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Braunschweiger Banken benachteiligen häufig Geringverdiener bei Girokonten

Braunschweig. Wer im Monat wenig Einkommen oder bestimmte Sozialleistungen erzielt, wird bei Geldinstituten oft systematisch benachteiligt. Das ist Ergebnis einer Recherche des Sozialverbandes Deutschland in Niedersachsen, bei der die rund 60 Beratungszentren, 43 Kreisverbände und Hunderte Ortsverbände angeschrieben wurden. Vor allem in Braunschweig müssen Geringverdiener bei der Nutzung eines Girokontos genauer hinschauen.

Wenn jemand bei der Braunschweigischen Landessparkasse keine Gehalts-, Lohn oder Rentenzahlungen nachweisen kann, wird ihm für vier Euro im Monat ein Ausweichkonto angeboten. Außerdem wird für die kostenlose Kontoführung ein Mindesteingang von 1.000 Euro monatlich erwartet. Als Bedingung kommt hier die Internetnutzung für Überweisungen und Kontoauszüge hinzu. Sogar über ein durchschnittliches Guthaben von 2.000 Euro sollten die Kunden der Volksbank Braunschweig-Wolfsburg verfügen. Wer weniger vorweist, zahlt für das Girokonto 2,50 Euro im Monat. Bei der VW-Bank werden 4,50 Euro Kontogebühren fällig, wenn das Girokonto nicht als Gehaltskonto geführt wird oder weniger als 1.000 Euro pro Monat eingehen.

„Banken wollen gering verdienende Kunden nicht haben“
„Dass Konten für Gutverdiener kostenlos sind, aber für Bezieher von Sozialleistungen kostenpflichtig – das ist schon ein kleiner Skandal“, findet Edda Schliepack, SoVD-Kreisvorsitzende in Braunschweig. Es mache den Eindruck, als ob die Banken für Kunden mit geringem Einkommen oder Sozialleistungen unattraktiv sein wollten. Oder diese Kunden gar nicht haben wollten, so Schliepack.

Wer keine Lohn-, Gehalts- oder Rentenzahlungen nachweisen kann, muss bei der Sparda-Bank Hannover, die auch in Braunschweig Filialen hat, eine Schufa-Auskunft nachweisen. Wirbt ein Kunde einen Arbeitslosen für ein Giro-Konto, bekommt er keine Prämie von 25 Euro.

Auch überregionale Banken wie die Commerzbank und die Postbank benachteiligen Menschen mit wenig Einkommen und vermerken in ihrer Preis- und Leistungsübersicht monatliche Mindestbeträge. Wer weniger als 1.200 Euro im Monat erzielt, zahlt bei der Commerzbank 9,90 Euro. Bei der Postbank werden bei unter 1.000 Euro monatlich 5,90 Euro an Kontoführungsgebühren fällig. Derselbe Betrag ist für das klassische Girokonto nötig, wenn die Kunden der Hypo-Vereinsbank im Quartal kein Durchschnittsguthaben von 1.500 Euro nachweisen können.

„Unbedingt das Kleingedruckte lesen“

Edda Schliepack vom SoVD in Braunschweig kritisiert weiter, dass gerade mit kostenlosen Girokonten viel Werbung gemacht werde. Diese aber tatsächlich an bestimmte Bedingungen geknüpft sind. Viele Senioren zum Beispiel besitzen keinen Internetzugang. Kai Bursie, Leiter des SoVD-Beratungszentrums in Braunschweig appelliert an die Eigenverantwortung von Kunden. Der Sozialberater empfiehlt gerade Geringverdienern das Kleingedruckte der Preis- und Leistungsübersichten genau zu lesen. Auch Vergleichsangebote anderer Banken sollten Neukunden unbedingt einholen.
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4 Kommentare
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Uwe Poppe aus Braunschweig - Nordstadt | 02.10.2014 | 15:03  
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Thorsten Böttcher aus Braunschweig - Innenstadt | 02.10.2014 | 15:09  
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Uwe Poppe aus Braunschweig - Nordstadt | 02.10.2014 | 16:01  
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Helga Gillmeister aus Vordorf | 12.10.2014 | 23:12  
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