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„Am Anfang war es schwierig“

Besprechung in Schäfers Ruh: Ulrich Volkmann, Bezirksbürgermeister Volkmarode/Schapen und Dr. Bernd Hoppe-Dominik, stellvertretender Bürgermeister in Hondelage. Foto: Obi-Preuß

Zwei Bürgermeister über den Umgang mit den eigenen und den neuen Bürgern.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 15. Januar 2016.

Braunschweig. Ulrich Volkmann und Bernd Hoppe-Dominik haben gut zu tun. Besonders, seitdem die 16 Standorte für die Unterbringung von Flüchtlingen bekannt sind, ist in ihren Dörfern ordentlich Bewegung. Denn auch Volkmarode und Schapen bekommen Zuwachs.

„Am Anfang war es ganz schwierig“, blickt Ulrich Volkmann auf die Stimmung in Volkmarode. Es habe böse Mails und hässliche Bemerkungen gegeben. Relativ schnell hatte sich eine Bürgerinitiative gebildet, die die Unterbringung von Flüchtlingen in Volkmarode verhindern wollte.
„Irgendwann habe ich gesagt: Jetzt reicht es“, sagt Volkmann. Er habe Verständnis für Ängste und Sorgen, aber bösartige Kommentare, die mitunter zur Gewalt aufriefen, bezeichnet er als „gefährliches Zündeln“. Man dürfe auch nach Vorkommnissen wie in Köln nicht alle Flüchtlinge abstempeln, „ich möchte ja auch nicht mit den Idioten, die Asylheime anzünden, über einen Kamm geschoren werden“, sagt der Bezirksbürgermeister. Er appelliert an Menschlichkeit und Mitgefühl. „Mein Großvater väterlicherseits kam auch als Flüchtling und wurde nicht mit offenen Armen empfangen, damals war er der ‘Polacke’, bei seiner Beerdigung kamen dann mehr als 200 Menschen“, erzählt Volkmann von gelungener Integration.
Grundsätzlich hält er das dezentrale Unterbringungskonzept der Verwaltung für sehr gut, und dass „seine“ Volkmaroder am Montag ein eigenes Konzept beim Stadtbaurat vorstellen, erfüllt ihn mit stolz (siehe Artikel unten). „Nicht nur meckern und ablehnen, sondern Vorschläge machen, das finde ich gut“, betont er.
In Hondelage ist die Stimmung ruhiger geblieben. „Wir haben aber auch kein Neubaugebiet wie in Volkmarode, wo sich viele Menschen mit den neuen Nachbarn konfrontiert sehen“, sagt der stellvertretende Bezirksbürgermeister Bernd Hoppe-Dominik. In dem gewachsenen Ort seien eher wenige Häuser direkt „betroffen“, deshalb sei auch der Widerstand längst nicht so massiv. „Wir planen in naher Zukunft einen runden Tisch, wo wir unter der Leitung der Kirche überlegen wollen, welche Schritte für eine gelungene Integration nötig und machbar sind.“ Aber er will die Stimmung im Ort auch nicht schönreden, „auch hier gibt es Ängste und Sorgen“, sagt er, „aber wir nutzen hier die Chance, aufeinander zuzugehen.“
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