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Bauen in der Stadt wird zum Luxus

Während im südlichen Teil noch am Abriss der Kaserne gearbeitet wird, steht im nördlichen Bereich bereits der erste Baukran. Foto: oh
 
Der Bebauungsplan: Im Norden entsteht ein Gewerbegebiet, darunter ist eine Fläche für Handel und Mehrfamilienhäuser sowie abschließend zum Süden die weitere Wohnbebauung und eine Kindertagesstätte. Grafik: Stadt Braunschweig

Riesige Nachfrage nach Bauplätzen.

Von Andreas Konrad, 16.06.2017.

Braunschweig. Momentan türmen sich noch riesige Schutthaufen auf, wo bald 115 Einfamilienhäuser sowie 90 Reihen- und mehrere Mehrfamilienhäuser entstehen sollen. Doch die Grundstücke sind längst verkauft – in Rekordzeit, zu Rekordpreisen. Die Nachfrage nach Bauplätzen in Braunschweig scheint enorm, das Angebot knapp. Viele Familien gehen leer aus und beklagen „unfaire Vermarktungspraktiken“, wie uns ein Interessent sagt.

Es war ein weiter Weg, bis der Rat der Stadt am 16. Mai den Bebauungsplan für den südlichen Teil der ehemaligen Heinrich-der-Löwe-Kaserne beschlossen hat. Zuvor hatte die Kaserne seit 2003 brachgelegen, immer wieder gab es unterschiedliche Nutzungsvorschläge, bis schließlich das 36 Hektar große Areal in ein Gewerbe- und ein Wohngebiet aufgeteilt wurde. „Endlich kann nun auf dieser Brache in günstiger Lage dringend benötigter Wohnraum geschaffen werden“, betonte Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer damals: „Das ist ein wichtiger Beitrag zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung.“

2010 kaufte die Firma Kanada Bau die marode Kaserne und gründete später die Wohnen Heinrich der Löwe GmbH, die wiederum die Firma MT Massivhaus mit dem Vertrieb der Grundstücke beauftragt hat.

„Vielen Dank für Ihr Interesse an einer Immobilie in unserem neuen Wohngebiet ‚Heinrich der Löwe‘ in Braunschweig-Rautheim. Wir, die Wohnen Heinrich der Löwe GmbH, sind ein Gemeinschaftsunternehmen der Kanada Bau Gruppe und der MT Massivhaus Beteiligungsgesellschaft mbH und haben den Wohnbauteil der Kaserne von der Kanada Bau Gruppe erworben“, heißt es in einer E-Mail, die am 22. Mai – also knapp eine Woche nach dem Ratsbeschluss – an vorgemerkte Interessenten versendet wurde.

Und weiter steht in der Mail: „Nachdem nun alle öffentlich-rechtlichen Fragen geklärt sind, können wir Ihnen – als vorgemerkten Interessenten – folgende Objekte zum Kauf anbieten: 115 Grundstücke für Einfamilienhäuser.“
Wir sprachen mit drei Familien, die allesamt zu Preisen ab „295 Euro pro Quadratmeter“ kaufen wollten, aber nicht konnten: Die Grundstücke für Einfamilienhäuser waren am 22. Mai bereits weg. „Diese Mail wurde in den Vortagen bereits an andere Interessenten versandt“, behauptet einer der Kaufwilligen, er selbst habe sie gesehen.

Dazu sagt die Wohnen Heinrich der Löwe GmbH in einer Stellungnahme: „Wir haben keine Kaufangebote per Mail übersandt. Es wurden Interessentenlisten geführt, und zwar bereits über einen langen Zeitraum. Für die Einfamilienhausgrundstücke gab es über 1000 erfasste Interessenten. Die auf diesen Listen vermerkten Kunden wurden innerhalb weniger Tage per Mail darüber informiert, dass der Bebauungsplan seitens des Rates beschlossen wurde. Bei der Reihenfolge der Versendung der Mails wurde die Reihenfolge des Alters/der Dauer der Reservierung beachtet. Für die Beratungsgespräche haben wir fünf Mitarbeiter eingesetzt, die auch am Wochenende Kundentermine vor dem 22.5.2017 wahrgenommen haben. In den ersten vier Vertriebstagen bis zum 21.5.2017 haben nahezu alle Kunden ein Grundstück reserviert, so dass am 22.5.2017 nur noch wenige Grundstücke unreserviert waren. Diese schnelle Entschlossenheit hat uns ebenso überrascht. [...] Ein alternatives Vorgehen hätte allenfalls darin bestehen können, die Grundstücke in einem Bieterverfahren an den ’Meistbietenden‘ zu verkaufen. Wir sind sicher, dass man uns in diesem Falle vorgeworfen hätte, den knappen Markt auszunutzen. Wir haben uns bewusst gegen eine solche Vergabe entschieden. “

Das Einfamilienhaus in Braunschweig scheint also für viele ein großer Traum zu bleiben, und das, obwohl sich die Preise in den letzten Jahren steil nach oben bewegt haben.

„Ab 295 Euro pro Quadratmeter“ heißt es in dem Vermarktungsschreiben, die Preise für die Einfamilienhaus-Grundstücke lagen über 300 Euro pro Quadratmeter, wie wir erfahren. Zum Vergleich: Auf der anderen Seite der Braunschweiger Straße im Süden der Heinrich-der-Löwe-Kaserne liegen die Baugebiete Roselies und Roselies Süd. Dort konnte man vor vier bis sechs Jahren noch für weniger als die Hälfte Bauland erwerben.

Interessierten werden weiterhin die 85 Reihenhäuser auf dem Kasernengelände angeboten. Die Preise dafür beginnen für ein Haus mit zwei Etagen und 152 Quadratmetern Wohnfläche auf 155 Quadratmetern Grundstück ab 369 000 Euro.
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3 Kommentare
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Silvia Grotehen aus Braunschweig - Innenstadt | 18.06.2017 | 09:52  
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Regina Steinfatt aus Lehndorf-Watenbüttel | 21.06.2017 | 02:41  
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Heinz Müller aus Braunschweig - Innenstadt | 24.06.2017 | 19:30  
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