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Spanien von oben – wilde Stiere inklusive

Sattes Grün und Landschaft so weit das Auge reicht: Asturien zeigt ein anderes Gesicht von Spanien. Die nördliche Provinz am Atlantik garantiert zwar nicht 365-Tage-Sonnenschein, aber Berge und Meer bilden eine einzigartige Landschaft. Fotos: Birgit Leute
 
Geschafft: Nach vielen Höhenmetern und der Begegnung mit einem schlecht gelaunten Stier, ist Rast auf dem Pico de Monfrechu angesagt.

Die autonome Provinz Asturien an der Biskaya ist ein Wander- und Surferparadies und bei deutschen Touristen so gut wie unbekannt.

Von Birgit Leute, 05.08.2016.

Playa de Vega/Asturien. Adrián hebt beruhigend die Hände. „Keine Angst – das Wetter wird besser. Spätestens am Wochenende kommt die Sonne“.

Drei Tage Dauerregen liegen hinter uns, als der junge Spanier das sagt. Berge und Meer versinken hinter dichten grauen Wolken. Außer uns gibt es nur noch wenige Touristen – darunter eine Handvoll Jakobspilger, die eisern und tropfnass ihren Weg nach Santiago de Compostela suchen.

Kein Massentourismus

Selbst für Nordspanien ist dieser Frühsommer außergewöhnlich schlecht; dabei garantiert die Region ohnehin nicht 365 Tage „Sonne satt“. Warum uns Asturien und das Baskenland trotzdem reizten? Weil hier auch dann noch sattes, dichtes Grün herrscht, wenn andere Regionen auf der iberischen Halbinsel langsam beginnen auszutrocknen.
An der Biskaya wechseln sich Sonne und Wolken schnell ab und es herrschen selbst im Hochsommer gemäßigte Temperaturen – zu kühl für die Fans von Ballermann & Co und deshalb – zum Glück – noch immer kein lohnendes Ziel für den Massentourismus.
Doch, Deutsche kämen auch hierher, bestätigt Adrián, „aber vor allem sind es viele Spanier, die vor der Hitze im Inland fliehen.“ Seit fast 30 Jahren betreibt seine Familie einen Campingplatz in dem kleinen Ferienort Playa de Vega, wo wir zehn Tage lang Station machen. Als Unterkunft ein uriges finnisches Blockhaus.
Jetzt zur Vorsaison sind wir praktisch allein; Vater, Mutter und Sohn Cuenta umsorgen uns deshalb mit einer herzlichen Gastfreundschaft, die in den touristischen Hot Spots im Süden manchmal hinten runterfällt. Vor allem geben sie vielen Tipps, wie sich Asturien und seine zauberhafte Berg- und Küstenwelt am besten entdecken lassen.

Geschützte Natur

Die autonome Provinz Asturien ist beides: ein Wander- und Wasserparadies. Fast ein Drittel ist heute ein Nationalpark und Biosphärenreservat. In den Buchten und dem manchmal rauen Atlantik kommen vor allem Surfer auf ihre Kosten. Uns haben es die Berge, die kantabrischen Kordilleren, angetan, von denen einige Gipfel bis zu 2500 Meter hoch sind.
Kaum, dass sich die Regenfront verzogen hat, brechen wir deshalb auf zum Pico de Monfrechu, von dem unser Wanderführer in höchsten Tönen schwärmt: „Gerade an klaren Tagen haben Sie von hieraus einen ganz besonders schönen Blick auf die Kordilleren, und das Meer“, lockt er.
Klingt vielversprechend. Was er allerdings verschweigt: Die Anfahrt kostet den letzten Nerv, denn die engen Straßen winden sich in haarsträubenden Serpentinen hinauf zum Ausgangpunkt. Zum Ausweichen bleibt keine Handbreit Platz. Zum Glück sind wir allein, und als wir schließlich mit Rucksack und Wanderschuhen aufbrechen, herrscht um uns herum eine Ruhe, die nur vom Pfeifen der Geier und dem Gebimmel der Kuhglocken unterbrochen wird.
Auf den Almen in den Kordilleren grasen das ganze Jahr über asturische Bergrinder, die als besonders widerstandsfähig und trittsicher gelten und einen Käse zum Niederknien liefern. Zusammen mit Pferden und Schafen dürfen sie das ganze Jahr über frei und ohne Zäune umherziehen. Ein echtes Paradies – wenn, ja wenn zwischen den sanften Kühen und süßen Kälbchen nicht auch Stiere grasen würden. Kurz vor dem Gipfel stehen wir einem besonders massigen Exemplar gegenüber. Eine halbe Tonne Lebendgewicht – richtig schlecht gelaunt. Keine Ahnung, ob ihm ein Konkurrent oder mein knallroter Rucksack den Tag verdorben haben, jedenfalls steht das Kraftpaket mitten auf dem Weg und brüllt, was das Zeug hält. Jetzt bloß keine falschen Schritt tun! Wie die Hasen schlagen wir uns in die Büsche und kraxeln die letzten Meter auf Händen und Füßen quer durch stechende Sträucher und schlammige Rinnsale zum Gipfel hoch.
Die Aussicht entschädigt dann für alles – das Meer tief unten schimmert türkis blau und hinter uns glitzern die schneebedeckten Kordilleren. Asturien ist schön – von mir aus auch mit Stieren.
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