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Gehört der Kreuzteich noch zum Naturschutzgebiet?

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“, so sagt ein Sprichwort. Den Wurm habe ich gern verschmäht, wurde dafür aber mit einem herrlichen Sonnenaufgang belohnt.
 
Ruhe und Entspannung nach Feierabend am Kreuzteich.
Von Herbert Nagel

So, oder ähnlich könnten unsere Kinder, Enkel oder andere aus der heranwachsenden Generation fragen. Die Einzigartigkeit, ein Naturschutzgebiet im Stadtgebiet zu haben, welches unmittelbar von der Bushaltestelle oder vom Parkplatz betreten werden kann, ist für den naturliebenden Braunschweiger wie geschaffen.



Aber damit wird der für die Flora und Fauna geschaffene Schutzraum schnell zum Naherholungsgebiet. Hier helfen auch keine Vorschriften und Gesetze, es sei, sie werden in der Durchführung überwacht. Andererseits kann ein Schutz der Tiere in der Natur nur wirken, wenn die Besucher ein überzeugendes Verständnis für sie aufbringen.
Als vor über 700 Jahren die Mönche des Zisterzienser Ordens insgesamt 28 Teiche zur Fischzucht anlegten, erahnte noch niemand, welche Entwicklung die räumliche Ausdehnung der Menschen nehmen würde.
Die verschiedensten Einwirkungen auf das Teichgebiet bescheren uns heute noch 7 Teiche, die bis auf den Schapenbruchteich und Reinertsteich fischereiwirtschaftlich genutzt werden. Den Herren Dr. Otto Wilke (1876-1961), Adolf N. Nehrkorn (1841-1916) und Gerhard Schridde (1904-1968) haben wir es zu verdanken, dass 1936 das Riddagshäuser Teichgebiet zum Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde. Besonders Dr. Otto Wilke war es, der sich gegen eine Bebauung und für den Erhalt des Teichgebietes einsetzte. Er erkannte, dass hier ein wichtiger Rastplatz für die Zugvögel erhalten werden musste.
Später drängte Herr Dr. Berndt (1910-1987), wir kennen ihn als Leiter der Vogelschutzstation Braunschweig und als Vorsitzenden der Ortsgruppe des Deutschen Vogelschutzbundes (heute NABU) in Braunschweig, die Notwendigkeit des Naturschutzgebietes für die durchziehenden Vögel vom Norden in den Süden nicht zu unterschätzen. Seinem Drängen ist es zu verdanken, dass 1968 der Internationale Rat für Vogelschutz – dem er als Mitglied angehörte – das Naturschutzgebiet Riddagshausen der Status „Europa-Reservat“ verliehen wurde.

Vor Erfurcht müssten die Besucher vor diesem Schutzraum bereits an der Straße Ebertallee stehen bleiben. Aber die Wirklichkeit sieht anders aus.

Ein wunderbarer Spätherbsttag verleitete mich, schon früh um 7 Uhr zu einer Fotopirsch an die Teichdämme. In der Hoffnung, nun endlich die ersehnten einmaligen Tierfotos zu schießen, machte ich mich auf den Weg. Eine eigenartige Stimmung empfing an den vom Nebel verhüllten Kreuzteich. Schon nach 100 Metern lachte mir das Fotografenglück in Form eines regungslos auf Fische lauernden Graureihers. Hinter einer Dicken Eiche ging in Stellung und setzte zum Schuss an. Fast gleichzeitig mit dem Auffliegen des Fischjägers trampelte eine Rotte Jogger an mir vorüber. Ich ging langsam weiter. Ein seltsam kratzendes Geräusch kam nun näher. „Nordic Walking“, hatte ich gelesen, so bezeichnet man Heute das Wandern mit dem Stock. Von besonderer Bedeutung ist wohl der über den Erdboden schleifende Fuß des Stockes.
An anderer Stelle hatte ich mein Glück gefunden und konnte gleich eine Gruppe von 20 Graureihern beobachten. Zwei Spaziergängerinnen fragten mich nach dem Namen der Tiere und gingen beeindruckt weiter. Auf dem Rückweg – es war bereits 10 Uhr – kamen mir schon die ersten Familien mit Kleinkindern entgegen. Enten und Gänse zu füttern, ist schon für die Sprösslinge ein Erlebnis. Während zwei freilaufende Hunde den Pfahl begossen, auf dem freundlich auf die Nachteile der Fütterung hingewiesen wird, dachte ich über meine Jugend nach, die ich ja auch zum Teil hier verbrachte. 1949 badete ich – wie viele andere Kinder auch – gleich an der Ebertallee im Kreuzteich. Während ich noch über den günstigsten Zeitpunkt für eine ungestörte Fotopirsch nachdachte, gab mir der Fischwirtschaftsmeister Klaus Lübbe nach einem kurzen Plausch die richtige Antwort: „in der Woche, wenn es regnet“. Das war’s, ich hätte auch selbst drauf kommen können.
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4 Kommentare
777
Horst Schmid aus Braunschweig - Innenstadt | 10.01.2014 | 20:02  
85
Uwe Poppe aus Braunschweig - Nordstadt | 10.01.2014 | 20:38  
173
Herbert Nagel aus Braunschweig - Innenstadt | 11.01.2014 | 11:01  
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Klaus Nagel aus Braunschweig - Innenstadt | 11.01.2014 | 17:53  
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