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Bahnpendler im Stress

ZGB-Direktor Hennig Brandes zeigt den Bahnpendlern Andrea Schumacher, Uwe Baumgarten und Dirk Schlinkert (v.l.) das Modell eines neuen Zuges für die Regiobahn, die im Dezember 2015 an den Start gehen soll. Doppelt so viele Fahrgäste wie jetzt haben dann in den Wagen Platz. Foto: Thomas Ammerpohl
 
So sieht es im Berufsverkehr auf der Strecke Braunschweig – Wolfsburg in den Zügen aus. Foto: Schlinkert

Ab Montag leidet der Regioverkehr noch mehr.

Von Martina Jurk, 02.03.2014.

Braunschweig. Ab Montag gilt auf der Bahnstrecke Braunschweig – Wolfsburg ein Baustellenfahrplan. Die ohnehin stark strapazierte Geduld der Pendler wird nun auf eine noch härtere Probe gestellt.

Der Hintergrund: Auf der ICE-Trasse südlich von Fulda wird gebaut, und das hat Auswirkungen bis in unsere Region. Da sich die Fahrzeiten der Fernverkehrszüge auf der Strecke Frankfurt – Braunschweig – Berlin geringfügig verändern, leidet der Nahverkehr, denn der muss dem Fernverkehr, laut Deutscher Bahn, den Vorrang lassen.

Für die Berufspendler ist der Zustand auf der Strecke Braunschweig – Wolfsburg auch ohne Baustellenfahrplan unhaltbar. Die Züge seien in den letzten Jahren immer voller geworden, zu den Hauptberufsverkehrszeiten morgens und abends gebe es zum Teil chaotische Zustände, beschreiben Dirk Schlinkert, Uwe Baumgarten und Andrea Schumacher die Situation. Sie trafen sich mit Hennig Brandes, Direktor des Zweckverbands Großraum Braunschweig (ZGB) zum Gespräch auf der Suche nach einer Lösung.

Seit zehn Jahren steigt Uwe Baumgarten jeden Morgen in Weddel zu. „Anfangs waren wir zu viert, inzwischen sind wir 30“, sagt der Pendler. Die Züge seien so voll, dass die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden könne.
Wer täglich von Braunschweig nach Wolfsburg und zurück pendeln muss, erlebt nach den Schilderungen der drei Betroffenen mitunter ein wahres Martyrium: Drängeln, Schieben und Quetschen beim Ein- und Aussteigen, dicht gedrängtes Stehen in den Gängen der Züge, nicht genug Möglichkeiten, sich festzuhalten, wer früher zu- oder aussteigen muss, kommt fast nicht rein oder raus.
Und dann sind da noch Unpünktlichkeiten der Bahn, was den Bus- oder VW-Shuttleanschluss gefährdet. Manchmal fahren auch Schulklassen mit, die ins Phaeno wollen. „Für die Kinder eine Zumutung, für uns auch. Wir möchten einen zuverlässigen und stressfreien Verkehr morgens und abends“, sagt Dirk Schlinkert.

Er und seine beiden „Leidensgefährten“, die sich im Zug kennengelernt haben, wollen an Lösungen für das Problem mitarbeiten. Auch mit der Stadt Wolfsburg, Volkswagen und dem VW-Betriebsrat hätten sie gesprochen oder wollen das noch tun. Von ZGB-Verbandsdirektor Hennig Brandes erhofften sie sich Unterstützung und klärende Informationen, wie die Situation kurzfristig entschärft werden könnte.

Der ZGB sei mit der Deutschen Bahn (DB) Regio in Verhandlungen über die Erhöhung der Fahrzeugkapazität mit zum Beispiel doppelstöckigen oder mehr Wagen. Es würden Züge und Personal fehlen. „Wir sind mit allen Hebeln dran, aber am Ende können wir die Deutsche Bahn nicht zwingen“, betonte Brandes. Ein Lichtblick sei der Start der Regiobahn im Dezember 2015, denn die dafür gefertigten Bahnen hätten mehr als doppelt so viele Steh- und Sitzplätze wie die heutigen Fahrzeuge. Auch die Fahrzeit würde sich verkürzen.
Doch bis dahin erhöht sich – vor allem jetzt durch den Baustellenfahrplan – der Leidensdruck der Pendler. Auf die Spitze getrieben wird der ganze Frust durch das Nadelöhr der eingleisigen Weddeler Schleife, denn das bedeutet, dass die Züge warten müssen – eine halbe Stunde in Fallersleben auf der Strecke 17.10 Uhr nach Braunschweig. Veränderungen im Fernverkehr könnten den Regionalverkehr zum Zusammenbruch bringen, befürchten Pendler und Zweckverband unisono.

Hennig Brandes schlug den Pendlern vor, ihrerseits medialen Druck auf die Bahn auszuüben, das Fernsehen und Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis zu einer Fahrt von Braunschweig nach Wolfsburg einzuladen. Als Übergangslösung geprüft worden sei auch ein Schienenersatzverkehr über die A 39. „Kosten und Staugefahr wären zu hoch, die Platzkapazitäten begrenzt. Deshalb haben wir diese Möglichkeit verworfen.“
Der Verbandsdirektor und die Pendler wollen sich in spätestens zwei Wochen noch einmal zum Gespräch treffen. „Bis dahin wissen wir, wie die Verhandlungen mit der Bahn gelaufen sind“, so Brandes.
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12 Kommentare
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Bernd Kowalewski aus Wolfsburg - Stadtmitte | 02.03.2014 | 16:44  
15
Klaus Alberts aus Braunschweig - Innenstadt | 02.03.2014 | 18:15  
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Karl Grziwa aus Lehndorf-Watenbüttel | 03.03.2014 | 09:15  
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Bernd Kowalewski aus Wolfsburg - Stadtmitte | 03.03.2014 | 23:09  
6
Georg Möllmann aus Wenden-Thune-Harxbüttel | 05.03.2014 | 11:56  
6
Antonella Antonelli aus Braunschweig - Innenstadt | 05.03.2014 | 19:05  
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Dirk Schlinkert aus Braunschweig - Innenstadt | 06.03.2014 | 17:51  
6
Dirk Schlinkert aus Braunschweig - Innenstadt | 06.03.2014 | 17:51  
6
Hennig Brandes aus Braunschweig - Innenstadt | 07.03.2014 | 12:51  
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Bodo Bock aus Volkmarode | 09.03.2014 | 20:15  
12
Bernd Kowalewski aus Wolfsburg - Stadtmitte | 09.03.2014 | 23:36  
9
Bodo Bock aus Volkmarode | 10.03.2014 | 19:32  
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