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… nur krabbeln können sie nicht

Der Kamerunbockkäfer sieht aus wie echt.
 
Glasameisen auf Plastik-Pausenbrot. Fotos (3): T.A.

„Käfer aus Glas – Grazile Kunstwerke“: Vorweihnachtliche Sonderschau im Naturhistorischen Museum Braunschweig.

Von Marion Korth, 6. Dezember 2014.

Braunschweig. Lauter Krabbeltiere hinter Glas – und etliche der Insekten sogar aus Glas. In einer kleinen Sonderschau stellt das Naturhistorische Museum echte Käfer aus seinen Sammlungen den originalgetreuen Nachbildern des Glasbläsers Falk Bauer gegenüber. Was aber Original und was Kopie ist, das ist oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen.

„Es ist der Glanz, der die Glaskäfer verrät“, gibt Helfried Wölkerling, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums und Kurator der Ausstellung, den entscheidenden Tipp. Die Stadt Lauscha in Thüringen ist bekannt für ihre Glaskunst, für Christbaumschmuck, Rosenkugeln, ja selbst für die Glasaugen der Tierpräparate im Museum und nun auch für Käfer. Eine Kollegin Wölkerlings hatte die Idee zu der Ausstellung, dabei wusste sie nicht, dass der Entomologe selbst zu den Sammlern der Glaskäfer gehört und die Exponate praktisch aus erster Hand liefern kann. Dürre Beinchen, lange Fühler, schillernde Flügeldecken – bis ins kleinste Detail bildet der Glasbläser die Tiere nach. „Ich selbst sammle sie seit 14 Jahren, der Falk Bauer hat sich mehr und mehr bemüht, sie natürlich zu gestalten“, sagt Wölkerling voller Anerkennung. Selbst Abweichungen in Färbung oder Größe seien in diesem Fall keine künstlerische Freiheit, sondern spiegeln allein die Bandbreite der Vielfalt im Insektenreich wider.
Eine bedrohte Vielfalt, da ergeht es den Käfern – 8000 Arten sind es allein in Mitteleuropa – nicht anders als den anderen Insekten wie Hummeln oder Schmetterlingen. Drei bis vier Jahre können vergehen, bis die Entwicklung vom Ei zum Käfer abgeschlossen ist. Es gibt viele Gründe für den Rückgang. In Wäldern, in denen kein Totholz liegenbleibt, hätten es die Larven, die sich genau davon ernähren schwer. Insektenvernichtungsmitteln tun ein Übriges. Ausgerechnet der Braunschweiger Blattkäfer Chrysolina brunsvicensis, 1807 erstmals von dem gebürtigen Braunschweiger Christian Carl Gravenhorst beschrieben, gehört zu einer bedrohten Spezies und wird auf der Roten Liste Deutschlands als „gefährdet“ geführt. Auch von ihm wird ein echtes Präparat gezeigt.
Bis in die 1950er-Jahre hinein wurden systematisch Käfer in der Natur gesammelt. Danach wird das Insektenarchiv immer lückenhafter. „Schade“, sagt Wölkerling. „Jede Sammlung steht für eine bestimmte Zeitspanne.“ An jeder lassen sich Veränderungen ablesen, Arten, die verschwinden, oder Neuankömmlinge, die plötzlich auftauchen, wie der asiatische Marienkäfer.
Die Käferbestimmung ist ein schwieriges Geschäft. „Eine Art Detektivarbeit“, sagt Wölkerling. Da entscheide manchmal eine Borste am vorderen Halsschild, um welche Art es sich handelt. Der Entomologe arbeitet zwar zunächst im stillen Kämmerlein, aber dort bleiben die gewonnen Erkenntnisse nicht, sondern werden in Datenbanken erfasst, der Welt zugänglich gemacht. Glasbläser Falk Bauer muss aber ohnehin keine Sorge haben, dass ihm die Vorlagen ausgehen, nicht einmal dann, wenn er sich nur auf die größten und schönsten Käfer beschränkt …
Öffnungszeiten
• Dienstag bis Sonntag 9 bis 17 Uhr, Mittwoch 9 bis Uhr, Montag sowie Heiligabend, am ersten Weihnachtstag, Silvester und Neujahr ist das Museum geschlossen. Die Sonderschau ist bis zum 11. Januar 2015 zu sehen.
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