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Awo will notfalls Betrag vorstrecken

Bundesfreiwilligendienst: Die Kindergeldfrage ist offen, Gesetzeslösung nicht vor November.

Von Marion Korth, 27.07.2011

Braunschweig. Verunsicherung und Ärger waren die Folge, als der neue Kraftstoff E10 erstmals aus den Zapfsäulen floss. Im Sozialbereich gibt es jetzt auch ein „E10-Thema“, nur dass es hier um den Bundesfreiwilligendienst geht. Die Awo in Braunschweig spricht von „Chaos“.

Noch bevor die ersten Freiwilligen am 1. August ihren Dienst beginnen, hat die Awo ernsthafte Sorgen, die wenigen, die sich dafür gemeldet haben, wieder zu verlieren. Der Grund: Obwohl ein Kindergeldanspruch für jugendliche BFDler besteht, werden sie in den ersten vier Monaten wohl kein Geld erhalten. Der Awo-Bezirksverband Braunschweig hat einen offenen Beschwerdebrief an den FDP-Bundestagsabgeordneten Florian Bernschneider geschickt und fordert eine schnelle Lösung.

„Wir erleben zurzeit, wie Freiwillige uns unter Tränen ihre Sorgen mitteilen, weil sie davon ausgegangen waren, dass sie kindergeldberechtigt sind. Unsere Beratungsstelle bekommt täglich mehrere Anrufe von erbosten Eltern, die sich auf die Aussagen der Bundesregierung verlassen hatten“, heißt es in dem Brief, den Dirk Bitterberg, stellvertretender Vorsitzender des Awo-Bezirksverbandsvorstands, unterzeichnet hat. Die BFDler hätten den Kindergeldbetrag beispielsweise für ihre Mietzahlungen fest eingeplant und würden nun in ein Loch fallen.
Die Awo hat sich deshalb entschlossen, den Kindergeldbetrag notfalls aus eigener Kasse vorzustrecken. „Wir mussten eine Lösung finden“, sagt Awo-Verbandssekretär Falk Hensel, sieht aber die Politik in der Pflicht. Er spricht von „unsozialem Handeln“. „Das ist im Mai angekündigt worden, aber wurde vor der Sommerpause nicht gesetzlich umgesetzt.“ Die Träger müssten jetzt für die Versäumnisse der Bundesregierung eintreten. Es geht auch darum, die Glaubwürdigkeit des Wohlfahrtsverbandes zu erhalten. Die Awo hatte sich auf die Zusage des FDP-Abgeordneten Florian Bernschneider, dass das Kindergeld auch für Freiwillige im Bundesfreiwilligendienst gezahlt wird, verlassen und die Bewerber unter diesen Vorzeichen entsprechend beraten.
Als wäre dies alles nicht unbefriedigend genug, kommen nun neue Unsicherheiten auf die Verbände zu. Das Bundesfamilienministerium plane ein Kopplungsmodell, nachdem die Plätze für das Freiwillige Soziale Jahr und den Bundesfreiwilligendienst in einem Verhältnis von 3:2 zu besetzen seien. Für „überzählige“ FSJ-Stellen sei die Förderung in Gefahr. Hensel: „Wir haben eher zum FSJ tendiert, unser Verhältnis liegt bei 4:1.“
Die Awo prüfe nun, ob bestehende FSJ-Verträge in BFD-Verträge umgeschrieben werden können. Für die Freiwilligen ist das eher eine Formalie, nicht aber für die Awo, die dann für noch mehr BFDler in Vorleistung fürs Kindergeld gehen müsste.
Lauter Unsicherheiten, die es nicht gerade einfacher machen, die Freiwilligenplätze in den Einrichtungen zu besetzen. Am 29. Juni hatte die nB berichtet, dass Sozialverbände händeringend nach Freiwilligen suchen. Allein der Awo-Bezirksverband Braunschweig hält 102 Einsatzstellen mit Tätigkeiten in den Bereichen Kinder, Jugend und Familie, Pflege und Menschen mit seelischen Behinderungen vor. 37 Verträge sind abgeschlossen. „Immerhin ist damit etwas mehr als ein Drittel der Plätze besetzt“, sagt Hensel. Damit noch mehr Freiwillige kommen, würde die Awo sich über ein „geordnetes und zielstrebiges Verfahren und klare beständige Richtlinien freuen“. Bis dahin geht das Chaos bei der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes weiter.
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