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Taubenrettung durch Fütterungsverbot?

Eine verwilderte Haustaube gesund und munter

Eine lange und bisher erfolglose Geschichte in Braunschweig über das streng verbotene Füttern von verwilderten Haustauben.

Von Herbert Nagel

Die Vorgeschichte

Bereits 1988 wies ich während meiner Dienstzeit die Stadtverwaltung auf mögliche Folgen dieses Verbotes hin. Ein spontaner Futterentzug könnte für viele der abhängigen Tauben den Tod und für die Verantwortlichen ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellen. Mein Vorschlag war ein grundsätzliches Fütterungsverbot mit Ausnahmen.
Der Ruf, nach dem 1989 vom Markt genommenen fruchtbarkeitshemmenden Medikament, der sogenannten „Taubenpille“, wurde stets lauter. Hinzu kam fast gleichzeitig die Verordnung der Stadtverwaltung, Tauben nicht mehr zu füttern. Das Elend schien perfekt. Doch schnell regte sich die Hoffnung, als die Kunde von der Entwicklung eines neuen Medikaments die Taubenfreunde erreichte. Im Herbst 1998 wieder eine herbe Enttäuschung: Das Bundesgesundheitsministerium in Berlin hatte die Genehmigung, die zur Herstellung dieser neuartigen „Pille“ unerlässlich ist, nicht erteilt.
Die vom damaligen „Tierschutz- und Umweltschutz Freundeskreis Braunschweig e.V.“ vor über 20 Jahren aufgestellten Taubentürme am Schlossgarten und im Theaterpark sollten eine Wende herbeiführen. Bis zu ihrem Abriss hat sich allerdings in den insgesamt 192 Nistnischen nicht eine Taube blicken lassen. Schon in meinem „Konzept zur Verminderung der verwilderten Stadttauben in Braunschweig für das Jahr 1990“ habe ich auf die Erfolglosigkeit dieser Maßnahme hingewiesen.
Nach vielen herben Einsätzen gegen die Fütterer seitens des „Ordnungsamtes“, sank die Zahl derer immer weiter. Schließlich schrumpfte die Gruppe aus Angst vor weiteren Repressalien und biologischen Gründen auf fast null. Die Tauben standen vor dem Nichts. Geschwächt, aber zuversichtlich in Lebensmittelgeschäften, vornehmlich Bäckereien, doch noch einige Happen zu erhaschen, vertauschten nun die für viele Braunschweiger Bürger verhassten Vögel ihre Sitzplätze auf den Dächern mit der Straße. Für viele bedeutete das unweigerlich den Unfalltod.

Wie geht es weiter?

Das Forum der Philosophen war groß und reichte vom einfachen Leserbrief bis hin zur Fernsehsendung. Ein brauchbarer Vorschlag ist aber bis heute nicht zu erkennen.
Interessant schien die Lösung des Problems in der Kasernierung eingefangener Tiere zu sein. Ähnlich auch das Errichten von Taubenschlägen im Stadtgebiet, wie von Frau Gries vorgeschlagen. Wenn man bedenkt, die etwa einige hundert Tauben starke Population in 4-6 Schlägen unterzubringen zu können, kann man diesem Vorschlag nur zustimmen. Das regelmäßige Absammeln der Eier ließe sicherlich die Population sinken. Aber welcher Hausbesitzer – auch die Stadt Braunschweig – wäre bereit, unter seinem Dach einen Taubenschlag zu dulden? Auch ein damaliger Aufruf in der Presse, in der Hoffnung auf einen Tierfreund mit „Taubenschlagambitionen“ zu finden, blieb erfolglos. Abgesehen von den Bau- und Personalkosten, der Futter- und Trinkwasserbeschaffung und Reinigung der Unterkünfte, muss die Frage gestattet sein, was wohl mit den nun verwaisten Schlupfwinkeln passieren würde? Nach dem Nachrücken der Tiere aus der Peripherie hätte man den Bestand ungewollt genau um die Anzahl der kasernierten Tauben erhöht. Ich hoffe, ich täusche mich.
Vielleicht werden sich die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung zu einer Ausnahme des Verbotes nach § 10 der „Verordnung zur Sicherheit und Ordnung“ hinreißen lassen oder ein Anwalt findet tatsächlich ein Schlupfloch im Tierschutzgesetz.
Ein Fütterungsverbot nach § 7 der Verordnung gilt übrigens nur für „wild lebende Tauben“, darunter fallen aber auch Ringel- und Türkentauben. Ausgenommen sind Brieftauben, die sich ebenfalls in den Schwärmen aufhalten. Möglich, dass sich hier Ansätze für einen Juristen finden lassen.
Bis dahin Augen auf, denn die Häscher der Stadtverwaltung sind überall.
Ach, beinahe hätte ich es vergessen, vielleicht meldet sich ein Bürger unserer schönen Stadt, der an den vermeintlichen Krankheitserregern, die allzu gern als Erklärung vorgeschoben werden, erkrankte.
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7 Kommentare
283
Beate Gries aus Lehndorf-Watenbüttel | 29.01.2017 | 18:14  
10
Steffi Sembera aus Braunschweig - Innenstadt | 29.01.2017 | 18:45  
9
inge prestele aus Braunschweig - Innenstadt | 29.01.2017 | 19:23  
20
Verena Niemann aus Braunschweig - Innenstadt | 29.01.2017 | 19:53  
9
Heike Dahlke aus Wolfenbüttel Stadt | 30.01.2017 | 10:18  
25
Randall Skeffington aus Braunschweig - Innenstadt | 30.01.2017 | 18:52  
23
Anja Hallermann aus Braunschweig - Innenstadt | 01.02.2017 | 14:50  
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