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Aufatmen nach stürmischen Zeiten

Leser Christian Vaillant schickte uns im Juli 2015 diese gespenstische Szene: Umgestürzte Bäume blockierten nach dem Unwetter im Juli (Siegfried) die Hamburger Straße.
 
Knud Maywald, stellvertretender Vorstandsvorsitzender Öffentliche.

2015 war ein ziemlich unruhiges Jahr – Viele Unwetter, viel Arbeit – Ein Gespräch bei der Öffentlichen Versicherung.

Von Marion Korth, 06.01.2016.

Braunschweig. Sie heißen Felix und Elon, Niklas und Siegfried, Zeljko und Iwan. Oder Heini, das klingt fast niedlich, auf jeden Fall harmlos.

Dabei haben diese Sturm- und Orkantiefs in diesem Jahr Schneisen der Verwüstung gezogen. Ihre Namen haben wir schon wieder vergessen. Ihre Folgen sind weggeräumt und repariert – und fluten doch Schreibtische: mit Arbeit.

„2015 war schon ziemlich heftig“, sagt Knud Maywald, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Öffentlichen Versicherung Braunschweig. Die Zahl der „normalen“ Schäden von 20 000 haben die Stürme mal eben verdoppelt, das war der Stand Mitte November, als draußen Sturm Heini gerade Fahrt aufnahm. 18 Millionen Euro ließen die Unwetter bis dahin an Schäden zurück.

Die rund 120 Mitarbeiter in der Schadenabteilung rotierten, machten Überstunden, kamen freiwillig auch sonnabends zur Arbeit. Externe Dienstleister wurden hinzugezogen, um den Stau schneller aufzulösen. Trotzdem kam es in manchen Fällen zu längeren Bearbeitungszeiten. Ein Kunde hatte sich darüber geärgert und sich an die nB gewandt. An längst zurückliegende Sturmschäden und ihre Folgen denkt niemand. Mittlerweile ist alles auf Reihe, Knud Maywald ist echt zufrieden, wie sein Team das gemacht hat.
Dabei hatte 2015 gleich unruhig begonnen. Felix löste an den ersten Tagen des Januars nahtlos Elon ab. 2500 gemeldete Versicherungsschäden verzeichnete die Öffentliche nach diesen beiden Unwetterereignissen. Und so sollte es weitergehen. „Kaum hatten wir einen Stapel abgearbeitet, kam der nächste Sturm“, sagt Maywald. Niklas zum Beispiel, ein schlechter Aprilscherz, der in der hausinternen Bilanz 9350 demolierte Autos und Gebäude zurückließ.

Ein Unwetter ist Knud Maywald besonders im Kopf geblieben: „Als Anfang Juli eine Windhose über Wenden zog, das war fast bedrohlich.“ Siegfried wütete in der Stadt und nicht nur dort, riss Zelte und Bühnen am Schloss Richmond mit sich. Das Schlossspektakel versank im Unwetterchaos. Bäume, vollbelaubt und dem Sturm ausgeliefert, kippten auf Straßen, Häuser, Autos. 6000 Schadensereignisse zählte die Öffentliche nach Siegfried.

Bezeichnenderweise ist bislang nicht 2015, sondern 2013 das Jahr, auf das der Titel Katastrophenjahr am ehesten passen würde. Am 27. Juli brachte ein Gewitter Hagelkörner groß wie Tennisbälle. „Das hatten wir noch nie“, sagt Maywald. Der Hagel durchschlug Dachziegel, zerdellte Autos bis zum Totalschaden. Hallen mussten angemietet werden, um die zerstörten Autos begutachten zu können.

In der Region ist jedes zweite Auto über die Öffentliche versichert, außerdem mehr als 80 Prozent aller Gebäude. Hagelschlag und Sturm treffen die Versicherung deshalb immer heftig. „Die Telefone liefen heiß, in einer Viertelstunde sind uns damals 8000 Schäden gemeldet worden“, sagt Maywald. 38 Millionen Euro wurden 2013 insgesamt aufgewendet, um die Unwetterschäden zu begleichen.

Bei Sturmmeldungen ist auch Maywald ein bisschen hin- und hergerissen. Es geht um große Schäden und viel Geld. „Auf der anderen Seite: Dafür sind wir da.“ Als öffentlich-rechtliches Versicherungsunternehmen, dessen Überschüsse nicht an Aktionäre ausgeschüttet werden, sondern in die Eigenkapitalrücklage fließen, sei die Öffentliche so aufgestellt, dass sie solche Stürme finanziell verkraften kann, wenn es sein muss mehrmals.

Und wenn das nächste Unwetter kommt? Maywald: „Wir sind always online und fangen an zu organisieren, bevor der Sturm da ist.“ Der Wetterbericht allein reicht nicht. Ein spezielles Programm bildet genau ab, in welchem Bereich des großen Geschäftsgebietes welche Windstärken erreicht werden. Die Mitarbeiter im Haus und in den 180 Kundenbüros werden informiert, dass demnächst viel Arbeit auf sie zukommt. „Und wenn wir abends nach Hause fahren, dann hoffen wir, dass es nicht so schlimm wird wie angekündigt“, sagt Maywald.

Info

Nur 20 Prozent der Hauseigentümer haben zur Gebäude- auch eine Elemtarschadenversicherung abgeschlossen. „Vor einem Vulkanausbruch müssen wir uns wohl nicht wappen“, sagt Olaf Halle, Abteilungsleiter Schaden Öffentliche Versicherung. Aber Schäden durch Hochwasser, Starkregen, Rückstaus sind durchaus möglich und – denkt am man an den Harz – Erdrutsche oder Schneedruck ebenfalls.

Sturmschäden sind in der Regel durch die Hausratversicherung abgedeckt, in älteren Verträgen sei aber beispielsweise das Risiko, das das herumfliegende Trampolin im Garten mit sich bringt, nicht berücksichtigt, sagt Halle. Im Schadenfall sollten Kunden schnell den Kontakt zu ihrer Versicherung aufnehmen, Weisungen abwarten und nicht gleich aufräumen, wegschmeißen und neu tapezieren. Alle Schäden sollten genauestens dokumentiert werden.
Häufig unterschätzt würde der Wert des Hausrats. „Denken Sie nur einmal an den Neubeschaffungswert all Ihrer Kleidungsstücke“, sagt Halle. Auch Computer, Fernseher oder Waschmaschinen können teuer sein. Wer gerade modernisiert hat und sich vielleicht eine komplett neue Heizungsanlage hat einbauen lassen (die ist ebenfalls in der Gebäudeversicherung enthalten), sollte dies unbedingt nachmelden.
Empfehlenswert: Die „MehrWetter-App“ der Öffentlichen mit postleitzahlgenauen Wetterdaten und Unwetterwarnungen.
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