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Antrittsbesuch in der Asse

Umweltministerin Dr. Barbara Hendricks verschaffte sich einen ersten Eindruck der Schachtanlage Asse. Foto: T.A.

Bundesumweltministerin Hendricks: „Wir haben viel Arbeit vor uns“.

Von Marion Korth, 5. März 2014.

Wolfenbüttel. Keine Zusagen, keine Versprechungen. Die geplante Rückholung von rund 126 000 Fässern voller Atommüll, die in der vom Einsturz bedrohten Schachtanlage Asse liegen, wird kein Kinderspiel, und schnell wird es auch nicht gehen. Der erste Besuch von Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD) gestern in der Schachtanlage Asse hatte eher symbolische Bedeutung.

Es gibt nichts schönzureden, und das machte die Ministerin in ihrem Fazit nach dem Bergwerksbesuch dann auch nicht. „Ich wollte mir einen eigenen Eindruck verschaffen“, sagte sie. Und: „Es liegt viel Arbeit vor uns.“
Am Morgen war die Ministerin in Remlingen im Landkreis Wolfenbüttel von besorgten Bürgern in Empfang genommen worden, Bürgervertreter begleiteten sie auch bei ihrem Weg unter Tage in der maroden Schachtanlage. Zur Einführung sahen alle noch einmal die altbekannten Bilder: Ein Vorderlader kippt gelbe Fässer in eine Grube, wo sie kreuz und quer herumliegen. „Ich kannte diese Bilder, aber ich war wieder überrascht, mit welcher Verantwortungslosigkeit hier der Atommüll verbracht worden ist“, sagte die Ministerin.
Sachlichkeit bestimmte den Besuch von Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks, die Zeit des politischen Gezänkes um die Verantwortlichkeit scheint vorbei zu sein. Die Rückholung der Fässer ist das erklärte Ziel, ob sie gelingt, ist eine andere Frage.
Grundsätzliche Voraussetzung ist, dass sich alle einig sind und gemeinschaftlich eine Lösung suchen. Genau dies aber sei bei der Asse (jetzt) der Fall. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel sprach von einer „beispielhaften Bürgerbeteiligung“, auch die Ministerin zeigte sich beeindruckt, mit wie viel Engagement und mit wie viel Sachlichkeit die Bürger die Aufarbeitung des Falls Asse begleiten. Sie äußerte „großes Verständnis“ dafür, dass die Bürger die Gefahr im Bergwerk schnell gebannt haben wollen, aber dagegen steht das Atomrecht, das viel strengere Vorgaben als das Bergbaurecht beinhaltet. Hendricks: „Die Herausforderung ist, den Prozess so rasch wie möglich und so sicher wie möglich abzuwickeln.“
Genau dort aber liegt das Problem, zu groß ist die Ungewissheit. „Wir haben noch keine belastbare Rückholungsplanung, weil wir dafür noch nicht die erforderlichen Erkenntnisse haben“, sagte Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz. Die Vorbohrung für den Schacht 5, der notwendig ist, um einen weiteren Zugang zur Asse und zu den Fässern zu bekommen, hätte sich um einige Wochen verzögert. Noch in diesem Jahr will das Amt zu einer abschließenden Bewertung kommen, ob an dieser Stelle ein weiterer Tunnel gebohrt werden kann, bislang spreche aber nichts dagegen. Ohne einen Zeitplan nennen zu können, sei die Rückholung in jedem Fall ein Vorhaben, das sich über Jahrzehnte erstrecken werde. „Wir kommen jetzt in eine neue Phase: Die Fragen, die in die Vergangenheit reichen, sind aufgearbeitet, aber jetzt liegen schwierige Aufgaben, wie die Suche nach einem Zwischenlager, vor uns“, sagte König. Und in der Asse selbst liegen außer den Fässern viele Unwägbarkeiten verborgen. Ein Zurück aber soll es nicht mehr geben. Hendricks: „In meinem Aufgabenbereich gibt es eine Pflicht und eine Kür. Dies hier ist eine Pflicht.“ Für die auch die entsprechenden Geldmittel zur Verfügung gestellt werden müssen. Für den Assefonds, aus dem Nachteile in der Region durch Infrastrukturhilfe abgemildert werden sollen (die nB berichtete), seien im Haushaltsentwurf für 2014 500 000 Euro vorgesehen, in 20 Jahren sollen es insgesamt zehn Millionen Euro werden.
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