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Wo wohnen die Fledermäuse?

Drei Rauchschwalben haben sich auf dem Elektroseil einer Pferdeweide versammelt. Aus dem gesamten Stadtgebiet wurden bislang nur zwei Rauchschwalbenvorkommen gemeldet. Eine Kolonie brütet bei der Reiterstaffel der Polizei. Fotos: Stadt Braunschweig/oh
 
Die Stadt fragt: Wer hat Fledermäuse bei sich in Haus oder Garten als Untermieter?

Abteilung Umweltschutz freut sich über Meldungen zu Gebäudebrütern, hat aber noch Fragen.

Von Marion Korth, 28.08.2013

Braunschweig. Östliches Ringgebiet? Mascherode? Kanzlerfeld? Nein, Schwalben zieht es nach Rautheim, dort liegt ihr Paradies. Den Zahlen nach jedenfalls. Aus Rautheim kamen als Resonanz auf den Aufruf im Juli in der nB die meisten „Mehlschwalben-Meldungen“.

Von einer Volkszählung kann keine Rede sein, die Abteilung Umweltschutz der Stadt wollte sich allerdings einen Überblick über die sogenannten Gebäudebrüter verschaffen, über die Vorkommen der geschützten Mehl- und Rauchschwalben, Mauersegler und Fledermäuse. Rund 100 Menschen teilten mit, welche Untermieter bei ihnen wohnen. Mindestens 300 Brutpaare der Mehlschwalbe sowie 90 Mauerseglerpaare, die bevorzugt hohe Gebäude in der Innenstadt wählen, wurden aktenkundig.
Fehlanzeige allerdings bei den Fledermäusen: „Wir haben nur fünf Meldungen für Fledermausvorkommen erhalten“, sagt Uwe Kirchberger, bei der Stadt Braunschweig für den Artenschutz zuständig. Er hofft auf Nachmeldungen, denn jetzt werden die Jungfledermäuse flügge, sodass die sonst eher heimlichen Tiere in größerer Zahl zu beobachten sind. In ihrer Neugier fliegen sie gern auch einmal durch geöffnete Fenster in Häuser. In diesem Fall hilft nur: „Fenster weit öffnen und das Licht ausschalten, dann finden sie wieder hinaus.“
Der Hintergrund für die Gebäudebrüterzählung ist ernst: Die Bestände sind dramatisch eingebrochen, die Zahl der Schwalben ist sogar um mehr als 70 Prozent gesunken. Der bundesweite Trend hat auch vor Braunschweig nicht haltgemacht. Rauchschwalben scheint es so gut wie keine mehr zu geben. Nur zwei Meldungen kamen aus dem gesamten Stadtgebiet. Eine Kolonie mit 14 Nestern steht unter Polizeischutz, die Tiere brüten im Pferdestall der Reiterstaffel. Sie sind so selten, weil es kaum noch frei zugängliche Ställe in der Stadt gibt. Grund für den Rückgang sei aber auch die Gebäudesanierung, die Fugen, Ritzen, Durchschlüpfe verschwinden lässt.
Ein echtes „Highlight“ für den Artenschützer ist eine Scheune in Rautheim, wo in einer Scheune gleich 53 Mehlschwalbenpaare brüten. Auch sonst ist Rautheim gut vertreten sowie Melverode, Rüningen, Geitelde und die Schuntersiedlung. Auffällig ist, dass die Schwalben die Nähe zu Oker, Wabe oder Schunter suchen. An den Gewässern finden sie auch den Lehm, den sie zum Nestbau benötigen.
Übrigens: Nicht nur die Schwalben, auch ihre Nester sind ganzjährig geschützt, dürfen nicht entfernt oder zerstört werden. Uwe Kirchberger bietet seine Beratungshilfe an, wenn Umbauten oder Sanierungen geplant sind oder der Dreck der Vögel stört. Mittlerweile gebe es sogar Fledermauskästen, die keinerlei Kältebrücken mehr haben und somit auch einer energetischen Sanierung nicht im Wege stehen.
Auf den Internetseiten der Stadt (www.braunschweig.de) ist nun dauerhaft ein Meldebogen geschaltet, zu erreichen über die Stationen: Leben in Braunschweig, Umwelt, Natur, Artenschutz, Gebäudebrüter. Auch E-Mails an die Adresse
umweltschutz@braunschweig.de sind willkommen, Anrufe sind unter 4 70 63 48 möglich.
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