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Zu trocken: Ernte macht Sorgen

Zuckerrübenernte in Wahle: Mit einem Trecker wird der Boden nach der Ernte wieder aufgelockert. Die meterlange Staubfahne zeigt, wie stark der Boden durch die Trockenheit der vergangenen Wochen ausgetrocknet ist. Foto: Thomas Ammerpohl
 
Manfred Walkemeyer ist in vierter Generation Landwirt. „Die Auflagen, die wir inzwischen durch die EU-Verordnungen erfüllen müssen, sind enorm“, sagt er. Foto: T.A.

Rund um Braunschweig hat kurz vor Erntedank die Zuckerrübenernte begonnen.

Von Birgit Leute, 02.10.2016.

Braunschweig. Rund um Braunschweig läuft die Zuckerrübenernte auf Hochtouren. Im Drei-Schicht-System fahren die Bauern über die Äcker, um die Feldfrüchte aus dem Boden zu holen.

Die Region wie überhaupt das gesamte südliche Niedersachsen ist eine der Hauptproduzenten von Zuckerrüben. Durchschnittlich werden bis zu 80 Tonnen je Jahr und Hektar erzielt, die der Hauptabnehmer Nordzucker weiterverarbeitet.
Das Problem: Durch die Trockenheit von Mitte August bis September mussten die Bauern im Landkreis Gifhorn künstlich bewässern. Dort fielen in diesem Monat zum Teil weniger als zehn Liter auf den Quadratmeter. „Die Sandböden im Norden konnten den wenigen Regen einfach nicht halten“, weiß Manfred Walkemeyer, Kreislandwirt der Stadt Braunschweig. Der Land- und Pferdewirtschaftsmeister aus Lehndorf hat noch Glück gehabt: Walkemeyer baut selbst Zuckerrüben an, dazu Getreide, Raps und Mais. Die Böden in Braunschweig seien nährreicher, die Zuckerrübenernte deshalb gut. Doch „vor der Ernte ist nach der Ernte“, sagt Walkemeyer. Ihm bereitet zurzeit der Raps Sorgen, der in dem ausgedörrten Boden nicht genug Wurzeln bilden kann.

Manfred Walkemeyer steht am Feldrand in Wahle. Ein scharfer Wind bläst über den Acker und wirbelt feinen Staub auf, doch Landwirte sind hart im Nehmen. Geerntet wird immer – bei Hitze und Regen oder – wie jetzt – bei Tag und Nacht. Seit zwei Wochen läuft die Rübenernte im Braunschweiger Land. Der Rübenroder, den Walkemeyer sich mit anderen Bauern teilt, rumpelt im Drei-Schicht-Betrieb übers Feld und türmt meterhohe Berge am Feldrand auf. Alleine könnte sich der Alt-Lehndorfer niemals eine solche High-Tech-Maschine leisten, die bis zu 450 000 Euro kostet. „Bei uns sieht es mit der Ernte ganz gut aus“, sagt Walkemeyer. Der Boden in Wahle sei zwar ziemlich trocken durch den warmen September, andere Äcker hätten durch ihre Bodenstruktur aber genug Feuchtigkeit gespeichert. „Das Problem mit diesen dichteren Böden ist nur, dass sie durch die Trockenheit sehr kompakt geworden sind und die Rüben bei der Ernte abbrechen können“, sagt Walkemeyer.

Landwirte müssen mit vielen Risiken leben. Schlägt das Wetter wie in diesem Jahr Kapriolen, kann auch schon einmal der ganze Ertrag drastisch einbrechen. Nicht alle Betriebe überleben solche Einbußen. „Wir waren früher einmal 25 Landwirte in Lehndorf, jetzt sind wir nur noch zu zweit“, sagt Walkemeyer, der als Kreislandwirt die Bauern der Stadt vertritt. Walkemeyer hat sich zum Schutz vor diesen Risiken vor Jahren extrem breit aufgestellt: Er baut außer Rüben auch sämtliche Sorten Getreide sowie Raps und Mais an. Das Stalldach hat er verpachtet, auf ihm befindet sich eine Photovoltaikanlage. Seit Anfang der 80er Jahre betreibt der Bauer mit seiner Tochter (sie in fünfter Generation) außerdem eine Pensionspferdehaltung mit topmodernen Ställen. Wenn ihm jemand vorschwärmt, wie romantisch doch das Landleben sei, lächelt er leise. „Wir leben leider nicht in Bullerbü. Ein Landwirt muss heute vor allem unternehmerisch denken, die Börsen im Blick haben und gleichzeitig immer überprüfbar bleiben, denn es wird akribisch darauf geachtet, dass wir alle EU-Richtlinien erfüllen.“ Mehr als Direktvermarkter wie Obst- oder Gemüsebauern ist Walkemeyer außerdem von seinen Abnehmern wie zum Beispiel der Nordzucker AG abhängig, an die er seine Rübe liefert.

Doch auch für seine Kollegen ist es kein leichtes Jahr: „Anbauer von Freilandgemüse brauchen starke Nerven“, meldete kürzlich der niedersächsische Landesbauernverband. Mehr noch als klassische Ackerfrüchte wie Getreide oder Mais seien Spinat, Kohl und Co. sensibel gegenüber Dauerregen und Hitze. Der Bundesverband der obst-, gemüse-und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK) geht für Freilandgemüse bundesweit deshalb von 25 Prozent Minderertrag im Vergleich zum Vorjahr aus – über alle Gemüsearten hinweg.
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