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Anklage im „Waller Babymord“

36-Jähriger aus Braunschweig wird vorgeworfen, ihre neugeborenen Töchter getötet zu haben.

Von Marion Korth, 27.07.2011

Braunschweig. Bundesweit hatte der „Waller Babymord“ 2005 Schlagzeilen gemacht. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat jetzt Anklage gegen die Mutter des Kindes erhoben – nicht wegen Mordes, sondern wegen Totschlags. Dies in zwei Fällen.

Der 36-jährigen Frau wird vorgeworfen, ihre beiden in den Jahren 2005 und 2011 neugeborenen Töchter getötet zu haben.
Trotz intensiver Ermittlungen hatte erst „Kommissar Zufall“ die Polizei auf die Spur der Frau gebracht und zu einer Festnahme geführt. „Sie hat recht schnell ein Geständnis abgelegt“, sagte Oberstaatsanwalt Joachim Geyer der nB. In der Vernehmung habe die Mutter zugegeben, ihre kleine Tochter, die sie im Juni 2005 allein in ihrer Wohnung zur Welt gebracht hatte, mit einem Messer umgebracht zu haben. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass die Steuerungsfähigkeit der Frau zu diesem Zeitpunkt erheblich vermindert gewesen sei. „Sie stand unter gewissem Druck“, erläuterte Geyer. Sie habe nicht in einer festen Partnerschaft gelebt, sei vermutlich überfordert gewesen. Von „Babygeschrei“ sei die Rede gewesen. Hunde von Spaziergängern hatten die Leiche des Neugeborenen später am Waller See aufgespürt.
In der Nacht auf den 27. April dieses Jahres, nur drei Wochen, bevor die Polizei vor ihrer Tür stand, hatte die Frau erneut ein Kind zur Welt gebracht. Wieder allein, diesmal in einer anderen Wohnung. Sie habe das Mädchen in der Wanne geboren und sich das Kind anschließend auf den Oberschenkel gelegt und mit einem Handtuch abgedeckt. Sie hätte etwas wegen der Schmerzen eingenommen, sei schließlich ohnmächtig geworden. „Das Neugeborene ist ertrunken, aber wir wissen nicht, ob es ertränkt worden ist“, sagte Geyer. Die Obduktion habe diesbezüglich keine Erkenntnisse gebracht. Allein durch die Umstände der Geburt habe die Frau den Tod des Kindes aber billigend in Kauf genommen. Anhand ihrer Ortsbeschreibung konnte die Polizei die Leiche des Säuglings später in einer Mülltonne finden. Es sei unklar, ob die Väter der Mädchen etwas von den Schwangerschaften gewusst haben.
Die Frau befindet sich seit dem 6. Mai in Untersuchungshaft. Ein Termin für den Beginn des Gerichtsprozesses steht noch nicht, wird aber für Herbst erwartet.
Ein ganz anderer Kriminalfall hatte die Polizei der Lösung nähergebracht: In einem abgestellten VW-Bus, der als gestohlen gemeldet war, hatte die Polizei eine Zigarettenkippe gefunden. Die DNA-Spuren darauf deckten sich mit denen, die bei dem toten Baby am Waller See gefunden worden waren. Die Polizei bekam heraus, wer die Zigarette in dem Fahrzeug geraucht hatte – die Mutter des Babys vom Waller See war darin offenbar als Beifahrerin unterwegs gewesen. Bis dahin hatte die DNA-Spur nicht zugeordnet werden können, die Frau sei zuvor niemals strafrechtlich aufgefallen.
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