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Naturstrom gefragt wie nie

Privat steigen viele aus der Atomenergie aus.

Von Marion Korth, 20.03.11

Braunschweig. Die Reaktorkatastrophe in Japan macht das Maß voll. Viele Menschen vollziehen privat ihren Ausstieg aus der Atomenergie, Naturstrom ist gefragt wie nie.

Im Kundenzentrum von BS-Energy bekommen das die Mitarbeiter deutlich zu spüren. Die Bilder der zerstörten Reaktoren in Fukushima lassen umdenken. Seit Tagen steigt das Interesse an dem Naturstromangebot des regionalen Versorgers. „Wir hatten sonst zehn Anfragen am Tag, seit Anfang der Woche sind es 20 bis 30“, sagt Pressesprecherin Annette Schütz.
Das Hamburger Unternehmen Lichtblick, das ausschließlich Naturstrom liefert und in diesem Bereich Marktführer ist, erlebt einen regelrechten Boom: „Seit Montag haben wir eine knappe Verdreifachung, jeden Tag wechseln 800 Kunden zu uns“, sagt Sprecherin Katinka Königstein.
Die sieben ältesten Atomkraftwerke in Deutschland sind seit Freitag zunächst für drei Monate abgeschaltet.

Während die Bundesregierung die nächsten drei Monate nutzen will, um die Sicherheit deutscher Atommeiler neu zu bewerten, nehmen privat viele Stromkunden ihren Ausstieg aus der Atomkraft vorweg.
„Nach unserer Beobachtung sind das größtenteils Verbraucher, die schon länger mit dem Gedanken spielen“, sagt Lichtblick-Pressesprecherin Katinka Königstein. Die Nachrichten aus Japan, wo der Wettlauf gegen den Atom-Super-Gau immer dramatischere Formen annimmt, hat jetzt aktuell den Anstoß gegeben, den Wechsel zu Naturstromanbietern nicht länger aufzuschieben. Bislang gibt es genügend Ökostrom aus erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Wasserkraft und Biomasse), um die neuen Kunden zu beliefern. Und was wäre, wenn alle deutschen Haushalte ihr Misstrauen der Atomenergie gegenüber mit einem Umstieg auf Naturstrom Ausdruck verleihen wollten? „Kein Automobilhersteller wird gefragt, ob er alle Deutschen kurzfristig mit einem bestimmten Automodell beliefern kann“, entgegnet die Pressesprecherin. „Wir sind uns im Klaren, dass das ein Prozess ist“, sagt sie.
Eine genau bedarfsgerechte Energieerzeugung ohne Überkapazitäten ist das Ziel. In Husum stellt das Unternehmen bei der „New Energy“ gerade seine „Zuhausekraftwerke“ vor, die Technologie dafür entwickelte Volkswagen. Die Minikraftwerke werden zwar mit Erdgas betrieben, haben aber einen sehr hohen Wirkungsgrad. Sie sollen das Energiemanagement der Zukunft möglich machen: Innerhalb kürzester Zeit können sie Stromengpässe – beispielsweise wenn gerade Flaute ist, und sich kein Windkraftrad dreht – ausgleichen.
BS-Energy hat mit seiner aktuellen Werbekampagne für den Naturstromtarif, in der Innenstadt waren unter anderem Tütchen mit Sonnenblumensamen verteilt worden, offene Türen eingelaufen. „Die Zeitschrift Euro hat unseren Ökostrom gerade als günstigsten Anbieter ausgezeichnet“, sagt Pressesprecherin Annette Schütz. Das Wirtschaftsmagazin hatte Ökoangebote, die den strengen Anforderungen des Stromlabels „Gold“ genügen, miteinander vergleichen lassen.
Das Grüner Strom Label (GSL) kennzeichnet Ökostromprodukte mit hohem Umweltnutzen. Zentrales Kriterium der Zertifizierung ist, dass die Stromanbieter einen festgelegten Teil der Kundengelder in neue regenerative Anlagen investieren. Beim Naturstrom Gold von BS-Energy, der zu 100 Prozent aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse gewonnen wird, ist das ein Cent je Kilowattstunde.
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