Anzeige

Meine Eulen sind weg

Nur aus einer bestimmten Richtung konnte ich die brütende Eule entdecken.
Von Herbert Nagel

Ein zaghaftes „Huh Huh“ weckte meine Aufmerksamkeit. Es war Mitte März und meine Frau und ich saßen noch in der Dämmerung auf der Terrasse.


Beim wiederholten Rufen aus der am Rande des Grundstückes stehenden Fichte war es mir klar: Eine Eule, eine Waldohreule musste es sein. Am folgenden Tag, die Sonne war hinter den Häusern verschwunden, rief sie wieder, aber von einer anderen Stelle aus, keine 30 m von uns entfernt. Als auch noch unser Kater über den Rasen schlich, verwandelte sich das Rufen in ein seltsames Bellen, ähnlich eines Hundewelpen hinter verschlossener Tür.
Am Vormittag suchte ich mit dem Fernglas beide Fichten ab. Da saß sie, dicht am Stamm in 10 m Höhe. Eine weitere Überraschung bot dann das alte Krähennest in der Spitze des Baumes. Es musste die Eulendame sein, von der ich nur die „Federohren“ erkennen konnte.
Fast drei Wochen konnten wir das immer wiederkehrende Ritual beobachten: Die Eulendame verließ das Nest und wartete auf der Spitze einer kleineren Tanne, die wohl als Weihnachtsbaum hier weiterleben durfte und nach einigen Minuten kann „Er“ und überbrachte seiner Herzensdame die ersehnte Mahlzeit. Nicht nur Mäuse, sondern auch Ratten waren dabei, die ich an den herunter baumelnden Schwänzen erkennen konnte.
Hin und wieder haben auch die in der Nähe lebenden Rabenkrähen den Eulenmann belästigt. Der war dickfällig und wartete geduldig den Abflug der Störenfriede ab. Am darauffolgenden Abend wendete sich das Blatt. Er trieb die beiden Krähen vor sich her, die überrascht das Weite suchten.
Endlich war es soweit: Zwei junge Waldohreulen zeigten sich neugierig und ständig mit dem Kopf wackelnd am Rande des Nestes. Schon zwei Wochen später kletterten sie geschickt von Ast zu Ast. Nach weiteren 14 Tagen saßen sie in unserem Garten und verfolgten interessiert das Geschehen unter ihnen. Ihr Aktionsradius wurde immer größer und brachte wohl die Elterntiere in arge Bedrängnis. Ständig wurden Mäuse herangeschleppt und den bettelnden Jungtieren übergeben.
Wenige Tagen später war der Spuk vorbei: Unsere Eulen kamen nicht wieder. Über den Bruterfolg der Waldohreulen und das wunderbare Erlebnis mit ihnen haben wir uns natürlich sehr gefreut, aber traurig waren wir doch ein wenig.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.