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Alte Stricke durchtrennt

Wolters endgültig unabhängig von InBev

Von Marion Korth

Braunschweig. Das Hofbrauhaus Wolters hat sich „freigekauft“, steht als Braunschweiger Traditionsunternehmen wieder ganz auf eigenen Beinen.

Mit gebündelten Kräften konnte Wolters jetzt die Restkaufsumme von etwas mehr als vier Millionen vorzeitig begleichen. Der internationale Brauriese InBev, der Wolters ursprünglich hatte schließen wollen, ist damit endgültig ’raus. Peter Lehna, einer der vier Geschäftsführer und zuständig fürs Marketing, spricht von einer „großen Erleichterung“. Trotz der gelungenen Rettung der Brauerei, hätte eine Vertragsklausel nach wie vor wie „ein Damoklesschwert“ über Wolters geschwebt. „Die Wolters-Markenrechte hätten uns entzogen werden können, sobald wir eine Kaufpreisrate nicht gezahlt hätten“, erläuterte Lehna. Eine kaputte Maschine – und die Zukunft der Brauerei hätte erneut auf der Kippe gestanden. Vier Millionen hatte das Unternehmen nach dem Neuanfang nicht in der Portokasse. Die Braunschweigische Landessparkasse gab den Kredit, das Land Niedersachsen die benötigte Bürgschaft.

Alle sprechen von der Krise, aber es gibt auch echte Erfolgsgeschichten. Die des Hofbrauhauses Wolters ist so eine, und sie konnte nur in Braunschweig geschrieben werden – dank des „Braunschweiger Modells“.Bier der Brauerei Wolters wird mittlerweile sogar nach China, Peru, Mexiko oder auch Italien exportiert. Aber hauptsächliches Geschäftsfeld ist und bleibt das Braunschweiger Land. „Wir haben einen regionalen Ansatz, deshalb wollten wir jetzt auch mit der Braunschweigischen Landessparkasse zusammenarbeiten und nicht mit unserer anderen Hausbank in Bayern“, erläutert Geschäftsführer Peter Lehna. Aber selbst von guten Geschäftspartnern gibt es nicht so eben ’mal vier Millionen Euro Kredit. Deshalb musste die Landesbürgschaft her. Und auch dafür hat sich die Sparkasse eingesetzt und in nur vier Wochen „sagenhafte Arbeit“ (Zitat Lehna) geleistet.
Die Ablösung der Restkaufsumme ist der Schlussstrich unter das InBev-Kapitel bei Wolters. Ein Kapitel, „das sicher zu den unerfreulichsten seit dem Bestehen des Braunschweiger Traditionsunternehmens zählte“, heißt es in der Pressemitteilung.
Ende 2001 hatte InBev (hieß damals noch Interbrew) die Gilde-Gruppe und damit auch das seit mehr als 380 Jahren bestehende Hofbrauhaus Wolters übernommen. Auf der Weihnachtsfeier 2005 dann der Schock. „Da wurde den Mitarbeitern verkündet, dass die Brauerei zum 30. Juni 2006 schließen wird. Diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe“, sagte Peter Lehna. Er selbst war zu diesem Zeitpunkt schon von der Gilde-Gruppe beruflich weitergewechselt, hörte die schlechten Nachrichten aus der Ferne. Obwohl sich mehrere Investorengruppen um Wolters bemüht hätten, sei InBev hart geblieben. Lehna: „Die wollten schließen und nicht verkaufen.“
Fieberhafte Geschäftigkeit hinter den Kulissen, wo Thomas Renneke und Wilhelm Koch zwei weitere Wolters-Kenner, nämlich Peter Lehna und Hanns-Bernd de Wall, geholt hatten, um gemeinsam ihren „Übernahmeplan“ zu schmieden. Bislang waren sie Angestellte gewesen, kannten aber den Biermarkt und mehr noch die Marke Wolters. „Die Stärke des Unternehmens war uns voll bewusst“, erzählt Lehna. Es konnte eigentlich nur gutgehen. Dazu erhielt die „Vierer-Bande“ volle Unterstützung der Stadt. Von 96 Arbeitsplätzen wollten die angehenden Unternehmer 70 erhalten – mehr als es die anderen Mitbewerber in Aussicht gestellt hatten. Schließlich lenkte InBev ein, wohl auch, weil es nicht so einfach gewesen wäre, sich der Industriebrache zu entledigen. „Und dann war man sicher davon ausgegangen, dass die vier Verrückten Wolters sowieso vor die Wand fahren“, meint Lehna.
Das Gegenteil ist der Fall. Obwohl der Biermarkt schrumpft, hat Wolters seinen Bierausstoß steigern können. Entgegen der eigenen Erwartung haben alle 96 Mitarbeiter ihren Job behalten, bis heute sind sogar 20 neue Stellen geschaffen worden.
Die Bodenständigkeit der Marke, das Vertrauen der Kunden und Verbraucher hätten letztendlich den Ausschlag gegeben. Die „Vierer-Bande“ ist von ihrem Produkt überzeugt. Das ist kein Lippenbekenntnis. Zusätzlich zu der Bürgschaft des Landes bürgen die Geschäftsführer mit ihrem privaten Besitz. Sie haben sich zudem verpflichtet, dem Unternehmen so lange keine Gewinne zu entziehen, bis das Bankdarlehen getilgt ist
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