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Asse: Planung für Notfall

Experten diskutierten über Strahlenschutz.

Von Martina Jurk, 25.11.2012.


Braunschweig. Was passiert, wenn die Asse absäuft? Für das Atommülllager müsse es eine Planung für den Notfall geben, so das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).

Zwei Tage lang diskutierten Experten aus dem ganzen Bundesgebiet über Strahlenschutz und Notfallvorsorge bei der Schließung des Asse-Lagers. Am Freitagabend informierte das BfS die Öffentlichkeit über die Ergebnisse des Fachworkshops. Bürger hatten dabei Gelegenheit, Fragen zu stellen. Sie nutzten das Forum, um von ihren Ängsten zu berichten, machten gleichzeitig ihrem Ärger Luft, dass die Entscheidung über eine Rückholung der atomaren Abfälle aus dem maroden Salzstock so lange dauert.
Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sicherte inzwischen eine Beschleunigung zu, unabhängig von der schleppenden Erkundung der Asse-Kammern. „Die Faktenerhebung dauert länger als gedacht, aber wir tun alles, was möglich ist“, sagte die BfS-Vizepräsidentin Stefanie Nöthel. Damit gaben sich die rund 200 Besucher der Infoveranstaltung im Congresssaal der Stadthalle, von denen viele aus dem Kreis Wolfenbüttel und damit aus der unmittelbaren Nachbarschaft zur Asse kamen, weniger zufrieden.
So fragte eine Mutter von drei Kindern – sie wohnt zehn Kilometer von der Asse entfernt –, was denn ein Notfall konkret für ihre Familie, für die Menschen dort, für das Trinkwasser bedeute? „Es gibt keine akute Katastrophensituation“, versuchte Stefanie Nöthel die junge Frau zu beruhigen. Die Radioaktivität im Atommülllager betrage ein Zweihundertstel von der, die in einem Castorbehälter gemessen würde.
Andere Besucher der Veranstaltung hegten Zweifel daran, dass das BfS wisse, was sich in den Kammern befindet. Sie fragten, was das BfS glaube, dort zu finden. „Fässer oder eine verseuchte Suppe?“, wollte ein Zuhörer wissen. Eine Kammer sei inzwischen angebohrt, durch Messungen sei das Vorhandensein von Methan nachgewiesen worden. Es bestehe aber keine Explosionsgefahr, wurde den Zuhörern versichert.
Andere Besucher warfen dem Bundesamt vor, für den Bau eines neuen Zwischenlagers von vornherein keinen alternativen Standort als die Nähe zur Asse zu erwägen. „Schluss mit dem Eiertanz um die Asse“, war auf einem hochgehaltenen Plakat zu lesen.
Ergebnisse des Fachworkshops: Das BfS geht davon aus, dass jederzeit mehr als die bisherigen 12 000 Liter Wasser pro Tag in die Schachtanlage fließen können. Wenn der Wasserzufluss so stark ansteige, dass er nicht mehr gefangen und abtransportiert werden könne, saufe die Asse ab. Um auf diesen Notfall vorbereitet zu sein, setze das BfS Vorsorge- und Notfallmaßnahmen um – im Einklang mit der Rückholung der Abfälle. Vorsorglich würden Stollen und Hohlräume mit Salzbeton ausgegossen, um das Grubengebäude zu stabilisieren. Nur so könnten die Beschäftigten in der Asse weiter an der Rückholung arbeiten. Das BfS zieht auch den Fall in Betracht, dass die Abfälle gar nicht zurückgeholt werden können. Dafür werden Langzeitsicherheitsanalysen erstellt.
Fakten: 2009 hat das BfS die Asse-Schachtanlage als Betreiber übernommen. Seit Anfang 2010 gilt die Rückholung des Atommülls als Vorzugsoption. Die Dauer der Rückholung wird auf 35 bis 40 Jahre geschätzt.
Ergebnis eines Expertenworkshops im September dieses Jahres: Der Beginn der Rückholung im Jahr 2036 ist unakzeptabel. Beschleunigungspotenziale sieht das BfS beim Baubeginn eines neuen Zwischenlagers, bei der Beschaffung der Bergetechnik und bei der Errichtung des Schachts Asse 5.
Der Ergebnisbericht zum Workshop am 20./21. November 2012 liegt ab Dezember vor und kann auch im Internet unter www.bfs.de nachgelesen werden.
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