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Probe: Keine Ehec-Erreger im Beregnungswasser

Kläranlage ist Tummelbecken für Krankheitskeime und für die „besten Mitarbeiter“.

Von Marion Korth, 26.06.2011

Watenbüttel. „High noon“ in der Kläranlage. Kurz nach 12 kommt die morgendliche Toilettenspül-, Dusch- und Zahnputzwelle nach Stunden auf Gut Steinhof an. Ein Tummelbecken für Keime. In Ehec-Zeiten eine eher beunruhigende Vorstellung. Aber es gibt Entwarnung.

Schriftlich hat Bernhard Teiser, Geschäftsführer des Abwasserverbandes Braunschweig, das genaue Analyseergebnis zwar noch nicht, aber telefonisch kam eine beruhigende Nachricht: „In unserem Beregnungswasser ist kein Ehec“, sagt er. Nachdem in Hessen Ehec-Keime in einem Bach gefunden worden sind, die aus einer nahen Kläranlage stammen könnten, wollte man Sicherheit haben, sagt Abwasserverbandsvorsteher Wolfgang Sehrt.
Das Analyseergebnis kann trotzdem nur eine Momentaufnahme sein, im Schnitt spült die Kanalisation jeden Tag 50 000 Kubikmeter Schmutzwasser an, das nach der Reinigung auf den Feldern verregnet wird.
Das Abwasser bleibt einen Tag in der Kläranlage, durchläuft die Becken, bis sich Sand abgesetzt hat, bis sich nützliche Bakterien die organische Masse einverleibt haben. „Die Bakterien sind unsere besten Mitarbeiter“, sagt Christine Mesek, Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Braunschweig. „Die fühlen sich bei uns pudelwohl“, sagt Betriebsleiter Christoph Siemers. Sie vermehren sich so rasant, dass täglich tonnenweise Mikroorganismen „abgefischt“ werden, um das System am Laufen zu halten.
Das funktioniert nach einem genialen Prinzip. „Alles der Natur abgekupfert“, sagt Siemers. In der Oker kommen grundsätzlich die gleichen Bakterien vor. In den Klärbecken finden sie optimale Bedingungen vor, werden mit Sauerstoff versorgt, um besonders wirkungsvoll arbeiten zu können. „99 Prozent der Keime überleben das nicht“, sagt Siemers. Aber ein Prozent, das sind immer noch Millionen.
In Deutschland werde das geklärte Wasser nicht genutzt, um Salat oder anderes Gemüse, das roh verzehrt wird, zu beregnen. Dies ist nicht neu, sondern seit 50 Jahren so. Auf den Beregnungsfeldern werden Mais für Biogasanlagen, Getreide, Zuckerrüben oder Stärkekartoffeln angebaut. Alles Erzeugnisse, die weiterverarbeitet werden. „Es sind keine Krankheitsfälle bekannt“, betont Teiser.
Wer in der Kläranlage arbeitet, hat generell ein größeres Risiko zu erkranken. „Aber es scheint so, als würden Resistenzen aufgebaut“, sagt Teiser. Als ein Rechen ausgebaut werden musste, bekamen die Mitarbeiter einer Fremdfirma anschließend Durchfall, nicht aber die Klärwerksangestellten, die öfter mit dem Schmutzwasser zu tun haben.
Jeden Tag wird das Wasser untersucht, aber nicht auf Krankheitskeime, sondern auf chemische Inhaltsstoffe. Industriebetriebe behandeln ihr Abwasser vor, erst dann darf es in die Kanalisation. Das Ergebnis ist eine saubere Sache: Seit den 1980er Jahren sind viel weniger Phosphate und Schwermetalle wie Cadmium im Wasser. In der Folge ist auch der Klärschlamm weniger belastet, als der Gesetzgeber erlaubt.
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