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Besuchsprogramm zwischen Plastikmüll und Kompostanlage

Die Consulting Engineers Salzgitter GmbH begleitet Infrastrukturprojekt – Gäste aus Äthiopien

Von Marion Korth

Braunschweig. Deutschland hat sie kalt erwischt. 15 Äthiopier, allesamt Bürgermeister und Lokalpolitiker, waren eine Woche lang Gäste in Braunschweig. Den tiefsten Eindruck haben wohl die Temperaturen hinterlassen.

„It’s so cold here“, sagte einer der Teilnehmer. Bei zwei Grad plus war nicht nur er am frieren, da halfen auch Handschuhe, Mütze und Schal wenig. Ein ungemütlicher Tag und ein Besuchsprogramm, das die üblichen Sehenswürdigkeiten links liegen ließ: Statt Dom und Weihnachtsmarkt schauten sich die Afrikaner unter anderem Europas modernste Kunststoff-Recycleanlage und die Bioabfall-Kompostierung, die das Unternehmen Alba in Watenbüttel betreibt, an. „Es geht darum, sich einen ersten Eindruck zu verschaffen, was möglich ist“, erläuterte Dirk Wewetzer.
Der Diplom-Ingenieur der Consulting Engineers Salzgitter GmbH mit Büro im Pressehaus begleitet die Afrikaner im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojektes. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau hat einen Fonds von 15 Millionen Euro aufgelegt, um in elf äthiopischen Städten Aufbauhilfe zu leisten. Im Juli nächsten Jahres läuft es aus, aber ein Anschluss ist gesichert. Es geht darum, eine Infrastruktur zu schaffen, es geht um Marktplätze, Abfallentsorgung, Drainage, um nur einige Beispiele zu nennen. Das Hauptthema aber ist die Müllentsorgung. „Wir befinden uns dort allerdings in einem ganz frühen Stadium“, sagt CES-Projektmanager Gert Racherbäumer, der seit 15 Jahren in Äthiopien lebt und arbeitet.
Außerhalb der Hauptstadt Addis Abeba gebe es keine geordnete Müllsammlung, geschweige denn Wiederverwertung. Weil Autos fehlen, um den Abfall abzuholen, landet der eher in den Büschen. Mülldeponien dort seien, sofern überhaupt vorhanden, „Löcher“. Die Äthiopier möchten daran durchaus etwas ändern, auch um Energie- und Rohstoffquellen zu schonen. „Der Wille ist da“, sagt Racherbäumer. Was fehlt, ist das Geld. „Es entspricht in Äthiopien einem Monatseinkommen, was wir hier im Monat nur für Müllgebühren zahlen.“ Dazu eine tiefe Rezession, Privatkosten, die sich vervielfacht hätten.
Aber das Interesse ist da. Die äthiopischen Gäste machten sich bei der Führung übers Alba-Gelände eifrig Notizen, wollten Einzelheiten über die geschlossen Verträge, über Laufzeiten, Mitarbeiterzahlen und Kapazitäten wissen, schauten zu, wie Spezialcontainer mit Müll verfüllt, auf Eisenbahnwaggons verladen und Zug um Zug für die Müllverbrennungsanlage in Magdeburg vorbereitet werden.
Ein Braunschweiger, der mit dem Autohänger vorgefahren kommt, um privat ein bisschen Sperrmüll vorbeizubringen, staunt nicht schlecht, als sein alter Hausrat und die zusammengerollten Teppiche von den Afrikanern gleich mehrfach fotografiert werden.
Am nächsten Tag reisten die Äthiopier weiter nach Berlin, erneut auf den Spuren von Müll und Abwasser. Und dann geht es zurück nach Äthiopien, wo es im Hochland in 3000 Metern auch mal Grade um Null geben kann. Aber „normal“ ist etwas anderes. In den Lowlands sind 35 Grad üblich. Kein Wunder also, dass die Gäste hier so gefroren haben.
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