Anzeige

Asylverfahren: „System der Stigmatisierung“

Verein Refugium zeigte im Universum-Kino den Film „Residenzpflicht“.

Von Christoph Matthies, 10.04.2013.

Braunschweig. Im Umgang mit Asylsuchenden liegt in Deutschland einiges im Argen. Am Montag präsentierte die Regisseurin Denise Garcia Bergt ihren Film „Residenzpflicht“ und stellte sich im Anschluss den Fragen des Publikums.

Menschen, die als politisch Verfolgte, als Opfer von Krieg oder Bürgerkrieg in Deutschland Zuflucht suchen, werden systematisch wie Kriminelle behandelt: So lautet – auf den Punkt gebracht – der Vorwurf, den die brasilianische Filmemacherin in ihrer Dokumentation formuliert. Stein des Anstoßes ist die titelgebende Residenzpflicht, die es Asylsuchenden untersagt, sich frei im Gast-Bundesland zu bewegen.
Eingeladen zu dem Filmabend hatte die Flüchtlingshilfe Refugium. Sozialpädagoge Oliver Scheichl, der für den Verein tätig ist und häufig mit den Hürden der Residenzpflicht konfrontiert wird, räumt ein, dass sich einiges gebessert habe: „In elf Bundesländern, auch in Niedersachsen, hat es eine Lockerung der Residenzpflicht gegeben“. Tatsächlich werde die Wohnsitzbeschränkung allerdings immer noch oft als Mittel der Sanktionierung eingesetzt.
Bergts Film zeigt weitere Skandale der gängigen Asylpraxis. So wird die Arbeit der Frontex hinterfragt, die Europas Außengrenzen vor illegaler Zuwanderung schützen soll. Auch die Zustände in deutschen Asylbewerberheimen, die Praxis der Nahrungsmittelgutscheine und der Feuertod des Asylsuchenden Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle werden thematisiert. Ein Aufreger ist auch das Eurodac-Verfahren, bei dem Asylsuchenden Fingerabdrücke abgenommen werden, die ohne konkreten Verdacht von Kriminalbeamten abgeglichen werden können. „Ein System der Stigmatisierung und eine Datenschutzverletzung sondergleichen“, findet Scheichl vom Refugium.
Über ihre Motivation für den Film befragt, macht Regisseurin Denise Garcia Bergt aus ihrer Ablehnung der bestehenden Zustände keinen Hehl: „Ich möchte das System verändern. Ein System, das Sicherheit für die Europäer schafft, nicht aber für die Menschen außerhalb Europas.“
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.