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Sauber, lecker und bald teuer?

Wasser aus der Leitung ist unbedenklich zu genießen. (Foto: Forum Trinkwasser e.V.)

Studie des Umwelt Bundesamtes warnt vor zu viel Dünger im Grundwasser.

Von Andreas Konrad, 13.06.2017.

Braunschweig. Trinkwasser könnte in etlichen Regionen Deutschlands bald spürbar teurer werden. Wie das Umwelt Bundesamt (UBA) jetzt mitteilte, sei die hohe Belastung des Grundwassers mit Nitrat und eine damit verbundene teurere Aufbereitung Schuld daran. Das UBA geht nach einer Studie davon aus, dass sich der Preis pro Kubikmeter von 55 auf 76 Cent erhöhen könnte – das entspräche einer Mehrbelastung für eine vierköpfige Familie in Höhe von etwa 134 Euro im Jahr.
Gerade in Gebieten mit landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen ist das Grundwasser häufig durch zu viel Stickstoff belastet, verursacht durch auf die Felder aufgebrachte Gülle und Mist aus der intensiven Tierhaltung oder Mineraldünger, wie er im Obst- und Gemüseanbau häufig zum Einsatz kommt. Das führt dazu, dass das Wasser zusätzlich gereinigt werden muss, und das kostet.

Viele Wasserversorger versuchen bereits heute, das Wasser mit unterschiedlichen Maßnahmen zu schützen, indem sie die darüber liegenden Flächen selbst pachten, Brunnen verlagern oder belastetes mit unbelastetem Wasser mischen. Auch diese Kosten flößen bereits heute in den Trinkwasserpreis mit ein, so das UBA. In Braunschweig sieht die Situation wesentlich entspannter aus. BS Energy und der Wasserverband Weddel-Lehre (WWL) teilen sich hier die Versorgung – und beide geben Entwarnung.

Der WWL, der den östlichen Stadtrand mit den Ortsteilen Bevenrode, Waggum, Hondelage, Dibbesdorf, Volkmarode und Schapen sowie Rautheim Stöckheim und Mascherode versorgt, beschäftigt sich sehr intensiv mit dem Thema. „Es gibt keinerlei Grund zur Sorge. Der WWL liefert vorwiegend Oberflächenwasser aus dem Harz an die regionalen Haushalte“, teilt der Verband mit. Das Oberflächenwasser aus der Natur sei unbelastet. Zudem sei das weiche Wasser bei den Trinkwasser-Kunden besonders beliebt, weil es Haushaltsgeräte weniger strapaziert als hartes, heißt es weiter.

Dennoch setzen sich auch die Fachleute des WWL intensiv mit der Grundwasser-Thematik auseinander. Viktoria Wagner, Geschäftsführerin des WWL: „Wir Wasserversorger sind uns der Bedeutung der Reinhaltung des Trinkwassers sehr bewusst und uns darin einig, dass wir gemeinsam alles dafür tun müssen, unser Grundwasser zu schützen und somit auch die Kosten für eine gesunde Trinkwasserversorgung im Interesse aller Kunden überschaubar zu halten.“

Auch BS Energy, das das restliche Stadtgebiet mit Trinkwasser versorgt, bestätigt die intensive Nutzung des Harz-Wassers: „Nitrat im Grundwasser beeinflusst die Trinkwasserqualität in Braunschweig nicht, da das Trinkwasser zu weit mehr als 90 Prozent aus dem Harz kommt. Wasser, welches zusätzlich im Wasserwerk Bienroder Weg gefördert wird, stammt ausschließlich aus Wasserschutzgebieten. Die Nitratkonzentration des Braunschweiger Trinkwassers liegt bei 5 mg/l, also deutlich unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert von 50 mg/l. Eine Preiserhöhung aufgrund erhöhter Nitratwerte im Grundwasser steht deshalb in den von BS Energy versorgten Gebieten nicht zu befürchten.“

Der Wasserreichtum des Harzes scheint also für die Region ein echter Glücksfall zu sein und hebt sie damit deutlich von anderen Gebieten ab. Die UBA-Studie hat dies mit Daten von und in Kooperation mit drei großen Wasserversorgern untersucht: OOWV (Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband), Rheinenergie und RWW (Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft). Ergebnis: In einigen Gebieten könnte bald der Fall eintreten, dass das Wasser zusätzlich gereinigt werden muss. Dazu gibt es unterschiedliche Verfahren: Elektrodialyse, Umkehrosmose, biologische Denitrifikation oder das CARIX-Verfahren. Welches Verfahren zur Anwendung kommen kann, wird durch lokale Faktoren wie der Wasserhärte oder der notwendigen Vor- oder Nachbehandlung des Wassers bestimmt.
Deutliche Kritik an der Politik äußert derweil Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser: „Die Studie des Umweltbundesamts zeigt, wie dringend wir wirksame Maßnahmen gegen die Überdüngung brauchen. Ohne eine deutliche Reduzierung der Nitrateinträge in die Umwelt droht uns eine Kostenlawine. Was bislang von der Bundesregierung in punkto Düngerecht auf den Weg gebracht wurde, reicht nicht aus, um die drohende Kostenbelastung für die Verbraucher zu verhindern.“
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