rolle als „Spielverderber“. „Wir machen unsere Arbeit mit Leidenschaft und Herzensblut“, betont Bühnentechniker und Verdi-Mitglied Lutz Papendorf. „Wir streiken nicht gegen das Theater und nicht gegen das Publikum.“
In den vergangenen Tagen hatten die Bühnentechniker des Staatstheaters an der Burgplatz-Arena ihre Streikposten bezogen, hatten für ihre Sache und mehr noch für Verständnis geworben. „Wir wollen nicht mehr, sondern wir wollen erhalten, was wir bislang bekamen“, sagt Papendorf. Nächste Woche hat er Jubiläum: 25 Jahre lang ist er dann am Staatstheater Braunschweig als Bühnentechniker tätig.
So richtig freuen kann er sich darauf nicht. Es geht ihm wie seinen Kollegen, in Braunschweig sind es 70, in Oldenburg 40: „Die sind stinksauer und verbittert.“ Die Tarifverhandlungen ziehen sich zäh wie Kaugummi. In allen Ländern ist es mittlerweile zu einem Tarifabschluss gekommen, nur in Niedersachsen nicht. Das Finanzministerium, das die Verhandlungen führt, verweist auf die „äußerst angespannte Haushaltslage“, das Kultusministerium auf den „schlimmsten Konjunktureinbruch der Nachkriegsgeschichte“. Für Papendorf ist die Finanzkrise nur vorgeschoben. Seit Ende 2006 dümpelt der Tarif im Ungewissen, damals konnte noch keine Rede von der Finanzkrise sein.
Die Gewerkschaft Verdi und das Land streiten sich um den Erhalt der Theaterbetriebszulage sowie fünf Zusatzurlaubstage, wie es sie früher gab. 2007 und 2008 sind die jedoch gestrichen worden. Jetzt werden wenigstens vier Tage gefordert. „Einen Tag haben wir also schon abgegeben“, sagt Papendorf, der auch Mitglied der Tarifkommission ist. Ein weiterer Streitpunkt ist die Theaterbetriebszulage. Wird die gestrichen oder gekürzt, dann gehe es für Kollegen, die allein von ihrem Einkommen leben müssen, an die Existenz.
„Wir machen weiter“
Die Bühnentechniker arbeiten auch an Wochenenden und Feiertagen, die Arbeitszeit geht im Schichtdienst von 7 bis 24 Uhr. Die Bühnenbilder seien opulenter geworden. „Das sind massive Bauten, kein Pappmaché“, sagt Papendorf. Die Arbeit sei hart, der Krankenstand hoch, darüber hinaus gelte ein Einstellungsstopp, freie Stellen seien nicht wieder besetzt worden. Das erhöhe den Druck. 22 Prozent ihres Bruttoeinkommens (eingefroren auf dem Stand Ende 2006) erhalten die Bühnentechniker als Ausgleich für diese Belastungen, 13 Prozent die Werkstattmitarbeiter. Neue Beschäftigte sollen die Zulage gar nicht mehr erhalten. Ein Unding, findet Papendorf. In der nächsten Woche soll vorerst nicht gestreikt werden, aber: „Wir machen weiter, bis das Land an den Verhandlungstisch zurückkehrt.“
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