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Riesenseerose hat Besuchsverbot

Die Riesenseerose Victoria blüht unter Ausschluss der Öffentlichkeit, das Gewächshaus ist baufällig, das Wasserbecken undicht. „106 000 Euro fehlen uns noch für einen Neubau“, sagt der Leiter des Botanischen Gartens der TU, Michael Kraft. Foto: Agentur T.A.
 
Die weiße Blüte im Hintergrund war in der Nacht zu Dienstag geöffnet, die rosafarbene in der Nacht davor. Diesmal durfte niemand das Schauspiel beobachten. Foto: Agentur T.A.

Gewächshaus im Botanischen Garten der TU ist baufällig: Victoria blüht hinter verschlossener Tür.

Von Marion Korth, 26.08.2015.

Braunschweig. In dieser Woche wäre sie gewesen – die Nacht der Nächte, in der die Menschen in den Botanischen Garten der TU kommen, um der Riesenseerose Victoria beim Blühen zuzusehen.

In der letzten Augustwoche war sie meistens soweit, sofern die Tage zuvor sonnig genug gewesen sind. Stattdessen bleibt das Gewächshaus geschlossen. Die Bauverwaltung hat wegen Baufälligkeit ein Betretungsverbot ausgesprochen. „Schade, wir hatten uns alle schon sehr auf die Öffnung gefreut.“ Der Leiter des Botanischen Gartens, Michael Kraft, sieht den Besucheransturm – die Menschen stehen in den Blütennächten quer durch den Garten bis zur Straße – auch als Bestätigung und Lohn für die Mühe, die die Mitarbeiter sich mit der Anzucht der Tropenblume machen.

Seit 1958, so lange steht das Gewächshaus mit seinem Wasserbecken schon, wird jedes Jahr aufs Neue eine Riesenseerose aus Samen gezogen. So war es auch jetzt wieder, nur dass die Seerose aus dem Amazonasgebiet dieses Mal unter Ausschluss der Öffentlichkeit blühen wird. Schlimmstenfalls könnte einem Besucher eine Glasscheibe aus dem Dachbereich auf den Kopf fallen, aber auch energetisch ist das Gewächshaus nicht mehr haltbar. Michael Kraft hofft auf einen Neubau, vielleicht schon im nächsten Jahr.

Die Riesenseerose Victoria cruziana hat in Braunschweig viele Freunde. Rund 530 000 Euro soll ihr neues Gewächshaus kosten. 220 000 Euro will die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz dazugeben, 60 000 Euro der Hochschulbund, die gleiche Summe steuert der Förderverein des Gartens bei, dazu kommen 84 000 Euro an privaten Spenden. „Erst in der vergangenen Woche haben wir eine Einzelspende über 10 000 Euro erhalten“, freut sich Michael Kraft. Nun hofft er darauf, dass die noch fehlenden 106 000 Euro auch irgendwie zusammenkommen. Die TU selbst kann nichts aus eigenen Baumitteln aufbringen, zu groß ist der Sanierungsstau bei den Lehrgebäuden.

Dass das Gewächshaus wegen Baufälligkeit nun für Besucher verschlossen bleiben muss, damit habe niemand gerechnet. Alles ging seinen Gang wie immer: Im Februar, wenn draußen noch Schnee liegt, kommen die Samen in kleine Tontöpfe und dann ins geheizte Aquarium, wo sie bei 28 Grad konstanter Temperatur zu keimen beginnen. Das schönste und größte Prachtexemplar darf im Becken weiter wachsen, die kleineren Geschwister kommen in andere botanische Gärten.

Entdeckt wurde die Riesenseerose, deren einzelne Blätter eine Tragkraft von je bis zu 35 Kilo haben, 1801. Seit 1958, so lange wie das Gewächshaus steht, wird sie in Braunschweig kultiviert und präsentiert. „In der ersten Nacht blüht die Seerose weiß, in der zweiten Nacht rosa“, sagt Kraft. Danach schließt sich die Blüte und bildet Samen aus. Diese seien bis zu zehn Jahren keimfähig, dennoch legt der Leiter des Botanischen Gartens der TU Wert darauf, dass auch in diesem Jahr echte „Braunschweiger Seerosensamen“ aus dem Schlamm am Beckengrund gefischt werden.
Im Herbst landet die Riesenpflanze auf dem Kompost und macht Platz für empfindliche Kübelpflanzen wie Eukalyptus und Zitrusgewächse, die unter Glas überwintern.

Die Einfachverglasung des Gewächshauses ist energetisch und aus Sicherheitsgründen problematisch. „Über Kopf darf heute nur noch Sicherheitsglas verbaut werden“, sagt Kraft. Außerdem verliert das Betonbecken durch Risse Wasser. Zu retten ist nichts mehr. Ein neues Zuhause brauchen nun nicht nur die Seerose, sondern auch Lotus, Baumwolle, Zuckerrohr, Wachskürbis und Balsambirne …

Wer den Neubau unterstützen möchte, wende sich bitte an Michael Kraft, Telefon 3 91 58 88.
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