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„Waldis“ sind nicht wasserscheu

Auch wenn’s regnet: Jeden Tag machen sich die „Waldkinder“ auf in den Querumer Forst.

Von Daniel Beutler, 15.09.2010.

Braunschweig. Morgens um 8.10 Uhr fährt der „Shuttle Service“ von der Steinbrecherstraße in den Querumer Forst ab. Bei Wind, Regen und Schnee. Den Mitfahrern ist das egal.

Durch die Fenster des knallgelben Busses blicken allmorgendlich die teils noch ziemlich müden Gesichter von 15 Kindern im Alter von drei bis fünf Jahren. Ein schwaches Winken erwidert das enthusiastische Armwedeln der Eltern, und die Fahrt geht los. Knapp eine Viertelstunde und dann, am Ziel, ist jede Müdigkeit verflogen. Die kommt erst wieder, wenn es vier Stunden später zurückgeht.
Vor 13 Jahren haben sich die ersten Kinder täglich in den Wald aufgemacht. Vor zwei Jahren kam die zweite Gruppe, die Moosmutzel, dazu. „Der Waldkindergarten ist eine attraktive Alternative für die Kinder“, meint Ulrike Sottmar, Geschäftsführerin und Gründungsmitglied des Trägervereins Till Eulenspiegel. „Gerade in Zeiten, in denen die Kinder immer weniger rauskommen. So lernen sie nicht am Computer, dass Blätter grün sind.“
Zwei Betreuer und eine Praktikantin, die bei den „Waldis“ ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, kümmern sich um zwölf Kinder. Und sorgen dafür, dass gleich drei Elternwünsche auf einmal erfüllt werden: frische Luft, Spiel und Spaß sowie eine naturbezogene Bildung.
Vom Parkplatz am Waldrand, wo meist schon die Kinder warten, die nicht mit dem Bus kommen, marschieren die kleinen Entdecker los. Unterwegs gibt es Haltepunkte an der „Mückenbrücke“ oder der Birke in der Kurve. Alles hat seine Ordnung, also wehe, der unkundige Besucher bleibt gleich an der ersten Eiche stehen.
Meist geht es zunächst Richtung Bauwagen, der etwas versteckt mitten im Wald steht und eine Art Basislager bildet. Hier gibt es Frühstück und Unterschlupf, wenn es selbst für wind- und wettergewöhnte „Waldis“ mal zu stark regnet. Aber das ist selten. Die „Waldkinder“ lernen eines ganz früh: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung. Zweimal im Jahr, wenn Jagd ist, dürfen die Waldis nicht in „ihren“ Kindergarten.
„Ich denke, den Kindern fehlt es hier an nichts“, meint Markus Sankewitz, der seit zehn Jahren die „Waldis“ betreut. „Es sieht zwar nach wenig aus, was es hier zum Spielen gibt. Aber letztlich produzieren wir die Spielideen mit den Kindern zusammen, und die machen das auch ganz allein wunderbar“, sagt er. Naturerlebnis, Experimente und Werkeln stehen als feste Punkte jeden Tag auf dem Programm. „Die Kinder lernen aus dem Erleben heraus“, erläutert Sankewitz.
Sie lernen auch, mit den Gefahren des Waldes umzugehen. Die größte Sorge der Eltern. Kleine unscheinbare Gefahren, die für Kinderaugen belanglos scheinen. Vor einem Bären könnte man weglaufen, vor Mücken und Zecken nicht. „Wir haben natürlich feste Regeln, um das Risiko zu minimieren.“, sagt der 35-Jährige. Für die Eltern überwiegt der Nutzen, den ihre Kinder aus der Erfahrung ziehen. „Es gibt einfach nichts Besseres für Kinder, als viel draußen zu sein“, bringt es Katrin Lorenz, deren Tochter seit einem Jahr zu den „Waldis“ gehört, auf den Punkt.
Egal, ob bei Regen, Wind oder Schnee.
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