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„Achten Sie auf die Sprache“

Gastgeber und Gäste beim Neujahrsempfang der Stadt (v.l.): Professor Klaus Joachim Beckmann, Mehmet Günay (türkischer Generalkonsul), Klaus Bachmann (Landtagsvizepräsident), die niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic , Oberbürgermeister Ulrich Markurth und Frau Susanne Hiller-Markurth. Stadt Braunschweig/ Foto: Daniela Nielsen

Oberbürgermeister Ulrich Markurth fand mahnende Worte beim Neujahrempfang der Stadt.

Von Birgit Leute, 10. Januar 2015.

Braunschweig. Die Ukraine, Syrien und ganz aktuell – Paris. Natürlich konnte beim Neujahrempfang der Stadt die Weltpolitik nicht außen vor bleiben. Vor mehr als 300 geladenen Gästen warnte Oberbürgermeister Ulrich Markurth im Städtischen Museum eindringlich vor einer Eskalation und den Folgen.

Das Thema ist längst nicht mehr nur ein außenpolitisches. Wir müssen uns fragen: Wie gehen wir mit den vielen Menschen um, die durch Krieg und Terror auf der Flucht sind. Und wie gehen wir mit denen um, die mit ihren vielen Fragen auf die Straße gehen?“, wandte sich Markurth an die Gäste aus Wirtschaft, Politik, Sport, Kultur und Gesellschaft im Lichthof des Städtischen Museums.

Mehr als 300 waren zum Neujahrempfang gekommen und honorierten die leidenschaftliche Rede Markurths mit großem Applaus. „Sehen Sie hin, wem Sie da folgen“, erinnerte der Markurth in seiner erste Neujahrsrede als Braunschweiger Oberbürgermeister daran, mehr auf die Sprache zu achten. „Wenn heute wieder von Lügenpresse die Rede ist, dann sollte man sich daran erinnern, dass in den 20er und 30er Jahren eine solche Sprache dazu beitragen hat, dieses Land fast in den Untergang zu führen.“

Ganz besonders warnte er vor anonymen Internet-Foren, die es auch im Braunschweiger Raum gäbe. „Wie sich dort Menschen respektlos über andere äußern, ist einer Kulturnation nicht würdig“, sagte Markurth.

Lokale Aufgaben

Viele Aufgaben erwartet auch die lokale Politik, die der OB allerdings „mit großem Optimismus“ angeht. Allein 100 Millionen Euro seien im neuen Haushalt für die Schulen vorgesehen. Außerdem müsse für mehr Wohnraum und Gewerbegebiete gesorgt, die Regionsdebatte neu aufgenommen werden. „Alle lokalen Themen werden regionalisiert werden müssen“, unterstrich Markurth.
Gastredner Professor Klaus Jürgen Beckmann, ehemaliger Braunschweiger Stadtbaurat und aktuell Präsident der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL), sprach zum Thema „Integrative Stadtentwicklung“, die Braunschweig in den kommenden Jahren angehen will.

„Integrative Stadtentwicklung heißt, die Bevölkerung intensiv zu beteiligen und auch die Außenbezirke nicht zu vergessen. Dort registriert man so etwas“, mahnte Beckmann in seinem Vortrag. Mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung lebten inzwischen in Städten. Doch die „Lust auf Stadt“ müsse immer wieder neu geweckt werden. „Damit junge Menschen bleiben, müssen Städte attraktiv für sie sein, ihnen Wahlmöglichkeiten bieten.“

Viel Input für die Gäste. „Wir haben Ihnen heute schwere Kost zugemutet“, entschuldigte sich Ulrich Markurth am Ende lächelnd und tröstete: „Dafür gibt es heute zum ersten Mal bei einem Neujahrempfang der Stadt Braunschweiger Bier.“

Demonstration am Rande

Vor Beginn des Empfangs demonstrierte Mitglieder der Initiative Strahlenschutz demonstrierte vor dem Städtischen Musuem. Sie forderten Oberbürgermeister Ulrich Markurth auf, Braunschweig nicht zur "Atommülldrehscheibe" zu machen und eine bauliche Erweiterung der Firma Eckert & Ziegler zu stoppen.
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