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„Braunschweig ist vorbereitet“

Pandemieplan liegt vor – Mediziner warnt vor Panik, aber: „Man muss das sehr ernst nehmen“

Von Marion Korth

Braunschweig. Weltweit sind schon mehrere hundert Menschen an der Schweinegrippe erkrankt, in Mexiko gibt es bereits mehr als 150 Tote. Und auch in Europa ist das neue Virus A/H1N1 angekommen. Kein Grund zur Panik, aber: „Man muss das sehr ernst nehmen“, sagt Professor Dr. Dr. Wilfried Bautsch der nB.

Der Mediziner ist Chefarzt des Instituts für Mikrobiologie, Immunologie und Krankenhaushygiene des Städtischen Klinikums. Noch seien die Informationen allerdings zu lückenhaft, um zu einer seriösen Risikoeinschätzung kommen zu können. „Ich warte interessiert auf die Erkenntnisse der nächsten 48 Stunden, dann wird man mehr sagen können“, sagte Bautsch am Montagnachmittag.
Immerhin sähe es tatsächlich so aus, als wäre der neue Virusstamm relativ leicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Das Wichtigste sei es deshalb, infizierte Menschen sofort zu isolieren, damit sich daraus keine weltweite Infektionswelle entwickelt. „Wenn erst einmal 200 Menschen an einem Ort krank sind, wird es schwierig, die Infektion noch einzudämmen“, sagte Bautsch. Aber in jedem Fall könne man sie verzögern und dadurch Zeit gewinnen, um einen Impfstoff zu entwickeln. Daran arbeitet derzeit bereits das Institut für Virologie der Universität Marburg.
„Braunschweig ist auf eine mögliche Pandemie vorbereitet“, teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Für diesen Fall wurden Informations- und Reaktionsketten geknüpft, Merkblätter vorbereitet und eine Übersichtsplanung für die Pandemieimpfung der Bevölkerung erstellt. So soll gewährleistet werden, dass die erforderlichen Maßnahmen ohne Verzögerung ergriffen werden könnten – von der Diagnose von Verdachtsfällen bis hin zur möglichen Schließung von Gemeinschaftseinrichtungen oder Absage von Veranstaltungen. Hinzu kommt die Vermittlung umfassender Informationen für die Bevölkerung sowie besonders gefährdeter Berufsgruppen, wie zum Beispiel medizinisches Personal.
Am Montagmorgen hat das Städtische Klinikum damit begonnen zu überprüfen, ob die vorhandenen „Virenmuster“ auf den neuen Erreger passen. Dies ist Voraussetzung, um in Verdachtsfällen Schnelltests vornehmen zu können.
Die in den vergangenen Jahrzehnten zirkulierenden Influenzaviren gehören zu den Untertypen H1N1 und H3N2. Bei dem jetzt festgestellten Schweinegrippevirus handelt es sich nach Informationen des Robert-Koch-Institutes um ein verändertes H1N1-Virus. Da es sich nicht um eine gänzlich neue Form handelt, geht Bautsch davor aus, dass in der Bevölkerung noch eine „Rest-Immunität“ besteht. Aber auch eine ganz „normale“ Grippe hat es in sich: Je nach Stärke werden in einer Grippesaison zwischen 7000 und 14 000 zusätzlicher Todesfälle allein in Deutschland gezählt.
Das niedersächsische Landesgesundheitsamt will ein Info-Telefon zum Thema Schweingrippe einrichten. Es soll vom heutigen Mittwoch an werktags von 10 bis 12 Uhr unter der Nummer 05 11/4 50 55 55 erreichbar sein.
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