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„Turmbau zu Braunschweig“

Umweltverbände sind sich nicht einig.

Von Marion Korth, 28.03.2012.


Braunschweig. In der Nacht des 29. Augusts 2011 ging der Vogel-Beobachtungsturm am Schapenbruchteich lichterloh in Flammen auf. Brandstiftung. Im geplanten Wiederaufbau steckt aber offenbar viel Zündstoff, zwischen Nabu und BUND ist darüber Streit entbrannt.

Um einen neuen Turm bauen zu können, sammelt die Braunschweiger Bezirksgruppe des Nabu (Naturschutzbund Deutschland) Spenden, dabei ist die Finanzierung, da die Versicherung für den Schaden aufkommen wird, schon zu einem guten Teil gesichert. „Wir sind irritiert“, sagt Robert Slawski vom BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland). Auch darüber, dass der Nabu in einer Kooperation mit der TU Studierende Alternativentwürfe für einen Neubau hat anfertigen lassen. Umgekehrt fühlt sich der Nabu schlecht vom BUND informiert. Gemeinsam hatten die Verbände den Bau initiiert, beide fühlen sich als Eigentümer, aber einig sind sie sich nicht.
Ortstermin im Naturschutzgebiet Riddagshausen. Acht Meter tief reichen die Betonsockel in den nassen Untergrund, die in Plastik gehüllten Punktfundamente sind alles, was nach dem Brand übriggeblieben ist. Ein paar verkohlte Holzstückchen liegen noch auf dem Waldboden, eine Steinplatte markiert als Tritt, wo einst die Treppe in den fünf Meter hohen verschalten Holzturm führte.
„Wir hatten Trägerschaft“
Die Bauzeichnungen, die Robert Slawski vom BUND mitgebracht hat, stammen aus dem Mai 1996. Als gemeinsame Initiative von Nabu und BUND, damals noch unter dem Dach des „Naturschutzzentrums Riddagshausen“ wurde der Bau in Angriff genommen. Das „Naturschutzzentrum“ hat es als wirklichen Ort eigentlich nie gegeben, zwei Biologen arbeiteten in Teilzeit für das Projekt, bis die Stadt, die sparen musste, die Mittel strich.
Was blieb, war der Turm. Ideell unterstützt und eifrig genutzt vom Nabu, der Bau abgewickelt vom BUND, die Finanzierung über Spenden von Firmen und Privatleuten gesichert, so sieht es der BUND. „Es ist nicht unser Turm, aber wir haben die Trägerschaft dafür“, betont Slawski. In der Praxis hieß das nach dem Rechten schauen, Müll wegsammeln, Holzschutz verpinseln. Und die Beiträge für die Feuerversicherung zahlen. Die habe der BUND einige Jahre nach der Errichtung des Turms abgeschlossen, nachdem in der Nähe an einer Schutzhütte gekokelt worden war. „Zum Glück“, sagt Slawski jetzt.
Einige Detailfragen seien noch zu klären, aber grundsätzlich werde die Feuerversicherung zahlen, wenn der Turm in gleicher Form und Beschaffenheit wieder aufgebaut wird, erläutert er. Wird es keinen neuen Turm geben, dann erhält der BUND eine Zeitwertentschädigung von knapp 11 200 Euro.
In einem Brief des BUND-Vorstandes sei Nabu-Vorsitzender Carlo Fuchs über den Stand der Dinge informiert worden. „Er weiß definitiv seit mehr als drei Monaten, dass die Versicherung zahlt und unter welchen Bedingungen“, sagt Slawski. Eine Reaktion auf den Brief oder eine Form der Klärung habe es nicht gegeben. Umso größer sei das Erstaunen gewesen, als in der Zeitung erst von einem Nabu-Spendenaufruf für den Wiederaufbau des Turms zu lesen war, und kurz darauf von einer Kooperation mit dem Institut für Baukonstruktion der TU Braunschweig. Die Erstsemesterstudenten sollten Entwürfe für einen neuen, besseren Turmbau vorlegen, die bis zum heutigen Mittwoch im Architektur-Pavillon der TU ausgestellt werden.
„Turm erfüllte Zweck“
„Leider wird das eine Übungsaufgabe bleiben und hat keine Aussicht auf Realisation“, sagt Slawski. Die Bedingungen der Versicherung sprechen dagegen. Aber auch so hätte der von Öffentlichkeit, Naturschutzgebiets-Rangerin Anke Kätzel und den Naturschutzverbänden immer wieder gern besuchte Turm seinen Zweck erfüllt. „Eine neue Form ist einfach nicht nötig“, sagt Slawski. Allenfalls würden Kleinigkeiten fehlen, wie etwa Halterungen für die zur Vogelbeobachtung benutzen Spektive.
Beim BUND habe die über den Jahreswechsel geführt Diskussion, ob der Turm überhaupt wieder aufgebaut werden soll oder ob die Versicherungsentschädigung für andere Naturschutzprojekte verwendet werden soll, dann doch mit einem Ja geendet. Slawski: „Wir fühlen uns den damaligen Spendern verpflichtet, deren Geld steckte im Turm, das möchten wir retten.“ Es habe bereits intensive Kontakte und Gespräche mit dem Bauamt sowie den städtischen Abteilungen für Stadtgrün und Umwelt gegeben. Die zukünftige Betreuung des Turms sei in enger Abstimmung mit der Stadt geplant, sagt Slawski. Für den 18. April sind städtische und politische Vertreter zu einem Ortstermin am Schapenbruchteich eingeladen. Vorher soll es auch noch ein Gespräch mit dem Nabu geben. Die Zeichen stehen gut, dass es den beliebten Turm bald wieder geben wird. Stimmen die politischen Gremien zu, dann möchte der BUND am liebsten im Herbst mit dem Wiederaufbau beginnen.
Und der Nabu? Der fühlt sich mit System vom BUND ausgebootet.

„Neuer und besserer Turm“

Carlo Fuchs, Nabu-Vorsitzender in Braunschweig, ist verärgert, sieht sich in den gemachten Erfahrungen mit dem BUND, die in die Entstehungsgeschichte des Turms zurückreichen, bestätigt: An der damaligen Vorgehensweise, den Nabu möglichst außen vor zu lassen und in der Außendarstellung an den Rand drängen zu wollen, um sich selbst im Naturschutzgebiet Riddagshausen profilieren zu wollen, habe sich nichts geändert.
Seine erste schriftliche Anfrage an den BUND, ob der Turm versichert ist und wenn ja in welcher Höhe, habe er bereits am 31. August 2011, ein paar Tage nach dem Brand, an den BUND-Geschäftsführer Gelu Ispas geschickt. „Nach dreimaliger Nachfrage und zwei Monaten hatte ich noch immer keine klare Antwort“, sagt Fuchs der nB. „Das Maß ist irgendwann voll, wenn einer alle Informationen verweigert, dann geht es eben nicht.“ Zudem sei der BUND zunächst wohl gar nicht an einem Neubau interessiert gewesen, hätte es sich dann aber anders überlegt. Das gehe aus einem Brief vom 9. Dezember 2011 an den Nabu-Vorstand hervor. Das Angebot darin, der Nabu könne sich, wenn er „Anregungen“ für den Neubau hätte, an den BUND wenden, wertet Fuchs als „unverschämte Dreistigkeit“. Trotz Bauchschmerzen wäre der Nabu aber zu einer erneuten Kooperation mit dem BUND bereit, wenn der an einer ernsthaften Zusammenarbeit interessiert sei und die Versicherungssumme in den Turmneubau investieren will.
Die Spenden, die der Nabu sammelt, würden in jedem Fall gebraucht. Die Versicherungssumme reiche wegen der zwischenzeitlichen Preissteigerungen nicht. Aber die Konstruktion hätte auch Mängel gehabt. Fuchs: „Wir wollen einen neuen und besseren Turm.“ Immer wenn jemand die Treppe hochgestiegen ist, hätte der ganze Turm geschwankt, was die Vogelbeobachtung mit Fernglas oder Spektiv gestört habe. Es mache keinen Sinn, den Turm in seiner bisherigen Form, wie der BUND es will, neu zu errichten, meint Fuchs.
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