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Ein Silbergrasstreifen am Horizont

Vielfalt im Miniaturformat: Bei Veltenhof fühlen sich Sandstrohblume und Ödlandschrecke wohl – BUND pflegt Fläche.

Von Marion Korth, 07.08.2011.


Braunschweig. Das Wort „Sandmagerrasen“ darf man in Braunschweig eigentlich nicht in den Mund nehmen, um nicht eine Debatte über den Sinn und Unsinn von Naturschutz aufzuwerfen. Fakt ist: Die Silbergrasflur bei Veltenhof hat Seltenheitswert.

Ortstermin mit Eva Goclik und Robert Slawski von der BUND Kreisgruppe Braunschweig, die nach vielen Arbeitsstunden auf der Wiese ziemlich genau wissen, was dort wächst, kreucht und fleucht. Vielfalt zeigt sich hier im Miniaturformat: Der Bewuchs ist knöchel- selten kniehoch. „Sieht ein bisschen aus wie eine struppige Wiese“, sagt Slawski und lacht. Aber nach einer Führung übers Gelände würden selbst Skeptiker sagen: „Das war wirklich interessant.“
Dann kommt die Sonne heraus. Ein Farb-Flickenteppich beginnt zu leuchten: Rot, Gelb, Pink. Schattierungen von Braun, Grau und Grün. Jeder Schritt scheucht Grashüpfer auf, Hummeln und Bienen sitzen im Hasenklee, Schmetterlinge taumeln über Heidenelken, Bergsandglöckchen und Königskerzen.
„Diese Artenvielfalt, die wollen wir erhalten“, sagt Eva Goclik. Seit den 1980er Jahren sorgt sich der BUND um die Betreuung der rund ein Hektar großen Fläche, seit 1986 vertraglich mit der Stadt festgeschrieben. Nicht einmal zwei Dutzend Sandstrohblumen, sie werden auf der Roten Liste als besonders gefährdet geführt, standen damals auf einem schmalen Streifen. „Jetzt wissen wir gar nicht mehr, wie wir sie zählen sollen, 500 etwa“, rätselt Slawski und schaut zu den gelben Polstern, die über die Fläche verteilt sind.
Damit das Landschilf sie nicht erdrückt, wird es immer wieder herausgerissen, außerdem wird gemäht, Streifen aufgepflügt, damit die Samen der seltenen Wildpflanzen besser keimen können. „Da könnte schon jemand sagen, wendet euch doch mal an den örtlichen Motocrossverein, das hätte denselben Effekt“, sagt Slawski. Und Gräser kurzhalten, das könnte doch auch eine Herde Schafe. „Aber kontrollierbar wäre das alles nicht“, sagt er. Die Ehrenamtlichen beim BUND schauen jedes Jahr genau hin: Sind die Samen schon reif, kann gemäht werden, wächst zu viel Schilf, ist ein Kaninchenschutz erforderlich?
221 Arbeitsstunden haben BUND-Mitglieder und andere Freiwillige im vergangenen Jahr aufgebracht, damit das Silbergras und die Sandstrohblume beste Bedingungen vorfinden. Geld bekommen sie dafür nicht, auch nicht der BUND als Naturschutzverband, aber die Stadt kommt für notwendige Gerätschaften oder auch mal Reparaturen auf.
Für die Zukunft wünschen sich Robert Slawski und Eva Goclik, dass die Pflege gesichert werden kann, wenn nicht, wird es der Silbergrasflur bei Veltenhof wohl ähnlich ergehen wie einer städtischen Ausgleichsfläche wenig weiter. Dort informiert zwar eine Tafel, welche Besonderheiten einen Sandmagerrasen kennzeichnen, aber zu sehen ist nur eine mit hüfthohem Gras bewachsene Wiese…

Info Silbergrasflur

Lage: Veltenhof, nordwestlich des Mittellandkanals
Fläche: rund 1,3 Hektar
Biotop: Sandmagerrasen
Schutzstatus: Teil des Naturschutzgebietes „Braunschweiger Okeraue“
Pflege: Erste Ansätze 1980, seit 1986 vertraglich zwischen BUND Kreisgruppe Braunschweig und Stadt geregelt, rund 200 Arbeitsstunden im Jahr
Erfolge: Rettung und gute Entwicklung botanischer Zielarten wie Sandstrohblume und Silbergras. m
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