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Beruf Tagesmutter: Vom „Notnagel“ zur Profi-Kraft

Anita Kolb vom Zentralen Familien-Service-Büro. Foto: leu
Tagesmütter spielen eine wichtige Rolle in der Betreuung – Tag der offenen Tür am Wochenende. Von Birgit Leute, 14.05.2014.

Braunschweig. Noch vor zehn Jahren waren Tagesmütter der „Notnagel“, wenn in den wenigen Krippen mal wieder kein Platz zu finden war. Heute sind sie aus der Betreuung gar nicht mehr wegzudenken. Am Wochenende lassen sich Tagesmütter und -väter über die Schulter schauen. Dazu vorab ein Interview mit Anita Kolb vom Zentralen Familien-Service-Büro (Das Fams).

?Die Eltern bekommen Elternzeit. Die Städte haben beim Krippenausbau zulegen. Immer mehr Schulen haben ein Ganztagsangebot. Sind Tagesmütter überhaupt noch nachgefragt?

!Natürlich. Sie spielen sogar eine wichtige Rolle beim Ausbau der Betreuung für die unter Dreijährigen. Die Stadt hat über die Tagespflege noch einmal rund 600 Plätze geschaffen. Zwei Drittel der Kinder, die durch Tagesmütter oder -väter betreut werden, sind inzwischen unter drei Jahren. Und was die Schulkinder betrifft: Natürlich gibt es Ganztagsschulen, aber manche Eltern ziehen eine Betreuung in einer kleiner Gruppe der Betreuung an einer Schule vor. .

?Dass heißt, Tagesmütter sind heute nicht mehr der berühmte „Notnagel“?

!Nein. So war es vielleicht mal vor zehn Jahren. Da war die Tagespflege eher eine Art Nachbarschaftshilfe. Außerdem füllten Tagesmütter und -väter natürlich auch die Lücke, wenn die Wunsch-Kita oder -krippe in der Nähe keinen Platz frei hatte. Das hat sich stark geändert. Heute entscheiden sich Eltern ganz bewusst für die Kindertagespflege.

?Warum?

!Zum einen sind die Gruppen kleiner, es gibt eine feste Bezugsperson, einen engen Kontakt zwischen Eltern und Tagesmutter oder -vater und letztlich auch eine größere Flexibilität in den buchbaren Zeiten.

? Aber hängt den Tagesmütter nicht immer noch ein bisschen der Ruf an, sich in erster Linie ein nettes Zubrot dazu verdienen zu wollen?

!Ich glaube, dass hat sich inzwischen geändert. Dazu ist der Anspruch, der inzwischen an die Kindertagespflegeperson gestellt werden, auch viel zu stark gestiegen. Kindertagespflege ist heute sehr professionell geworden: Die Tagesmütter und -väter müssen eine Zugangs- und Eignungsprüfung ablegen. Sie müssen sich regelmäßig fortbilden, ein Erziehungskonzept erstellen, werden regelmäßig überprüft. Kindertagespflege hat also Standards entwickelt und ist ein „Fulltime-Job“ geworden. Immer mehr Kindertagespflegepersonen schließen sich zudem in einer sogenannte Großtagespflege zusammen. Das erleichtert den Austausch untereinander.

?Dem gestiegenen Anspruch stand nicht unbedingt immer eine entsprechende Honorierung gegenüber. Viele Tagesmütter und -väter gingen deshalb in der Vergangenheit auf die Straße, um auf ihre Situation hinzuweisen. Haben sich die Wogen inzwischen geglättet?

!Nun ja. Es gibt immer noch einige Baustellen... In diesem Zusammenhang wird es im Juni einen „Runden Tisch“ geben, bei dem der städtische Fachbereich Kinder, Jugend und Familie, Tagespflegepersonen und das Fams unter anderem über diesen Punkt reden werden. Konkret wird zum Beispiel geklärt, wie Vertretungsmöglichkeiten geregelt oder Ausfallzeiten abgesichert werden können.

Service:

• Vom kommenden Freitag (16. Mai) bis Sonntag
(18. Mai) veranstalten die Braunschweiger Tagesmütter und -väter drei Tage der offenen Tür. 40 Pflegestellen sind beteiligt. Wer Interesse hat, kann bei ihnen vorbeischauen und die Räumlichkeiten kennenlernen. Zeiten und Orte sind auf den Internetseiten des Fams unter www.dasfams.de zu finden.
•Kindertagespflege ist längst ein wichtiger Sektor in der Betreuung geworden: Beim Start 2006 gab es in Braunschweig 95 Tagesmütter- und -väter; 2013 waren es bereits 277. Parallel dazu stieg die Anzahl der Betreuungsplätze von rund 400 auf mehr als 1000. Eltern, die sich für eine Tagespflege interessieren, könne sich an das Fams wenden, das Adressen vermittelt.
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