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Bäche mit Libellen und Schnecken

Jahresbericht der Stadtentwässerung: Untersuchte Gräben überwiegend „mäßig beeinträchtigt“.

Braunschweig (h), 29.07.2012.

Was haben das Verbogene Posthörnchen, die Glänzende Tellerschnecke und die Grüne Flussjungfer gemeinsam? Alle drei Arten stehen auf den Roten Listen in Niedersachsen oder Deutschland, sind „gefährdet“ bis hin zu „vom Aussterben bedroht“.

Die beiden Wasserschneckenarten und die Libellenart sind in Braunschweiger Fließgewässern zu finden. Das steht im aktuellen Jahresbericht über die Untersuchungen von Gewässerstruktur und biologischer Gewässergüte der Fließgewässer in Braunschweig. Den Bericht lässt die Stadtentwässerung Braunschweig im Auftrag der Stadt Braunschweig jährlich erstellen. 22 Kilometer Fließgewässer hat Dr. Thomas Ols Eggers vom Institut für Geoökologie der TU im Auftrag der Stadtentwässerung 2011 betrachtet. Dabei waren neben Abschnitten der Mittelriede insgesamt 18 Gräben, darunter der Feuergraben, der Reitlingsgraben und der Schapener Graben. „Um Aussagen über die Gewässerstruktur treffen und diese dann kartieren zu können, ist es notwendig, möglichst direkt im Gewässerbett bei Niedrigwasser zu gehen. Wo dies nicht möglich war dann entlang der Uferböschung“, schildert der Experte.
Im Frühjahr und Herbst hat Eggers unter anderem die Sohlstrukturen, die Wasserpflanzenpolster und den Bewuchs des Uferbereiches der Gewässer erhoben, mit GPS-Gerät kartiert und protokolliert. „Ein großer Teil der Fließgewässer hat die Gewässerstrukturgüteklasse III mit der Bedeutung „mäßig beeinträchtigt“. Es gibt aber auch gerade im westlichen Stadtgebiet Fließgewässer, die die Strukturgüteklasse VII (naturfern) haben. Die Schölke ist beispielsweise verrohrt, weil die Bebauung hier keinen naturnahen Verlauf zulässt“, so Eggers.
Um die biologische Gewässergüte der Fließgewässer im Braunschweiger Stadtgebiet zu ermitteln, hat Eggers an 58 Untersuchungsstellen mit Kescher oder Handnetz in jedem Quartal Proben entnommen. Aus den Inhalten der Kescher hat er 224 verschiedene Kleinsttierarten ermittelt, mit 50 Arten waren die Köcherfliegen die artenreichste Gruppe. „Ein Großteil der untersuchten Gewässer ist in die Güteklasse II-III einzuordnen, einige sogar in die Güteklasse II. Das ist für Fließgewässer im städtischen Bereich ein ordentliches Ergebnis“, lautet sein Fazit.
Aus den Ergebnissen des Jahresberichts leitet die Stadt mit der Stadtentwässerung Maßnahmen ab, wie die einzelnen Abschnitte der Gewässer zu behandeln sind. „So kann die Empfehlung sein, dass es für die Ökologie von Vorteil ist, wenn wir entlang eines Fließgewässers zum Beispiel Abschnitte wechselseitig mähen und nicht nur eine Uferseite durchgehend“, schildert Jörg Walther, Leiter der Abteilung Gewässer der Stadtentwässerung aus der Praxis. „Das mag für den Laien aussehen, als wäre unvollständig gemäht worden. Es ist aber mit Absicht so geschehen“, ergänzt Walther.
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