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Andere Blickwinkel einnehmen

Ausstellung zeigt eindringliche Lebensgeschichten von Frauen im und nach dem Krieg

Von Tommy Buchstein

Braunschweig. Entführt und zur Zwangsarbeit in ein fremdes Land verschleppt. Dieses und andere Schicksale zeigt die Ausstellung eines internationalen Jugendcamps in der Gedenkstätte KZ-Außenlager Braunschweig Schillstraße.

Krystyna Topolska ist 15 Jahre alt, als sie beim Einkaufen entführt und nach Braunschweig zur Arbeit in eine Konservenfabrik gebracht wird. Nur der Einflussnahme ihrer Eltern und einem Gutachten eines deutschen Arztes verdankt sie es, dass sie bald nach Polen zurückkehren kann.
Diese und andere Biografien zeigt die Ausstellung „Leben in Kriegszeiten — Frauen in Braunschweig 1939 bis 1949.“ In zweiwöchiger Arbeit stellten acht junge Frauen im Alter von 18 bis 26 Jahren eine Präsentation zusammen. „So eine spezielle Fokussierung auf die Frauen ist ein ungewöhnlicher Blickwinkel in der Geschichte“, sagt Frank Ehrhardt, Leiter der Gedenkstätte.
Im Vorfeld hat Anne-Kathrin Topp, Praktikantin in der Gedenkstätte, in Zusammenarbeit mit Aleksandra Duz und Laura Hofmann Quellen aus dem Frauenarchiv des Stadtarchivs Braunschweig gesichtet und eine Vorauswahl getroffen.
Als Quellen dienten unter anderem Ausweise, Interviews mit den noch lebenden Frauen oder ihren Verwandten, Fotos und der Briefwechsel, den der Historiker Dr. Karl Liedke mit früheren Zwangsarbeiterinnen führte.
Das Ergebnis sind mehrere Plakate, die mit einer kleinen Biografie beginnen, gefolgt von einer kurzen Geschichte, in der der Bezug zu Braunschweig hergestellt wird. Eingebettet sind die Texte, die auf deutsch und polnisch verfasst sind, in Kopien der Originaldokumente und Fotos aus der Zeit.
Das Jugendcamp und die Ausstellung werden vom Arbeitskreis Andere Geschichte und vom Service Civil International (SCI) in Zusammenarbeit mit der Stiftung Leben und Umwelt, der Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen und der Jugendförderung der Stadt Braunschweig organisiert. „Neben der Ausarbeitung der Ausstellung waren auch der Austausch untereinander und das Schärfen des Geschichtsbewusstseins zentrale Punkte“, sagt Topp.
Die jungen Frauen kommen aus Deutschland, Polen und Großbritannien. „Ich habe über einen Newsletter des SCI davon erfahren, es klang interessant, dann habe ich die Anmeldeformulare ausgefüllt“, sagt Jana Glowacki, Teilnehmerin am Camp.
Die Ausstellung ist bis zum
24. September in der Gedenkstätte, Schillstraße 25, zu sehen, und zwar Dienstag und Mittwoch 14 bis 17 Uhr, Donnerstag 16 bis
19 Uhr, Sonnabend (5. September) 14 bis 17 Uhr. Es können auch Gruppenführungen außerhalb dieser Zeiten unter Telefon
2 70 25 65 vereinbart werden.
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