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Betrüger erbetteln Spendengeld

Polizei beobachtet seit einem halben Jahr Bettelbetrug und bittet Geschädigte, sich zu melden.

Von Martina Jurk, 17.03.2013.


Braunschweig. Seit einem halben Jahr beschäftigt die Polizei ein Betrugsdelikt, bei dem die Täter angeblich im Namen von Organisationen um Spenden betteln. Diesen Betrügern habhaft zu werden, gleicht einer kriminalistischen Sisyphusarbeit.

Das Polizeikommissariat Mitte versucht, die Fälle von Bettelbetrug in der Innenstadt zusammenzufassen. „Das ist äußerst schwierig, wenn sich die Geschädigten nicht bei uns melden“, sagt Kriminaloberkommissar Jürgen Münzberg. Geschädigte seien die, die spenden in dem Glauben, etwas Gutes zu tun, deren Mitleidsgefühle angesprochen und ausgenutzt werden.
„Keine seriöse Organisation sammelt auf der Straße Geld“, so Polizeisprecher Wolfgang Klages. Es stecke in diesem Fall immer eine kriminelle Handlung dahinter. Bei den Spendensammlern handele es sich um organisierte Kriminelle. „Sie sind im ganzen Bundesgebiet und europaweit unterwegs, sie kennen sich in unserem Rechtssystem aus und melden sich mit einem formellen Wohnsitz hier an. Sie treten als Taubstumme auf, halten den Leuten auf der Straße ein Klemmbrett unter die Nase mit einem selbstgefertigten Schreiben. Darauf befinden sich Logos von Behinderten- und Hilfsorganisationen und fingierte Unterschriften von voreingetragenen Spendern“, schildert Polizeioberkommissar Uwe Bettin die Vorgehensweise der Betrüger.
Auffällig: Immer wird das Logo von Handicap International, einem gemeinnützigen Verein, der sich für die Belange und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung weltweit einsetzt, verwendet. Das sei ein Verstoß gegen das Markenrecht, der mit einer hohen Strafe geahndet würde. Münzberg und Bettin haben ermittelt, dass die Betrüger alle aus einem Ort in Rumänien kommen und alle miteinander verwandt sind. 18 Taten sind seit dem 30. August des vergangenen Jahres beim Polizeikommissariat Mitte angezeigt, 23 verdächtige Personen festgestellt worden. Die Dunkelziffer allerdings sei viel größer, so die Beamten. Die Betrüger seien in Zweier- oder Dreiergruppen unterwegs und würden das gespendete Geld über weitere Personen schnell verschwinden lassen. „Die Täter nutzen jede Gelegenheit, auch noch das Geld aus den Portemonnaies der Bürger zu stehlen“, weiß Wolfgang Klages.
Die Polizeibeamten wissen inzwischen auch, dass in regelmäßigen Abständen in einer Bank an der österreichisch-ungarischen Grenze Beträge über 20 000 Euro in Fünf- und Zehn-Euro-Scheinen eingezahlt werden. Das zeige, dass der Betrug für die Täter ein lukratives Geschäft ist.
„Wir wollen die Taten zwingend beenden“, sagt Jürgen Münzberg, der an die Bürger appelliert, nicht auf der Straße zu spenden, die Polizei über 110 zu informieren und sich im Falle eines erlebten Bettelbetrugs als Zeuge zur Verfügung zu stellen. Je mehr Fälle angezeigt würden, desto besser für die Ermittlungen und eine mögliche Strafverfolgung.
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