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Gärtner Saubermann kommt!

Auf diese geschorene Rasenfläche wird sich kaum ein Insekt verirren.
 
Eine kleine Ecke im Garten wird sich immer für einen „freien Wuchs“ finden lassen.
von Herbert Nagel

Mit den ersten warmen Frühjahrstagen und den von bunten Gartenkatalogen gefüllten Briefkästen, hält keine Macht der Erde den lauernden Sauber-Gärtner in der Wohnstube. Er schreitet flugs zur Tat: In seinem Garten müssen die Pflanzen stramm stehen.

Kein unschuldiges Gänseblümchen, kein goldener Stern des Löwenzahns darf seine Rasenfläche entweihen. Mit umweltfreundlichen Mitteln wird alles vernichtet, was er als Unkraut bezeichnet. Großer Beliebtheit erfreut sich immer wieder der Flammenwerfer, der besonders schonend unerwünschte Pflanzen vernichtet. Dass dabei alles Getier sich unter Schmerzen krümmend bei lebendigem Leib gegart wird, will oder kann er nicht wissen. Ob Erdrauch, Mädesüß und Augentrost, ob Hornklee, Leinkraut oder Männertreu – kein noch so poetischer Name schützt die duftenden Pflanzen davor, ausgerottet zu werden, weil sie doch „unnütz“ sind. Kinder können keine Blumen mehr pflücken und keine Kränze mehr binden. Die Blumen, die es gibt, sind ausgerichtet, preisgekrönt, Marke „Gärtnerstolz und „Sonnenglück“. Sie sind zu wertvoll für Kinderhände.
Die Vögel finden keinen versteckten Platz für Ihre Nester. Bäume dürfen nicht groß werden, Hecken nicht ranken. dürre Äste und höhle Bäume werden entfernt. Genauso wie jedes trockene Blatt im Herbst unter dem hintersten Busch herausgekehrt wird.
Der englische Rasen biologisch fast so tot wie eine Kunststoffmatte, Asphaltfläche oder ein Betonplatz. Der gleiche Gärtner, der im milden Winter den armen Vögeln das „Überleben“ erleichtert, zerstört ihnen aus Unkenntnis die sommerliche Nahrungsbasis.
Knöterich, Liguster, Weißdorn und Efeu sucht man vergeblich im ausgerichteten Garten. Wenn Vögel ihre Nester im Spalierobst bauen müssen, haben die Nesträuber leichtes Spiel.
Nicht nur die Vögel finden keinen Unterschlupf beim Sauber-Gärtner, auch Igel, Erdkröte und Spitzmaus suchen vergeblich nach Asyl.
Lange schon gibt es keinen verwitterten Holzstoß mehr, keine moosüberwachsenen Steine und kein wildes Rosengebüsch. Mit Beton beplatteten Wegen und Beet Einfassungen wird die atmende Natur vergewaltigt.
„Hilfe, der Gärtner kommt“ würden all unsere Tiere rufen, wenn sie reden könnten, wenn im Frühjahr das Regiment der Giftspritzen und Baumsägen beginnt, wenn die natürliche Ordnung von einer unnatürlichen Perfektion zerstört wird. Längst weiß man, wie wichtig die Bäume und alles atmende Grün für den Menschen sind. Man hat auch erkannt, dass es durchaus nicht unbedenklich ist, Insekten- und Unkrautgift in die Gärten zu bringen – die Erhaltung des ausgewogenen biologischen Gleichgewichtes ist für die Menschheit eine Überlebensfrage. Auf deutschen Gartenböden werden zum vermeintlichen Schutz der Pflanzen jährlich mehr als 500 Tonnen Pestizide gegen Unkräuter, Pilzkrankheiten, Blattläuse und andere ungebetene Gäste eingesetzt. Schließlich gibt es genügend andere wirkungsvolle und auch preiswertere Möglichkeiten. Es sollte vor der chemischen Keule beurteilt werden, ob der Schaden einen solchen Einsatz rechtfertigt.
In feuchten Sommern können Nacktschnecken die Gartenfreunde an den Rand der Verzweiflung bringen. Sie sind aber Indiz dafür, dass das natürliche Gleichgewicht hier gestört ist. Die Liste gegen die „Schleimbeutel“ ist lang, aber nicht sicher. Schnecken lieben Feuchtigkeit, so weiß man, darum ist das Gießen der Pflanzen in den Morgenstunden angesagt. Auch Kaffee um die Beete sollen die Plagegeister vertreiben. Bretter, flach auf den feuchten Boden gelegt, sind geeignete Schneckenfallen. Anstatt die Tiere mit dem Messer oder auf eine andere perverse Art zu töten, verbringt man sie in die „Natur“ zurück.
Gärtner Saubermann hat davon nichts gehört. Er nutzt die Natur weiter wie es ihm gefällt, er gönnt dem kleinen Spatz die Kirsche nicht, der Drossel nicht den ab gepickten Krokus und möchte die Türkentaube für ihr frühes Rufen gleich mit vergiften.

Nichts gegen eine vernünftige Gartenpflege. Aber ein Garten sollte eben gepflegt und nicht beherrscht werden.
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