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Wer trägt Schuld am Bienensterben?

Dr. Jens Pistorius mit einer Bienenwabe. Foto: Jonas Dräger

Am Julius-Kühn-Institut in Braunschweig kümmern sich Forscher zukünftig um Bienenschutz.

Von Jonas Dräger, 17.06.2016.

Braunschweig. Sind Pflanzenschutzmittel der Grund für das Bienensterben, sind es Pestizide oder gibt es ganz andere Ursachen? Am Julius-Kühn-Institut hat am 1. April 2016 das neue Bundesinstitut für den Bienenschutz seine Forschung begonnen.

„Insgesamt geht es den Honigbienen in Deutschland gut“, beschwichtigt Dr. Jens Pistorius, Leiter des Instituts in Braunschweig, gleich zu Beginn. Als 2008 im Oberrheingraben bis zu 10 000 Bienenvölker starben, schoben sich Imker und Landwirtschaft gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Letztlich fanden die Forscher heraus, dass Staub aus Maschinen austrat, die Pestizide auf die Maissaat spritzten.

„Die Gründung eines Bundesinstituts für Bienenschutz ist ein positives Signal an die Forschungsregion Braunschweig“, sagte Dr. Georg Backhaus, Präsident des Julius-Kühn-Instituts. Zurzeit arbeiten vier Wissenschaftler und ein Ingenieur in Braunschweig. Eine weitere Forscherin ist aktuell noch am Berliner Institut tätig. „An zwei Standorten zu arbeiten, ist nicht effizient. Das Thema ist auch zu wichtig, da können wir nicht nur mit zwei bis drei Leuten dran arbeiten. Wir wollen alle nach Braunschweig holen. 25 bis 30 Personen werden dann künftig am neuen Standort sein“, so Backhaus.

Wichtig ist ihm vor allem die gute Zusammenarbeit mit Imkerverbänden und der Landwirtschaft. Positive Signale gibt es aus beiden Lagern. „Genau das brauchen wir“, sagt Backhaus, der einen Fachbeirat am Institut einrichten will. Verbände aus der Landwirtschaft, dem Naturschutz und der Imkerei sollen ihm angehören.
Pistorius, der selbst leidenschaftlicher Imker ist, hofft auf eine Versachlichung bei den Diskussionen. Wenn ein Landwirt mit Pestiziden sprüht und beim benachbarten Imker die Bienen sterben, sei die Sorge gleich groß. Schnell würden sich Vorurteile bilden. „Es wurden auch in den Medien Ängste geschürt“, sagt Pistorius.

„Wir forschen zum Bienenwohl, testen, welche Mittel gefährlich sind. Nicht alles kann man pauschal der Landwirtschaft zuschreiben“, so Pistorius. Aktuell heiß diskutiert ist das Thema Glyphosat. „Das hat keine Auswirkung auf die Bienen, ihre Brut oder die Kolonie“, lautet die Diagnose zum aktuellen Forschungsstand.
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1 Kommentar
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Harry Redner aus Wendeburg | 13.07.2016 | 15:27  
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