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Holzmoor Nord: Investor und Stadt missachten den Artenschutz

Holzmoor Nord - Oktober 2014
 
Holzmoor Nord - Januar 2018
Das Holzmoor Nord soll bekanntlich bebaut werden, die bisherigen Bewohner mussten ihre Häuser und Gärten aufgeben. Die ECB-Beteiligungsgesellschaft, die zu der Borek-Firmengruppe gehört, will auf dem bisher sehr naturnahen Gebiet mehr als 500 Wohnungen bauen. Doch wieviel Rücksicht wird dabei noch auf die Natur genommen?

Richard Borek hat sich im Februar 2014 in einem „Städtebaulichen Vertrag“ gegenüber der Stadt Braunschweig verpflichtet, eine gutachterliche Erfassung der auf dem Grundstück lebenden Tier- und Pflanzenarten erstellen zu lassen. Die Firma LaReG-Planungsgemeinschaft bekam den Auftrag und begann im Frühjahr 2015 mit der Erfassung der vorkommenden Arten. In dieser Zeit ließ die ECB bereits Gehölze roden und Gebäude abreißen. Das wurde auch noch in der Brut- und Setzzeit fortgesetzt und zeigte damit eine rücksichtslose Vorgehensweise, die auch weiterhin stilprägend sein sollte. Die Rodungen wurden erst im Mai 2015 nach einem Dringlichkeitsantrag des Stadtbezirksrats gestoppt. Die Ermittlung des Artenvorkommens war damit aber von Anfang an stark beeinträchtigt, eine korrekte Erfassung des Status Quo war nicht mehr möglich.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hatte bereits kurz zuvor selber eine Bestandsaufnahme der dortigen Brutvögel vorgenommen und dabei eine ungewöhnlich große Anzahl und Vielfalt festgestellt. Eine Stellungnahme wurde an die Stadt übermittelt, offiziell aber nicht zur Kenntnis genommen.

Im „Rahmenplan Holzmoor-Nord“ vom August 2015 wurde schließlich die baldige Fertigstellung des LaReG-Gutachtens angekündigt: „Der Bericht soll im November 2015 erstellt werden.“ (S. 23). Er wurde aber bis heute nicht abgeschlossen und nicht vorgelegt!

Stattdessen wurde das Gebiet weiter planiert und verwüstet, offensichtlich im Einvernehmen mit der Stadt - ohne wirkliche Kenntnis der vorhandenen Arten und damit auch ohne entsprechende Schutzmaßnahmen.

So verwundert es nicht, dass es dem Zufall und einem der letzten Bewohner überlassen blieb, im Herbst des letzten Jahres zwei besonders streng geschützte Tiere zu entdecken: In seinem Garten hatten eine Knoblauchkröte und ein Kammmolch Zuflucht gesucht. Das Vorkommen dieser Tierarten beweist einmal mehr, dass es sich bei dem Holzmoor um einen sehr speziellen und wertvollen Lebensraum handelt und auch jetzt noch alles getan werden muss, um möglichst viel davon zu erhalten.

Statt dort nun aber endlich die weiteren Arbeiten mit schweren Fahrzeugen und Maschinen einzustellen, wurden diese mit Zustimmung der Stadt nach einer kurzen Unterbrechung und mit geringfügigen Einschränkungen fortgesetzt. Der direkte Fundbereich wurde mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Unwahrscheinlich genug, dass sich die Tiere gerade dorthin zur Winterruhe zurückgezogen haben. An den Fahrzeugspuren ist zu erkennen, dass es schon direkt daneben keine Überlebenschancen mehr gegeben hätte und dass sogar Absperrungen überfahren werden.

Es ist auch zu bezweifeln, dass es wirkungsvolle Kontrollen gab und geben kann, da niemand weiß, wo und wie viele Knoblauchkröten und Teichmolche auf dem Gelände überwintern. Von Seiten der Stadt hieß es: „Im Rahmen von zwei Kontrollen am 10.01.2018 durch die untere Naturschutzbehörde konnte festgestellt werden, dass sich die bauvorbereitenden Maßnahmen zum überwiegenden Teil im abgestimmten Rahmen bewegen.“ Zwei Kontrollen und dann „überwiegend“ in Ordnung? Waren demnach vielleicht 40% der Arbeiten nicht in Ordnung? Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es ausdrücklich verboten, „Ruhestätten der wildlebenden Tiere der besonders geschützten Arten ... zu beschädigen oder zu zerstören.“ (§ 44 Abs.1)

Und warum das Ganze? Ist Eile geboten? Keineswegs, denn es ist noch nicht einmal über einen Bebauungsplan entschieden worden. Bis gebaut werden kann, werden ohnehin noch einige Jahre vergehen. Denn den verbliebenen Bewohnern wurde vertraglich zugesichert, dass sie vor dem eigentlichen Baubeginn in ein für sie gebautes Mehrfamilienhaus auf dem Gelände einziehen können. Sie warten darauf - aber auch dafür liegt noch nicht einmal ein Bauantrag vor.

Etwas anderes scheint wichtiger zu sein: Bei dieser Art des Vorgehens muss man keine Komplikationen mehr durch weitere Tierfunde befürchten. So kann voraussichtlich bald verkündet werden, dass es auf dem Gelände keine geschützten Tiere (mehr) gibt.
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