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Aufräumen in der Gerüchteküche

Ulf Küch, Chef der Braunschweiger Kriminalpolizei bei der Vorstellung seines Buchs „Soko Asyl“. Foto: Thomas Ammerpohl
Braunschweig: Buchhandlung Graff |

Kripochef Ulf Küch stellte in der Buchhandlung Graff sein Buch „Soko Asyl“ vor.

Von Birgit Leute, 09.02.2016.

Braunschweig. Manche Dinge beginnen Ulf Küch langsam zu nerven. Zum Beispiel, wenn Parteien am rechten Rand immer wieder behaupten, mit den Flüchtlingen steige die Unsicherheit in den Straßen. Oder, wenn die Polizei zum Prügelknaben für eine verfehlte Asylpolitik wird.

Am Montagabend stellte der Chef der Braunschweiger Kriminalpolizei sein Buch „Soko Asyl“ in der Buchhandlung Graff vor. Der 58-Jährige wollte damit in der Gerüchteküche rund um die Asylsuchenden aufräumen. Doch auch Küch muss sehen: Fakten haben es derzeit schwer.

„Im vergangenen Jahr haben wir eine Sonderkommission gebildet, die untersuchen sollte, wie sehr denn wirklich die Zahl der Straftaten gestiegen ist“, erzählt Küch. Das Resultat sei verblüffend gewesen: 2015 wurden nur etwa 300 Fälle mehr gezählt, obwohl rund 40 000 Asylsuchende die Landesaufnahmestelle in Kralenriede passiert hätten. „Die Frauen gehen nicht der Prostitution nach, die Männer handeln nicht mit Drogen und deutsche Frauen werden nicht laufend im Bus oder auf der Straße angegrapscht“, stellt Küch klar. Außerdem verhänge niemand der Polizei einen Maulkorb. „Mit ist doch egal, ob jemand Ali oder Herbert heißt. Wir klopfen, wenn nötig, jedem auf die Finger“, stellt Küch mit Blick auf die Vorwürfe gegenüber der Kölner Polizei klar.

Die eigentliche Probleme liegen nach Küch, der nach der Veröffentlichung seines Buchs und seinen Auftritten im Fernsehen inzwischen massiv in Internetforen angegangen wird, woanders: „650 000 Asylsuchende sind vom Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge noch gar nicht erfasst“, sagt er über die schleppende Registrierung. Gleichzeitig fehle eine einheitliche Datenbank – etwa für Finderabdrücke – auf die die Länderpolizeien zugreifen können. „Da kocht jedes der 16 Bundesländer sein eigenes Süppchen“, kritisiert er.
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