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Blick in die braune Realität

Harzburger Front und Rechtsextremismus heute – Landesmuseum eröffnet Ausstellungen.

Von Sebastian Walther, 19.09.2010.


Braunschweig. Geschichte, deren Spuren bis in die Gegenwart reichen: Zwei dokumentarische Präsentationen im Landesmuseum widmen sich der Rolle von Braunschweig und Bad Harzburg, wo die Nationalsozialisten sich ihren Weg zur Macht ebnen konnten, und zeigen die braune Realität in heutiger Zeit.

Es muss ein gespenstisches Bild gewesen sein. 100 000 SA-Männer in braunen Hosen und dunklen Stiefeln donnerten über den Vorplatz des Residenzschlosses Braunschweig. Sie ziehen vorbei an Adolf Hitler und seinen Gefährten, heben den Arm zum Gruß, die Fahnen wehen, die Trommeln dröhnen. Im Oktober jährt sich dieser gruselige Triumphzug auf dem Weg zur Macht zum 79. Mal. Das Landesmuseum widmet der Region Braunschweigs bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten nun eine eigene Ausstellung und ergänzt diese durch einen Blick hinein in die braune Realität der Gegenwart.
Das kleine Städtchen Bad Harzburg spielte wie auch Braunschweig eine unrühmliche Rolle auf dem Weg zu Hitlers Wahlerfolg 1932: Die NSDAP wurde mit 37,3 Prozent stärkste Partei. Nationalsozialisten und Rechtsextremisten schlossen sich hier in der Harzregion zur sogenannten Harzburger Front zusammen, deren gemeinsames Ziel die Zerschlagung der Weimarer Republik war.
„Wahnsinnigen Nachholbedarf, wenn es im Detail um diese Zeit geht“ hat Wulf Otte, Kustos im Museum, bei Besuchen in Braunschweiger Schulen festgestellt. Umso erfreuter sei man über die Anfrage des Vereins Spurensuche Harzburg gewesen, die Wanderausstellung in die Nachbarstadt auszuleihen. Zeitungsausschnitte, Dokumente, Schautafeln zeichnen die politische Entwicklung jener Tage nach, beteiligte Täter bekommen mit ausführlichen Biographien ein Gesicht. Und auf einer Leinwand marschieren sie wieder, die Braunhemden, restauriertes Filmmaterial verdeutlicht den einstigen Spuk in Schwarz-Weiß.
Beklemmend und fast schon unheimlich, gestaltet sich ein weiterer Raum der Ausstellung, die noch bis zum 19. Dezember läuft. Aus einem Fundus von tausenden CDs habe man einen kleinen Ausschnitt aufgetürmt, erläutert Reinhardt Koch, und deutet auf ein Sammelsurium unter Glas. Der Leiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt (Arug) möchte es erlebbar machen, „das jugendkulturelle Angebot der Szene in der heutigen Zeit“, und zeigen, dass „man sich von den äußerlichen Stereotypen verabschieden muss“. Aufgeklärt wird über Zeichen, Kleidung oder Frisuren der jungen Nazis, es gibt Hörbeispiele, Dokumentarfilme, Suchbildchen.
„Eine Mischung aus machen, schauen und erfahren“, sagt Koch. In jedem Fall eine Präsentation, die aufrüttelt und aufmerksam macht.

Fakten: Zu den Ausstellungen wird ein umfangreiches Begleitprogramm angeboten.
• Jeweils sonntags von 11.15 Uhr an finden Führungen statt.
• Am eintrittsfreien Donnerstagabend informieren insgesamt sieben Vorträge zu verschiedenen Aspekten des Nationalsozialismus und des Rechtsextremismus.
• www.landesmuseum-bs.de
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