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Wassermangel – auch hier ein Problem

Ressource von morgen: Tagung über Nutzung von Abwasser – Braunschweiger hoffen auf Fördermittel für Modellprojekt.

Von Marion Korth, 25.12.2011.


Braunschweig. Die rauschende Toilettenspülung ist ein auslaufendes Modell. „Den Luxus der Schwemmwasserkanalisation können wir uns nicht mehr leisten“, sagt Professor Dr. Norbert Dichtl. Mehr als 100 Experten tauschten sich in Braunschweig über das Abwasser, die „Ressource von morgen“, aus.

Das internationale Symposium „Re-Water“ bot dafür die passende Plattform. Gesucht wurden Lösungen, um das Gute, das im Abwasser steckt, zu nutzen, schädliche Inhaltsstoffe aber zu entfernen. Das geht am effektivsten, wenn Grauwasser, Fäkalien und Urin gleich an ihrem Entstehungsort durch entsprechende Systeme getrennt werden. Gemeinsam wollen das Institut für Siedlungswasserwirtschaft der TU, dessen Chef Dichtl ist, der Abwasserverband, die Stadt, die Nibelungen Wohnbau sowie die Stadtentwässerung ein Modellprojekt auf den Weg bringen, um den Weg in die Praxis zu erproben. Die Beteiligten hoffen auf Fördermittel des Bundesforschungsministeriums und konnten einem Vertreter ihr Projekt bei der Tagung bereits vorstellen.
Klimawandel, Ausstieg aus der Atomenergie, zur Neige gehende Phosphorquellen, steigende Weltbevölkerung, diese Faktoren beschleunigen den „drastischen Paradigmenwechsel“, von dem Dichtl spricht. „Abwasser war früher Dreck, den man loswerden wollte, heute sehen wir darin eine Ressource.“ Abwasser lässt sich zur Energiegewinnung nutzen, die Wasseranteile zur Beregnung, der Phosphor als Pflanzendünger. Der zunehmende Wassermangel in der Wachstumszeit ist nicht nur in Südeuropa oder Afrika ein Thema. „Nordostdeutschland hat heute schon einen Wassermangel“, sagt Dichtl. Bernhard Teiser, Geschäftsführer des Abwasserverbandes, hat sogar schon Anfragen aus Lüneburg und Uelzen erhalten, wie sich Altwasser besser nutzen lässt, um das Grundwasser zu schützen. Das Kreislaufsystem in Braunschweig mit Abwasserreinigung und Verregnung sowie Klärschlammnutzung hat noch immer Vorzeigecharakter. Außer dem Wasser würden auch 95 Prozent des enthaltenen Phosphors der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt.
„Es geht um ganzheitliche Lösungen, gar nicht so sehr um Hochtechnologie“, erläuterte Christine Mesek, Geschäftsführerin der Stadtentwässerung. Auf diesem Gebiet können die Braunschweiger mit ihrer engen Verzahnung zur TU punkten. Dr. Dichtl ist fest davon überzeugt, dass an den Prognosen etwas dran ist, nach denen die Umwelttechnologie und das Know-how in Zukunft Deutschlands wichtigster Exportsektor werden. „Aus der Nische der Grundlagenforschung sind wir heraus“, sagt auch Professor Dr. Thomas Dockhorn, stellvertretender Leiter des Instituts für Siedlungswasserwirtschaft. Wenn es mit dem Kooperationsprojekt etwas wird, dann hat es sich in einigen Wohnung schon bald ausgerauscht.
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