Anzeige

Bibs mahnt mehr Rücksicht auf Kinder an

Romafamilie wurde nachts für Abschiebung aus dem Schlaf gerissen – Psychisch kranke Mutter wollte sich etwas antun.

Von Marion Korth, 25.03.2012.


Braunschweig. Es war noch Nacht, als eine serbische Romafamilie, deren Asylantrag abgelehnt worden war, abgeschoben werden sollte. Was dann geschah, erinnert Dr. Dr. Wolfgang Büchs von der Bürgerinitiative Braunschweig (Bibs) „an die Behandlung von Schwerverbrechern“.

Im Rat verlangte er Aufklärung über den schweren Zwischenfall, der sich in der Landesaufnahmebehörde in der Boeselagerstraße abgespielt haben soll.
Um 3 Uhr in der Nacht auf den 13. März, so berichtete später der Familienvater, seien mindestens fünf Menschen in die Zimmer des Ehepaares und der vier Kinder im Alter zwischen sechs und elf Jahren eingedrungen. Die Familie sei aufgefordert worden, ihre Sachen zu packen. Die Mutter habe sich daraufhin selbst mit einem Messer verletzen wollen. Die Ausweisung wurde abgebrochen, die Frau zunächst ins psychiatrische Krankenhaus Königslutter gebracht. Zuvor hätte bereits der in der Aufnahmebehörde tätige Hausarzt die Frau als psychisch schwer krank eingestuft.
Die Aufnahmestelle ist eine Landesbehörde, dennoch sieht Büchs die Stadt in der Verantwortung, auch deshalb, weil in einem psychiatrischen Gutachten des städtischen Gesundheitsamtes die Reisefähigkeit der Frau, die schon länger psychisch krank ist, bejaht worden ist. Gleichzeitig sei empfohlen worden, die Abschiebung nicht anzumelden, um der Frau Stress zu ersparen. Für Büchs ein Widerspruch. Entweder ist jemand reisefähig und kann auch die Mitteilung des Ausreisetermins verkraften oder eben nicht.
Die Frau hätte zuvor angekündigt, dass sie sich im Fall der Abschiebung etwas antun will, sagte dazu Sozialdezernent Ulrich Markurth. Deshalb sei die Familie nicht über die bevorstehende Abschiebung informiert worden. Ungefähr zehnmal im Jahr wird das Gesundheitsamt im Rahmen der Amtshilfe gebeten, die Reisefähigkeit von Menschen festzustellen. Meistens werde die Reisefähigkeit verneint, in diesem Fall sei sie nicht ausgeschlossen worden, sagte Markurth. Die Landesbehörde mache sich ihr eigenes Bild aus den Gutachten und lege ihr Vorgehen fest. Rechtlich und gesetzlich sei die Abschiebung der Familie zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr in Frage gestellt gewesen. Markurth: „Es geht nur noch um das Wann und Wie.“ Mehr als 90 Prozent der Romafamilien aus Serbien müssten Deutschland wieder verlassen, weil ihr Asylantrag abgelehnt wird. Die Ärzte im Krankenhaus hätten, so Markurth, die Einschätzung des Gutachters des Gesundheitsamtes mittlerweile bestätigt, die Frau sei psychisch krank, aber aller Voraussicht nach nicht suizidgefährdet. Für die Bibs bleibt die Frage, wie in Zukunft solche Abschiebepraktiken verhindert werden können, und mehr Rücksicht auf Kinder genommen werden kann.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.