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Ägypten im Unruhezustand

TU-Student über sein Heimatland.

Braunschweig (mj), 02.02.2011.

Die Unruhen in Ägypten halten weiter an. Millionen Menschen demonstrierten gestern gegen das Mubarak-Regime. Auch in anderen Städten wie Alexandria oder Ismailija forderten Zehntausende einen Neuanfang.

Das Auswärtige Amt hat seine Reise- und Sicherheitshinweise verschärft und rät von Reisen nach ganz Ägypten dringend ab. Die großen deutschen Reiseveranstalter würden bis Mitte Februar keine Urlauber mehr nach Ägypten bringen, Reiseverträge würden gekündigt, teilte der Deutsche Reiseverband mit. Ein ägyptischer Student erzählt, wie es seiner Familie zu Hause gerade ergeht. Rechtsanwalt Felix Rösser klärt im Interview über reiserechtliche Fragen im Zusammenhang mit Stornierungen auf.
Adil (Name von der Redaktion geändert) kommt aus Kairo. Momentan promoviert er an der TU Braunschweig, seine Familie lebt weiterhin in der ägyptischen Hauptstadt. Was denkt er über die aktuelle Situation in seiner Heimat? Der junge Mann wirkt ruhig und besonnen. Nicht wie jemand, der übertreibt. Dennoch möchte er anonym bleiben. „Mir ist zwar noch nichts passiert, aber möglich ist alles“, sagt er. Er kenne Leute, die bereits Probleme mit der Staatsmacht hatten. Und er ist keiner, der die Staatsmacht herausfordern will.
Wohl aber wünscht er sich einen Machtwechsel. Er freue sich, dass nun endlich, nach dreißig Jahren Mubarak, die Chancen auf einen Regimewechsel zum Greifen nahe sind. Warum aber gehen so viele Menschen auf die Straße? Was ist seine Erfahrung mit der Politik des Präsidenten? „In meiner Heimat gibt es überall Korruption. Von den obersten Ministerien bis runter zum Polizisten. So kann es keine Entwicklung geben.“ Außerdem gebe es zwar Wahlen – immerhin die Basis von Demokratie. „Aber die Wahlen sind nicht fair. Die Regierung lässt keine echte Opposition zu“, sagt der Doktorand. Und wenn doch, werden die Wahlergebnisse eben manipuliert.
Eine Eskalation der Lage befürchte er im Moment nicht. Zwar sei die Polizei für einige Tage einfach weggewesen, aber die Menschen des Kairoer Vorortes, in dem seine Familie lebt, würden eigene Bürgerwehren organisieren. So schütze man sich gegenseitig vor Plünderern. „Um meine Eltern mache ich mir eigentlich keine großen Sorgen.“ Auf die Demonstrationen gehen sie jedoch nicht – aus Angst vor der Willkür der Polizei, die in der Vergangenheit schon oft ohne ersichtlichen Grund Menschen festgenommen habe. Ob auch das Militär gegen die Demonstranten vorgehen wird? „Ich glaube nicht. Wir haben Vertrauen in die Armee. Die schießen nicht auf die eigenen Bürger.“
Enttäuscht sei er über das Verhalten der USA und Europas. „Sie unterstützen die Regierung und nicht den Wunsch nach Demokratie.“ Sie wollen anscheinend lieber Stabilität als Demokratie, meint er.
Und was bringt die Zukunft? „Ich hoffe, dass Mubarak die Macht aufgibt. Und der nächste Präsident endlich das Land reformiert. Wenn Mubarak bleibt, wäre das ein Albtraum.“
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