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Alle Zeichen stehen auf „Ankommen“

Hausbesichtigung: Oberbürgermeister Ulrich Markurth (3. v. l.), Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer, Sozialdezernentin Andrea Hanke und die Architekten zeigten Journalisten die neue Wohnanlage. Foto: Korth
 
Treppen und Flure wurden nach draußen verlegt, das spart Kosten. Foto: Korth

Der erste von acht dezentralen Wohnstandorten ist bezugsfertig – Tag der offenen Tür.

Von Marion Korth, 15.02.2017.

Melverode. Wer die Haustür öffnet und eintritt, steht in der Küche. Oder besser vor der Küchenzeile. Ein eingebauter Schrank, ein kleines Badezimmer, im Schlafzimmer steht ein Stockbett. 21 Quadratmeter für zwei Personen, es ist das kleinste Appartement in der neuen Flüchtlingswohnanlage in der Glogaustraße. Kein Luxus, aber trotzdem schön. Keine Frage, hier stehen alle Zeichen auf Ankommen und nicht mehr nur auf Unterkommen.

Ab dem 21. Februar werden nach und nach 70 Flüchtlinge, die der Stadt zugewiesen worden sind, einziehen. Die ersten Briefe hat Oberbürgermeister Ulrich Markurth schon bekommen. „Aus gut unterrichteten Quellen“ wollen Bürger in der Nachbarschaft wissen, dass hier nur oder fast nur schwarzafrikanische alleinstehende Männer einziehen werden und sie deshalb Befürchtungen haben. „Es gibt gut unterrichtete Quellen, und die stehen hier“, sagte er beim Ortstermin am Montag. Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke weiß, wer hier wirklich einziehen wird: Alleinstehende, Paare, Familien. Sie kommen in der Mehrzahl aus Afghanistan, dem Irak, Syrien und Pakistan, hatten vorher in der Saarbrückender oder der Arminiusstraße ein Zuhause auf Zeit. Hanke: „Es wird sehr gemischt sein.“

Vier Gebäudeflügel umschließen einen sich zur Straße hin öffnenden Innenhof. Ein geschlossenes Treppenhaus gibt es nicht, stattdessen Stahltreppen unter freiem Himmel und einen außenliegenden, umlaufenden Gang. Weniger umbauter Raum, weniger Kosten. Die Planer (Architekturbüro Dose und Lohse) haben gespart, wo sie konnten und trotzdem einen ansprechenden Gebäudekomplex mit Holzverkleidung, vielen, zum Teil bodentiefen Fenstern gebaut. Ein Gemeinschaftsraum als Treffpunkt und ein Raum mit Waschmaschinen ergänzen die Anlage.

Ein schlechter Scherz, dass das Navigationsgerät im Auto die Glogaustraße 9, so die Adresse, direkt am Friedhof verortet. Eine Anwohnerin zeigt, wo die neue Wohnanlage zu finden ist. „Es ist schön geworden“, sagt sie. Ein bisschen verunsichert ist sie auch, hofft aber, dass die Menschen sich dort gut einleben und das Zusammenleben keine Probleme bringt.

Oberbürgermeister Markurth sieht die wirkliche Bewährungsprobe in den nächsten Wochen und Monaten, der Wohnstandort ist nur der erste Baustein. „Integration passiert am besten im Quartier“, sagt er und ist froh, dass es in Melverode einen Runden Tisch mit engagierten Menschen gibt, die ihre Mithilfe angeboten haben und das Thema Integration mit Zuversicht und nicht mit Angst angehen.

Ein „Heim“ mit geschlossenem Tor ist das neue Haus nicht. Es wird allerdings einen Sicherheitsdienst geben und auch einen städtischen Ansprechpartner, der sich sowohl den Fragen der Flüchtlinge als auch denen der Anwohner annehmen wird. Der Standort könnte nicht besser gelegen sein, die Straßenbahn hält fast vor der Tür, der Kinderspielplatz ist nur ein paar Meter entfernt, Grünanlage und Bolzplatz grenzen fast an und gegenüber ist die Grundschule – wichtig für Familien mit jüngeren Kindern.


Donnerstag: Tag der offenen Tür

Alle Standorte werden im Rahmen eines „Tages der offenen Tür“ den Bürgern zugänglich gemacht. Der Termin in Melverode ist am Donnerstag (16. Februar) von 16 bis 18 Uhr.


Infos

• Kosten: 2,95 Millionen Euro zuzüglich 180 000 Euro Erschließungskosten.

• 26 Wohneinheiten: 10 mit 21 Quadratmeter Fläche, 8 mit 42 (vier Personen) sowie 8 mit 63 Quadratmetern Fläche (für sechs Personen).

• zwei weitere Wohnanlagen in gleicher Größe entstehen derzeit in Bienrode (bezugsfertig voraussichtlich Anfang März) und der Gartenstadt (bezugsfertig Ende April).

• insgesamt entstehen acht dezentrale Wohnstandorte. Weil derzeit nur wenige Flüchtlinge zugewiesen werden, sind alternative Nutzungen für Ölper und Nordstadt (Studenten) sowie Hondelage und Lamme (allgemeines Wohnen) vorgesehen.
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2 Kommentare
37
Wolfgang Bauer aus Braunschweig - Innenstadt | 14.02.2017 | 22:35  
459
Klara Fall aus Braunschweig - Innenstadt | 15.02.2017 | 01:10  
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